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Wie am Fließband verurteilt

NDR über Hexenverfolgung Wie am Fließband verurteilt

In dieser Woche wird der NDR in der Sendereihe „Hallo Niedersachsen“ einen Film zum Thema Hexenverfolgung zeigen. Gedreht hat ihn Autor Ole Lerch mit seinem Team unter anderem im Museum in Rinteln. Den Anstoß dazu hat der ehemalige Pastor Hartmut Hegeler aus Unna gegeben.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Rinteln. Hegeler hatte sich mit seinem Arbeitskreis „Hexenprozesse“ seit einem Jahr bundesweit vehement dafür einsetzt, dass in Städten Denkmale für die Opfer der Hexenverfolgung errichtet werden. Dazu hatte Hegeler im Juni auch in Rinteln in Briefen an die Stadtverwaltung und heimische Pastoren aufgefordert.

NDR-Autor Lerch erklärte gestern in einem Telefongespräch, er lasse in seinem Film Hegeler wie Museumsleiter Dr. Stefan Meyer zu Wort kommen, der die Meinung vertritt, man müsse diese Geschichte im Kontext zur damaligen Lebensrealität sehen. Man dürfe nicht vergessen, dass die Opfer der Hexenprozesse in der Regel selbst an Hexen und Zauberei geglaubt haben. Meyer: „Juristen und Gerichte urteilten Delikte ab, deren Existenz von den damaligen Theologen als Realität erklärt worden ist“. Das Thema werde heute ja auch keineswegs kontrovers diskutiert. Niemand ziehe in Zweifel, dass den Opfern Unrecht geschehen ist. Lerch schilderte, sein Film zeige vor allem die Geschichte der Universität, wie sich die Dinge damals entwickelt haben, dass der Generation der „Hardliner“ unter den Professoren junge Juristen gefolgt seien, die sich gegen die Hexenverfolgung gestellt haben. Lerch: „Der Zuschauer soll sich selbst ein Bild machen.“

Rinteln ist trauriger Rekordhalter

Für Hegeler ist Rinteln deshalb ein besonderer Ort, weil hier „Hexen wie am Fließband verurteilt worden sind.“ Die Professoren hätten die Angeklagten meist nicht einmal gesehen, die Richter die Gutachten übernommen und nach Aktenlage entschieden – meist ein Todesurteil. Rinteln halte hier in Niedersachsen einen traurigen Rekord.

Hegeler war selbst in Rinteln, hat das Museum besucht und zeigte sich von der Ausstellung zum Thema Hexenprozesse beeindruckt. Empört habe ihn allerdings, dass in St. Nikolai der Grabstein des evangelischen Predigers Daniel Wilhelmi aufgestellt sei, eines üblen, trickreichen Hexenbeichtvaters, ohne eine erklärende Tafel über dessen fatales Wirken.

Ausschuss gegen Denkmal

Mit der Idee von Hegeler, den Opfern der Hexenprozesse in Rinteln ein Denkmal zu widmen, hat sich inzwischen auch der Verwaltungsausschuss des Rates befasst und sich gegen ein Denkmal ausgesprochen. Der Ausschuss folgte hier der Argumentation von Museumsleiter Dr. Stefan Meyer. Meyer wie Hegeler werden wohl am Ende doch auf einen gemeinsamen Nenner kommen: Denn im Jahr 2021 gibt es das Jubiläum 400 Jahre Universität. Dieses Jubiläum schlägt Meyer vor, könnte man zum Anlass nehmen sowohl an die Professoren, die sich gegen die Hexenverfolgung gestellt haben wie an die Opfer zu erinnern. Hegeler versicherte gestern am Telefon: Das fände er eine „gute Idee“. Es ist ja auch keineswegs so, dass in Rinteln, speziell im Museum nicht korrekt aufgeklärt würde. Dort kann man in einer Hörstation einen Prozess verfolgen, aber es wird auch dargestellt, dass ab 1675 Verfahren niedergeschlagen worden sind, die „Kehrtwende“, der Anfang vom Ende der Hexenverfolgung. wm

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