Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Wer schlecht hört, muss um Abitur nicht bangen

Rinteln / Ernestinum Wer schlecht hört, muss um Abitur nicht bangen

Das Gymnasium Ernestinum wird behindertengerechter. Die von der EU geforderte Inklusion lässt grüßen. Doch zunächst geht es nur um den Einstieg – und zwar mit Bildung eines Förderschwerpunkts Hören. Gemeinsam mit dem Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen wurde das Ernestinum vom Landkreis bei den Gymnasien dafür ausgewählt.

Rinteln (dil). Bis zum Beginn des neuen Schuljahres wird ein Klassenraum so hergerichtet, dass auch Schüler mit eingeschränktem Hörvermögen und entsprechendem pädagogischen Sonderbedarf dem Unterricht folgen können. In den Folgejahren bis 2018 kommt jeweils ein weiterer Raum für den dann neuen Schülerjahrgang hinzu.

 „Wir haben bisher keinen solchen Fall“, stellt Schulleiter Reinhold Lüthen fest. Aber es gilt das Wahlrecht der Eltern, statt Förderschule kann es künftig auch gleich das Gymnasium sein. „Wir werden deshalb mit den Grundschulen Kontakt aufnehmen und klären: Gibt es dort Kinder mit dem Förderbedarf Hören und wollen deren Eltern sie aufs Gymnasium schicken?“

 Die Lehrer sollen breit auf die neue Herausforderung vorbereitet werden. „Gemeinsam mit den Gymnasien in Bad Nenndorf und Stadthagen organisieren wir Fortbildungen für alle Schulkollegien im Februar, je sechs Lehrer von jeder Schule außer dem Bückeburger Gymnasium nehmen daran teil – aus Rinteln alle freiwillig. Wir schicken alle ans Hölty-Gymnasium in Wunstorf, wo es schon eine Inklusionsklasse gibt. Dort werden bereits Erfahrungen aus der Praxis vermittelt. Zum Thema Hören gibt es dann noch eine Extra-Fortbildung mit einem Fachberater im Frühjahr. Falls entsprechende Kinder zu uns kommen, können wir sagen, wir sind vorbereitet.“

 „Das wird für die Lehrer eine große Herausforderung, denn Inklusion bedeutet Umgang mit noch mehr Vielfalt in der Klasse“, sagt Lüthens Stellvertreter André Sawade. „Bisher gab es für den Förderbedarf Hören nur eine Spezialschule in Osnabrück.“

 Die zu fördernden Kinder werden bei der Klassengröße doppelt gezählt und bekommen pro Kopf drei Wochenstunden durch Förderschullehrer. Davon profitieren alle Kinder. Für optimal halten Lüthen und Sawade drei Förderbedarfskinder pro Klasse.

 Doch parallel zu den pädagogischen müssen die technischen Voraussetzzungen geschaffen werden. Ein Klassenraum wird zunächst mit Verstärkeranlagen oder geeigneten elektroakustischen Kommunikationssystemen, Raumakustik und möglichst optimaler Beleuchtung hergerichtet.

 „Inklusion kann nur gelingen, wenn die beteiligten Lehrer diese Aufgabe annehmen und an einen Erfolg glauben“, sagt Lüthen. „Daran werden wir in den nächsten Jahren gemeinsam mit Ministerium, Landesschulbehörde und vor allen Dingen auch den Studienseminaren arbeiten. Wir müssen uns von lieb gewonnenen Vorstellungen verabschieden: Leistungshomogene Gruppen hat es nie gegeben und wird es künftig noch weniger geben. Umgang mit der Vielfalt, das wird unsere Aufgabe sein. Insofern werden wir uns zwangsläufig der Idee von einer Schule für alle Kinder deutlich annähern. Das Thema Inklusion wird das Gymnasium grundlegend verändern.“

 Weitere Schwerpunktschulen Hören werden die Oberschulen Stadthagen und Bückeburg, die IGS Schaumburg und Rodenberg, für Sehen die OS Stadthagen, die IGS Schaumburg und das WBG Stadthagen, für körperliche, motorische und geistige Entwicklung die OS Stadthagen, die IGS Schaumburg und das WBG Stadthagen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr