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„Wir halten uns nicht für was Besseres“

Zusammenführung Ernestinum und IGS „Wir halten uns nicht für was Besseres“

„Wir sind nicht arrogant oder halten uns für etwas Besseres.“ Das sagt, mit aller Entschiedenheit, Ernestinum-Lehrerin Carina Konowalow. Sie ist Vertreterin des Personalrates am Rintelner Gymnasium und nicht die Einzige, die befürchtet, in der Diskussion um zukünftiges gemeinsames Arbeiten mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) sei ein falsches Bild von der Haltung des Ernestinums entstanden.

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Das Schulgelände des Ernestinums. Die IGS soll in ein paar Jahren aus der Innenstadt in einen Neubau auf dem Gelände des Gymnasiums an der Burgfeldsweide ziehen.

Quelle: af

RINTELN. Es geht um die lange Diskussion darüber, wie sich das zukünftige Zusammengehen gestalten werde, wenn die IGS in ein paar Jahren aus der Innenstadt umzieht in einen Neubau auf dem Gelände des Gymnasiums an der Burgfeldsweide.

„Uns kommt es so vor, als würden viele Bürger meinen, wir am Ernestinum hätten Vorurteile gegenüber der IGS und würden mit deren Schülern am liebsten nichts zu tun haben“, so Konowalow. Sie habe deshalb im Kollegium herumgefragt und auch Diskussionen unter den Schülern angeregt. „Natürlich sind nicht alle in allen Punkten derselben Meinung, aber ich bin nirgends auf Intoleranz gestoßen.“

Man sitzt in einer kleinen Gesprächsrunde zum Thema zusammen. Außer André Sawade aus der Ernestinum-Schulleitung und den beiden Lehrern Markus Althaus sowie Willy Claus ist auch der Oberstufenschüler Marius Spohr dabei. „Wir sind doch alle eine Generation“, sagt er. „Wir kennen uns von den Grundschulen, wir spielen gemeinsam Fußball, sind in den Vereinen, begegnen uns außerhalb der Schule – es ist nun wirklich nicht so, dass da zwei verschiedene Welten aufeinandertreffen.“

In der Sporthalle werde es eng

Er glaube, dass die meisten seiner Mitschüler es ähnlich sähen. „Ich frage mich nur, wie es mit dem Teilen der Sporthalle werden wird. In den Umkleideräumen ist es auch jetzt schon ziemlich eng.“

Die etwa 600 IGS-Schüler werden mit den Schülern des Gymnasiums zukünftig auch gemeinsam die Mensa und die Aula nutzen. Die sollen zwar zu diesem Zweck umgebaut und erweitert werden. Trotzdem machen sich sowohl Lehrer als auch Schüler Gedanken darüber, ob es dann in Stoßzeiten nicht einfach viel zu voll werden wird. Sawade fürchtet konkret, dass bei der Zuteilung der Fachräume, die zum Teil auch die IGS belegen wird, Theorie und Praxis auseinanderklaffen könnten. „Ja, theoretisch haben wir Kapazitäten frei“, sagt er. „Praktisch aber muss man die Räume zum richtigen Zeitpunkt den entsprechenden Lehrern und Klassen zuordnen können.“

"Spannend und fruchtbar"

Das erwähnt er, um gleichzeitig zu betonen: „Es sind überwiegend organisatorische Dinge, die hier und da Unruhe hervorrufen.“ Manche Lehrer hätten angefragt, berichtet Konowalow, ob sie jetzt doppelt so viele Schüler beaufsichtigen müssten oder ob sie den IGS-Schülern gegenüber auch weisungsbefugt seien. „So was lässt sich aber mit einer einfachen Antwort klären: Natürlich sind die aufsichtführenden Lehrer weisungsbefugt, und natürlich würde man sich die Aufsichtspflichten mit den Lehrern der IGS teilen.“ Man diskutiere eben über all die Fragen, die bei einer Neuerung entstünden, ergänzt Sawade. „Ich gehe davon aus, dass sich das alles nach und nach regeln wird.“ Ernestinum-Lehrer Markus Althaus kennt die IGS am Kollegienplatz. Seit mehr als einem Jahr unterrichtet er dort Sport in der neunten Klasse. „Anfangs mussten die Schüler und ich uns erst mal beschnuppern. Sie fanden es ungewohnt, dass ich so viel Gruppenarbeit machte. Und insgesamt gehen die Schüler sprachlich etwas rauer miteinander um.“ Alles in allem aber sei das Lernklima nicht viel anders als am Gymnasium. „Ich gebe zu: Das hat mich tatsächlich etwas überrascht.“

Willy Claus ist Lehrer für Erdkunde, Politik sowie Werte und Normen. „Für mich ist die Kooperation mit der IGS spannend und fruchtbar, sowohl in Bezug auf die Schüler als auch in Bezug auf die Diskussionen mit den Kollegen.“ Er habe etwas andere Unterrichtsansätze finden müssen, weniger stark fachlich orientiert. Die IGS-Schüler seien früher als die Gymnasiasten auf ihre berufliche Zukunft hin orientiert. „Ich bewundere einige der Schüler auch sehr dafür, wie sie damit umgehen, dass sie manchmal schon echte Schicksalsschläge durchmachen mussten.“

Die fünf am Gespräch Beteiligten sehen dem zukünftigen „Schul-Campus“ insgesamt mit aufgeschlossener Neugier entgegen und sagen, damit auch für die Mehrheit des Kollegiums sprechen zu können.

„Ich begrüße es, wenn einzelne Kollegen sich für die Stadt und in der Politik engagieren“, so Sawade. Doch könne das zur Folge haben, dass Bedenken, die sie äußern, ein zu großes Gewicht in der Öffentlichkeit erhalten. cok

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