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Wenn der Bariton die Sopranstimme musikalisch umarmt

Rinteln / Göttinger Symphoniker in St. Nikolai Wenn der Bariton die Sopranstimme musikalisch umarmt

So viel Leidenschaft und innerer Aufruhr, voller Sehnsucht nach Liebesglück, immer auf der Suche nach dem Ausgang aus der tiefen Betrübnis, bereit für den Sieg der Liebe über den Tod – das Chor-Orchester-Konzert am Sonntag in der St.

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Sopranistin Ina Westphal und Bariton Sebastian Brendel singen die Bach-Kantate, Wolfgang Westphal (hinten) dirigiert.

Quelle: jak

Rinteln (cok). -Nikolai-Kirche in Rinteln entfesselte einen musikalischen Gefühlssturm – und das, obwohl sich alle drei gespielten Kompositionen unmittelbar auf den Glauben bezogen, nicht nur das Herzstück des Abends, Felix Mendelssohn Bartholdys „Reformations-Sinfonie.“

 Johann Sebastian Bachs Kantate „Wachet auf, ruft unsere Stimme“ erzählt eine richtige Liebesgeschichte rund um eine Braut, die ungeduldig auf den Bräutigam wartet, der endlich, endlich kommt, um dann mit ihr ein verliebtes Duett zu singen: „Mein Freund ist mein, und ich bin sein, die Liebe soll nichts scheiden.“ Souverän entwerfen der Schaumburger Oratorienchor und der Jugendchor der evangelischen Singschule mit ihrem Gesang die Szenerie eines großen Hochzeitsfestes, wo der wunderbare Tenor Patrick Grahl als Erzähler die Begegnung des Paares vorbereitet: Ina Westphal in strahlendem Sopran und Sebastian Brendel, der sie mit seinem Bariton musikalisch umarmt.

 Braut und Bräutigam sind die gläubige Seele und Jesus Christus, kein abstraktes Konzept, sondern ganz konkretes Erleben der Hingabe, so gefühlvoll, wie wahre Liebe eben sein soll. Nicht viel anders ist es bei Felix Mendelssohn Bartholdy , in dessen Reformations-Sinfonie und anschließend der Vertonung eines biblischen Psalms allerdings auch die düstere Seite der Suche nach Erlösung zum Ausdruck kommt.

 Als inneres Sinnsuche-Drama inszenierte der damals gerade 20-jährige Komponist die Geschichte von Martin Luther, seinen aufwühlenden Glaubenskampf, all die Zweifel und Verzweiflungen, bevor endlich und furios musikalisch umgesetzt der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ zum Thema des letzten Satzes wird.

 Der 42. Psalm ist dann einfach nur herzzerreißend, so ausdrucksstark tun sich die Chöre und die Göttinger Symphoniker zusammen, um einen zehrenden Liebeskummer wie auf eine Bühne zu bringen, das Hin und Her zwischen: „Betrübt ist meine Seele, darum gedenke ich an dich“ und „Harre auf Gott!“ – wieder übernimmt Ina Westphal den Part dieser Seele, in der durch alle inneren Verlorenheiten hindurch dann doch die Hoffnung auf Glück überwiegt.

 Die Zuhörer in der sehr gut gefüllten Kirche wussten das Engagement der in jeder Beziehung dem hohen Anspruch der Musik gerecht werdenden Musiker so sehr zu schätzen, dass ein nicht enden wollender Applaus aufstieg, der schließlich im Stehen von vielen gespendet wurde, speziell natürlich für Dirigent Wolfgang Westphal, der alle Fäden dieses emotionalen Konzertes sicher in der Hand hielt.

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