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„Wir sind eine gute Ecke vorangekommen“

Rinteln / Tiefbauamtsleiter geht in den Ruhestand „Wir sind eine gute Ecke vorangekommen“

Er ist gern mit dem Fahrrad unterwegs – und ab morgen als Rentner wohl noch mehr. Und auf so mancher Strecke werden Erinnerungen wach. Vor allem auf dem gepflasterten Radweg im Exter Feld – vom Ostertor bis Feuerwehrhaus Exten.

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Sie hat sein Berufsleben bei der Stadt Rinteln stark mitgeprägt: Die Stadtsanierung wurde in einer Broschüre dokumentiert, bei deren Durchblättern der scheidende Tiefbauamtsleiter Helmut Leppin schnell in Erinnerungen schwelgt.

Quelle: dil

Rinteln (dil). „Dessen Bau war meine erste Aufgabe, als ich 1975 zur Stadtverwaltung Rinteln kam“, schmunzelt Tiefbauamtsleiter Helmut Leppin (65).

 „Ich bin mit Exter Wasser getauft“, bekennt der gebürtige Extener, der sich schon früh für Straßenbau interessierte. So spezialisierte er sich beim Ingenieurstudium in Hildesheim und zum Schluss in Minden auf die Fachrichtung Verkehrsbau. In Minden fand er 1971 auch seine erste Anstellung – beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. „In den drei Jahren dort habe ich durch die Praxis viel für später gelernt“, sagt Leppin, der damals noch mit seiner Frau in Bückeburg wohnte. Später zogen sie in die Rintelner Hafenstraße.

 Am 2. Januar 1975 trat Leppin in die Stadtverwaltung Rinteln ein – gemeinsam übrigens mit Christa Baule, bis heute Sekretärin im Baudezernat. Anfangs war das Büro noch in der alten Feuerwehr, dann im Eckhaus Brennerstraße/Schulstraße. Erst Ende der siebziger Jahre folgte der Umzug ins Rathaus, Klosterstraße 20. „Dort hatte ich zunächst nur ein kleines Büro, 1992 habe ich dann das des Amtsleiters vom Vorgänger Wilhelm Kinkeldey übernommen“, erinnert sich Leppin.

 In diesem Büro räumt Leppin seit Tagen auf. Dabei fiel ihm die Broschüre über die Stadtsanierung von 1982 bis 2004 in die Hände – und Erinnerungen werden wach. „Als Kind kannte ich noch die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 238 mit Straßenbahn“, erzählt Leppin schmunzelnd. „1982 kam als erste Maßnahme der Umbau des Kirchplatzes, Pflasterung statt Schotter. Im November war alles fertig, im Dezember trat der neue Stadtbaurat Reinhold Koch seinen Dienst an.“

 Viele Straßenumbauten, Änderungen der Verkehrsführung und als Krönung der Bau der Fußgängerzone prägten die nächsten Jahrzehnte. Mit dem Ergebnis ist Leppin zufrieden, wenn er auch immer wieder hören muss, dass nicht alle Verkehrsprobleme zur Zufriedenheit aller Bürger gelöst sind. „Man muss weiter Neues probieren, aber immer zusammen mit den Bürgern“, rät Leppin seinen Nachfolgern und der Kommunalpolitik. Aber oft schaffen sich die Bürger durch Missachten von Vorschriften und Bequemlichkeit die Verkehrsprobleme ja selbst. Autofahren bis an den Schreibtisch oder die Ladentheke gehe nicht, Parkplätze habe die Stadt aber genug.

 Dorferneuerungen und Flurbereinigungen prägten die Arbeit im Tiefbauamt ebenfalls. Und Leppin hatte als Amtsleiter immer den Bauhof unter sich, in Spitzenzeiten 50 Mann, heute nur noch um die 40. Doch auch mit ihnen konnte er nicht alle Wünsche – besonders aus den Ortsteilen – so rasch erfüllen wie gewünscht. Mit Humor und manch flottem Spruch wusste Leppin aber meist, zur Geduld zu mahnen.

 „Wir sind eine gute Ecke vorangekommen“, stellt Leppin fest. Gute Drähte zu übergeordneten Behörden und eine vergleichsweise gute finanzielle Lage der Stadt erlaubten, die Straßen ordentlich in Schuss zu halten. „Immer alles gut vorbereiten, den Rat einbeziehen und die Bürger frühzeitig informieren“, nennt Leppin Bausteine erfolgreichen Arbeitens im Tiefbauamt. „Und auch im Büro viel miteinander kommunizieren – persönlich, nicht sich Zettel schreiben.“ Entgegen kam ihm dabei die geringe Fluktuation unter seinen Mitarbeitern. Die beiden anderen Ingenieure im Tiefbauamt sind auch schon seit mindestens zwei Jahrzehnten da. „Ohne unser gutes Miteinander hätten wir nicht so eine hohe Schlagzahl erreicht.“

 „Ich werde mich jetzt mehr um meinen Enkel in Wunstorf kümmern“, blickt Leppin in die nun rein private Zukunft. Nordic Walking und Radtouren mit der Ehefrau sowie eine gemeinsame Reise nach Rom und Neapel sollen für Abwechslung sorgen. Und der heimische Garten wird auch noch so manchen Schweißtropfen erfordern. Bei schlechtem Wetter bleibt die geliebte Lektüre der Werke von Wilhelm Busch.

 Ein Ehrenamt und mehr Zeit am PC, das steht nicht im Vordergrund. „Ich habe am Anfang noch Straßenquerschnitte mit der Hand gezeichnet, heute machen das unsere Azubis am Computer“, stellt Lepppin fest und scheint erleichtert zu sein, da nicht mehr mithalten zu müssen. Gelassen und zufrieden blickt Leppin seiner heutigen Verabschiedung entgegen, mit ein bisschen Wehmut auch, dass seine Stelle nicht wieder besetzt wird.

 Dass Rinteln sein Wohnort bleibt, ist unstrittig. Die Stadt, deren Verkehrswege er mitgestaltet hat, bot und bietet eben viele Vorteile. „Wo hätte ich sonst jahrzehntelang mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können?“, fragt sich Leppin rückblickend – schmunzelnd.

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