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Willy Brandt zieht noch mal um

Rinteln / SPD Willy Brandt zieht noch mal um

Brennerstraße 8. Das war die Adresse, wo der SPD-Unterbezirk Wahlkampfstrategien entwickelt, Bündnisse geschmiedet, Mitglieder verwaltet hat.

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Die Schaukästen in der Brennerstraße sind noch voller Plakate.

Quelle: tol

Rinteln. Ein Altbau mit Historie: Dort war vor dem Krieg eine Genossenschaft angesiedelt, davon zeugt noch das große Tor, durch das zur Not ein Pferdefuhrwerk passt. Dann hat die SPD das Haus erworben, vor vier Jahren an Carsten Fischer weiter verkauft und ist zur Miete geblieben. Mit im Haus wohnen Finanzschüler, Fischer hat dort Wohnungen zu einer WG umgebaut.

 Ein lang gezogener Flur, zwei Büros, ein Sitzungszimmer, nichts Pompöses, die Schaltzentrale für den Unterbezirk (UB) arbeitete in eher bescheidenen Räumen. Das ist jetzt Geschichte. Die Schaumburger SPD hat ihre Geschäftsstelle in Rinteln aufgegeben und verlagert Ende August den Hauptsitz nach Stadthagen an die Obernstraße. Eröffnet werden soll die neue Geschäftsstelle am Montag, 1. September.

 Für Grit Schmidt war die Brennerstraße 8 mehr als 20 Jahre ihr Arbeitsplatz als Geschäftsführerin (ihr Hund, erinnern sich Genossen, gehörte praktisch mit zur Büroausstattung). Mit Schmidt sind moderne Zeiten angebrochen, die elektronische Datenverarbeitung. Bis dahin existierten die rund 3000 SPD-Mitglieder auf Karteikarten, wurden die Beiträge von Kassierern eingesammelt. Das war von 1966 bis 1991 das Reich von Jürgen Evers als UB-Geschäftsführer.

 An der Brennerstraße hat die SPD ihre Wahlkämpfe organisiert, Helfer aus den Ortsteilen zusammengetrommelt, die Plakate kleben, Flyer in alle Haushalte verteilen sollten. Für kurze Zeit hatte dort Heiner Bartling als Landtagsabgeordneter sein Büro, das er dann nach Steinbergen verlegt hat.

 Vier Europa-, fünf Bundestags-, vier Landtags- und drei Landratswahlen hat Schmidt von der Brennerstraße aus mit organisiert. „Dann stapelten sich im Flur die Wahlkampfbroschüren auf Paletten“, erinnert sie sich.

 In den Anfangsjahren hätten Genossen fast täglich in der Geschäftsstelle vorbeigeschaut. Damals liefen dort auch noch die Wahlergebnisse zusammen. Der Computer, das Internet, sagt Schmidt, hat alles verändert: Man tauschte sich bald nur noch über E-Mails aus. Der Bürgermeisterwahlkampf Anfang dieses Jahres war an der Brennerstraße die letzte große Aktion.

 Nicht Gerhard Schröder, sondern Willy Brandt, die Ikone der Sozialdemokratie, hing im Flur gerahmt an der Wand. Brandt soll mit nach Stadthagen umziehen. Andere Akten und Schriftstücke, die dokumentarischen Wert haben, bekommt die Friedrich-Ebert-Stiftung für ihre Bibliothek. Diese gilt heute als eine der weltweit größten wissenschaftlichen Spezialbibliotheken für die Geschichte der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften.

 Schmidt ist Ende 2010 ausgeschieden, ihre Mitarbeiterin Doris Bünte hat die Büroleitung übernommen. Sie wurde vor zwei Jahren von Sandra Schäfer abgelöst. Sie zieht auch nach Stadthagen um. „Kein Problem“, sagt sie, „ich wohne in Obernkirchen, und bis Stadthagen ist es nicht viel weiter als nach Rinteln.“

 An der Brennerstraße stapeln sich bereits die Kartons mit Akten, am 29. und 30. August kommt der Mercedes-Sprinter. Bis dahin ist der Unterbezirk noch unter der Rintelner Telefonnummer 2644 zu erreichen.

 Eine Pointe: Eine Zeit lang hatte die CDU ihr Büro gegenüber. Doch zum Kaffeetrinken, erinnert sich Schmidt, so über die Straße habe man sich nie eingeladen. Einmal ist ein Stein in die Schaufensterscheibe des SPD-Büros geflogen. Dass der Steinwurf politisch motiviert gewesen sein konnte, mochte damals kein Genosse glauben.

 Dass das „Hauptquartier“ des Unterbezirks verlegt werden sollte, zeichnete sich seit ein paar Jahren ab. In die Räume des Altbaus an der Brennerstraße ist nichts mehr investiert worden. Und der Umzug spiegelt gleich mehrere Entwicklungen wider: die Neuaufteilung der Wahlkreise, die Rinteln für das Schaumburger Land an den Rand geschoben hat. In Stadthagen hat der Landtagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Karsten Becker sein Büro. Dann macht der Mitgliederschwund in der SPD Außenstellen überflüssig: Noch vor 25 Jahren galt es, um die 4000 Mitglieder zu verwalten. Diese Zahl hat sich fast halbiert.

 Carsten Fischer – auch Eigentümer und Chef des Reha-Zentrums in der Nordstadt – erklärte auf Anfrage, er wolle erst einmal die SPD ausziehen lassen. Dann werde er überlegen, wie die frei gewordenen Räume künftig genutzt werden könnten.wm

 Das Foto des SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt steckt Sandra Schäfer nicht in die grüne Mülltonne, es zieht mit um nach Stadthagen. tol

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