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Wie eine große Familie

Jugendliche im Rintelner Skate-Park Wie eine große Familie

Ein kurzer Moment des Innehaltens, um die Konzentration zu fokussieren, dann nimmt Maurice Stein auf seinem Skateboard kräftig Schwung und stürzt sich die Rampe hinunter.

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 Auch Joos Ziegler aus Bückeburg zeigt am Skatepark sein Können.

Quelle: wk

Rinteln. Nur rund zehn Meter weiter schießt er mit beachtlichem Tempo eine andere Rampe hinauf und fliegt in hohem Bogen über drei übereinandergestapelte Skateboards hinweg. Während der Flugphase greift er das Brett, um es hockenderweise unter seinen Füßen zu halten, bevor er wenige Sekundenbruchteile später auf festem Boden landet – mal planmäßig, sprich: auf dem Board stehend, mitunter aber auch anders als gedacht, und zwar in Form einer Notlandung.

So oder so sieht es beeindruckend aus, was der 16-jährige Extener mit seinem Skateboard im Rintelner Skatepark anstellt. Zumal dieser Trick nur einer von vielen ist, den er mittlerweile drauf hat, seit er vor gerade mal einem Jahr mit dem Skateboardfahren angefangen hat.

Übung macht den Meister

„Wenn es das Wetter zulässt, bin ich jeden Tage hier“, sagt Maurice. Ohne ständiges Üben werde das nämlich nichts. Außerdem mache es ihm einen Riesenspaß, sich zusammen mit all den anderen Leuten auf der Anlage auszutoben. Denn: „Wir sind hier alle wie eine große Familie und kommen alle super miteinander klar.“

Stürze werden in Kauf genommen

In der Tat herrscht an diesem sonnigen Tag eine entspannte Atmosphäre in dem an der Burgfeldsweide gelegenen, 1997 erbauten und 2011 modernisierten Skatepark. Mehrere Dutzend Skater – Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene – sind dort mit ihren Skateboards unterwegs. Zeigen Kunststückchen in der „Halfpipe“ oder der „Quarter“, fegen mit Karacho über eine kleine Buckelpiste hinweg, springen über ein sockelartiges Gebilde oder rutschen seitlich auf den in den Beton einer „Bank“ eingelassenen Metallkanten entlang. Dass das nicht immer ohne Stürze und Blessuren abgeht, ist der Preis, den man für sein Vergnügen und die sportliche Entwicklung zahlen muss.

„Bevor man den ersten Trick drauf hat, ist das Ganze schon mit blauen Flecken verbunden“, bestätigt Matthias Ebeling (24). Auch Schürfwunden müsse man wegstecken. Er selbst habe sich in der Anfangszeit sogar den Arm gebrochen, was ihm das Skateboardfahren jedoch nicht habe verleiden können. Denn wenn man einen Trick endlich gestanden hat, sei dies ein derart großartiges Gefühl, ein regelrechter Adrenalinkick.

Mit dem "Ollie" fliegen

Los geht es beim Einsteiger übrigens mit dem „Ollie“, erklärt der Rolfshäger. Ein Trick, bei dem man auf dem rollenden Skateboard steht und mit einem Fuß auf dessen hinteres Ende, den „Tail“, tritt, um es vorne anzuheben. Zeitgleich zieht man den anderen Fuß mit der Seite über das Brett zur Spitze des Skateboards, um es durch diese Bewegung auch hinten anzuheben. So erlebt man eine kleine Flugphase, die freilich noch mit einer erfolgreichen Landung abgeschlossen werden muss, die der Theorie nach dadurch eingeleitet wird, dass man die Front des Brettes mit dem vorderen Fuß leicht nach unten drückt.

Was sich kompliziert liest, ist es auch. Weshalb man den „Ollie“ unzählige Male üben muss, bis man ihn so gut beherrscht, dass man darauf kompliziertere Tricks aufbauen kann. „Wobei“, so Ebeling, „im Grunde alle Skateboard-Tricks auf dem ‚Ollie‘ basieren.“ So etwa der „Shove it“, bei dem das Brett in der Luft horizontal um 180 Grad gedreht wird, oder der „Flip“, bei dem das Board im Verlauf der Flugphase einmal um 360 Grad um die Längsachse rotiert.

Frauen fehlen noch

Aktuell zählt die Rintelner Skater-Szene ungefähr 20 Personen, berichtet Lars Wöllecke, wobei er sich auf die Mitgliedsstärke einer entsprechenden Gruppe im Internet bezieht, in der beispielsweise Verabredungen zum Skateboardfahren getroffen werden. Junge Frauen sind bislang nicht dabei.

Überdies sind die Skater nicht vereinsmäßig organisiert, was im Hinblick auf die von der Szene gewünschte Erweiterung des Skateparks um eine „Mischung aus Quarter und Bank“ laut Wöllecke nachteilig ist: Da man kein Klub sei, gelte der Skatepark in diesem Fall als Spielplatz – also als eine Einrichtung, für die vergleichsweise wenig Geld im städtischen Etat zur Verfügung stehe, erläutert der 27-Jährige. Doch sich allein aus finanziellen Erwägungen als Verein zu organisieren, sei keine Option.

Die meisten hätten ja auch deshalb mit dem Skateboardfahren angefangen, weil sie unabhängig von Vereinsstrukturen und offiziellen Trainingszeiten sein wollten, ergänzt Ebeling. Denn andernfalls ginge ja „auch ein Stück Freiheit verloren“.

Dass diese Freiheit ein wertvolles Gut ist, zeigte die große Resonanz, die die Rintelner Skater bei ihrem Aktionstag verzeichnet haben, mit dem sie auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht haben. Die Veranstaltung war zudem Startschuss für einen von den Skatern gestarteten Spendenaufruf, mit dem sie Geld für die Erweiterung des Parks zusammentragen wollen. wk

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