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Wie gefährlich ist das „Happy Night“?

Immer wieder kommt die Polizei Wie gefährlich ist das „Happy Night“?

Kein Wochenende vergeht, ohne dass diese Zeitung eine Polizeimeldung erreicht. Fast immer mit dabei: Die Ecke an der Bahnhofsstraße, in der auch das „Happy Night“ liegt. Schlägereien, Bedrohungen, Sachbeschädigung, die Liste der Vergehen ist lange. Das ist auch der Polizei bekannt.

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Will keine Gewalt im „Happy Night“: Objektleiter Michael Jokiel.

Quelle: jak

Rinteln. Streifendienst-Chefin Daniela Kempa und Kripo-Chef Jörg Stuchlik haben sich die Faktenlage angesehen. In der fraglichen Ecke – inklusive Weserangerparkplatz – ist es seit Januar 2015 zu exakt 84 polizeibekannten Straftaten gekommen. Bei 63 davon handelte es sich um Delikte aus dem Bereich Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Drogen oder Widerstand gegen die Staatsgewalt. 37 der 84 Straftaten, als 45 Prozent, sind zwischen 3 Uhr und 6 Uhr früh begangen worden. „Und eigentlich immer war Alkohol im Spiel“, erklärt Stuchlik.

 Für den Happy-Night-Objektleiter Michael Jokiel ist die Sache klar: „Ich will nichts beschönigen.“ Ja, es komme zu sehr unschönen Szenen. Ja, die Situation kann eskalieren. Aber er setze gemeinsam mit den Securitys alles daran, die Lage zu entschärfen. „Aber mein Gott, man kann den Leuten doch nur vor den Kopf schaun.“ Oft genug würde ein späterer Straftäter bei ihm fröhlich tanzen und keiner Fliege was zuleide tun. „Dann geht er vor die Tür, trifft seinen Kumpel und plötzlich wirft er meinem Türsteher eine Flasche an den Kopf. Der hat eine Platzwunde, musste genäht werden.“

 Jokiel wird nicht müde zu betonen: Im Happy Night ist die Lage meist ruhig. Es komme vielleicht mal zu Rempeleien, aber da sei die Security sofort zur Stelle. Das deckt sich auch mit zahlreichen Stimmen aus sozialen Medien, die auf einen Aufruf unserer Zeitung hin ihre Erfahrungen mitgeteilt hatten.

 Problematisch werde es oft dann, wenn das Happy Night die Türen schließt, und die letzten Gäste weiterziehen in die nur zwei Meter entfernte Kneipe „Kalles Treff“. „Wer bei uns besoffen rausfliegt, der holt sich dort gerne noch mehr“, erzählt Jokiel, der seit 25 Jahren für das Happy Night tätig ist. Zwar gebe es mit dem Inhaber eine intakte Gesprächsbasis, aber eine direkte Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit, die gibt es nicht.

 Was es auch nicht gibt, das ist eine Videoüberwachung des Außenbereichs. Etwa alle halbe Stunde würden die Sicherheitsleute um das Gebäude und auch in die Garage gehen und nach dem Rechten sehen. Aber bei Straftaten auf dem Bürgersteig oder auf der anderen Straßenseite, da könne er nicht auch noch zuständig sein. „Es wäre schon sinnvoll, wenn die Polizei öfter auf Streife geht.“ Eine Videoüberwachung des Außenbereichs hält Jokiel für möglich, wenn rechtlich nichts dagegen spreche.

 Der Happy-Night-Leiter wünscht sich von der Polizei auch, nicht immer pauschal die Diskothek als Ort des Geschehens zu nennen. „Oft passieren die Sachen, wenn wir schon lange geschlossen haben.“

 Ein direkter Anwohner des Happy Night berichtet ebenfalls, dass die Situation durch die daneben liegende Kneipe nicht unbedingt einfacher geworden sei. Die Geräuschbelastung durch betrunkene Partygäste und regelmäßige Polizeisirenen sei aber für alle Anwohner ein stetes Ärgernis. Er wünscht sich, dass bei einem etwaigen runden Tisch auch die Anwohner beteiligt werden.

 Bürgermeister Thomas Priemer erklärt auf Anfrage, er wolle baldmöglich zu einem runden Tisch einladen. Wer genau dabei involviert sei, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall aber Polizei, Landkreis und Stadt. Für die Stadt, die die Gewalt im Happy Night sehr ernst nimmt, stünde in letzter Konsequenz auch eine Sperrzeit als Möglichkeit im Raum.

 Auch für die heimische Polizei ist die Situation eine stete Belastung. Wie Streifendienst-Chef Stuchlik erklärt, richte man sich am Wochenenddienst natürlich darauf ein. Dennoch sei es für seine Kollegen auch eine psychische Belastung, Nacht für Nacht deeskalierend auf bis zur Besinnungslosigkeit besoffene Partygäste einzuwirken. Von tätlichen Angriffen auf Beamte ganz zu schweigen. „Das Klima vor dem Happy Night muss sich ändern.“

 Dabei betont auch die Polizei, dass es nicht speziell um die Diskothek gehe. Die ganze Umgebung, auch mit dem Weserangerparkplatz und der Kneipe „Kalles Treff“ sei ein Hotspot. Es besteht Handlungsbedarf. „Wir werden die Situation künftig noch genauer betrachten.“

 Auch Bürgermeister Priemer wird im Gespräch sehr deutlich: „Wir müssen unmissverständlich klar machen, dass wir alle Maßnahmen treffen werden, um diese Ansammlungen von Gewalt, die sich auch gegen die Polizei richten, zu unterbinden.“  jak

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