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Wenn sich Bettler als Betrüger entpuppen

Banden machen Bedürftigen Konkurrenz Wenn sich Bettler als Betrüger entpuppen

Glaubt man den Meldungen in Rintelner Facebook-Gruppen, dann ziehen in Rinteln und Umgebung gerade bettelnde Frauen von Haus zu Haus. Ein Nutzer postete ein Foto, das er von zwei Frauen in der Alten Todenmanner Straße gemacht hatte, bezeichnete sie als Bettlerinnen.

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Vor allem älteren Menschen geben sich Betrüger oft als Bedürftige mit einer besonderen Leidensgeschichte aus. Währenddessen lenken sie die Opfer ab und bestehlen sie.

Quelle: dpa

Rinteln (pk). Es folgten zahlreiche, mitunter hassgeladene Kommentare anderer Nutzer, die hinter den Frauen offenbar Betrüger oder Diebe vermuten und sie ebenfalls bereits gesehen hätten: in Kohlenstädt, im Extertal, in Varenholz und Bückeburg. Bei der Polizei Rinteln sind derzeit allerdings noch keine Meldungen über Bettler eingegangen. Zumal das Betteln an sich in Deutschland nicht verboten ist. Das Betteln unter Vortäuschung falscher Tatsachen allerdings schon.

 Zwar gibt es auch wirklich Bedürftige. Aber bei vielen Bettlern handele es sich um organisierte Banden, die sich als Spendensammler ausgeben, teilt der Rintelner Kripo-Chef Jörg Stuchlik auf Anfrage mit. Auf der Straße oder an der Wohnungstür sprechen sie vorzugsweise ältere Menschen an, von denen sie vermuten, dass sie besonders vertrauensselig sind. Dann lenken sie sie ab und klauen ihnen ihr Geld. „Wenn einer Seniorin mal eben ihre 400 Euro Rente gestohlen werden, dann ist aber Feierabend“, veranschaulicht Stuchlik.

 Ein Leser aus Steinbergen berichtete gestern unserer Zeitung gegenüber von einem Rumänen, der an seiner Haustür klingelte und – kein Deutsch sprechend – seiner Frau einen Zettel in die Hand drückte. Darauf sei dann zu lesen gewesen, dass sein Haus in Rumänien abgebrannt und er deshalb nun auf Spenden angewiesen sei. „Gutmütig, wie meine Frau ist, gab sie ihm fünf Euro“, sagte der Leser.

 Die Polizei geht davon aus, dass Leidensgeschichten wie die dieses Rumänen oft nicht stimmen. Aber das lasse sich nicht ohne Weiteres überprüfen. „Man müsste diese Leute tagelang beobachten, aber oft reisen sie am nächsten Tag schon eine andere Stadt an“, so Stuchlik. Zumal die Opfer oftmals keine Anzeige erstatteten, weil es ihnen peinlich sei, übers Ohr gehauen worden zu sein.

 Daher begrüßt Stuchlik es grundsätzlich, wenn sich die Bürger in sozialen Medien wie Facebook gegenseitig warnen. „Das zeugt davon, dass es inzwischen eine gewisse Sensibilisierung für das Thema gibt“, sagt er. Kein Verständnis hat der Kriminalhauptkommissar allerdings für üble Beleidigungen oder gar Androhung körperlicher Gewalt. So ist es in einigen der eingangs erwähnten Kommentare zu lesen.

 Angesichts solcher Äußerungen sei es in Erwägung zu ziehen, ein Verfahren zu eröffnen. Die Polizei Rinteln ermittele, schon allein aus Mangel an Personal, jedoch nicht auf Facebook, dies sei Sache des Landeskriminalamtes. Daher empfiehlt Stuchlik, entsprechende Äußerungen bei der Rintelner Dienststelle zur Anzeige zu bringen.

 Der Rintelner Anwalt Thomas Grell weist zudem darauf hin, dass Fotos ohne Einverständnis der Person, die darauf zu sehen ist, nicht veröffentlicht werden dürfen. Andernfalls habe die Person einen Unterlassungsanspruch. Das heißt, das Bild muss zum Beispiel bei Facebook wieder entfernt werden. Denkbar sei in solchen Fällen auch Schadensersatzanspruch oder Schmerzensgeld.

 Dazu kommt die Bildunterschrift „Bettler“. Dies sei eine strafrechtliche Beleidigung, weil sich „öffentlich verächtlich über jemand geäußert“ werde. Dasselbe gelte für üble Kommentare. Zur Anzeige gebracht, gehe dem dann die Staatsanwaltschaft nach.

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