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„Wir stehen auf den Lifestyle von damals“

Rinteln / Festival „Wir stehen auf den Lifestyle von damals“

Beim „50er-Jahre-Festival“ auf Gut Dankersen hat alles gepasst: Trockenes, zum Teil herrliches Wetter, tolle Oldtimer, fetzige Rock-’n’-Roll-Musik, jede Menge Verkaufsstände mit zum Motto passenden Original- und Retro-Artikeln und ein kleines, buntes Beiprogramm, zu dem unter anderem das nostalgische Fahrgeschäft „Discoraupe“ gehörte.

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Zur Musik der aufspielenden Live-Bands legen die Rock-’n’-Rolltänzer unter den Festivalbesuchern eine flotte Sohle aufs Parkett. © wk

Rinteln (wk). Hinzu kamen die weit mehr als 1000 Besucher, die das Gelände des Rittergutes im Verlauf der beiden Tage frequentierten und von denen etliche mit Petticoat und Schmalztolle im Stil der „guten alten Zeit“ gestylt waren.

„Der Ansturm war gigantisch, das hat all unsere Erwartungen übertroffen“, berichtete Claudia von Ditfurth-Siefken. Bereits am frühen Vormittag seien so viele Oldtimer gekommen, dass die eigens dafür vorgesehenen Parkplätze auf dem Hof und vorm Eingang zum Festivalgelände komplett belegt waren. Auf mehr als 500 historische Autos schätzte sie die Zahl der von teilweise weit her angereisten Oldtimerbesitzer, die historischen Motorräder nicht mit eingerechnet.

Bereits am Mittag seien zudem alle für diesen Tag eingeplanten 1000 Eintrittskarten weg gewesen – und das Wechselgeld an den Kassen sei zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ausgegangen gewesen. „Ein Erfolg ist es jetzt schon“, bestätigte Ehemann Hoimar von Ditfurth-Siefken. Ob sich die ganze Aktion für sie beide letzten Endes aber auch finanziell gerechnet hat, werde man selbstverständlich erst sehen, wenn ein Kassensturz gemacht worden ist.

Definitiv auf ihre Kosten gekommen waren indes jene Besucher, die schon zuvor vom Virus der „wilden Fünfziger“ infiziert worden waren: Das Festival sei „ganz toll aufgezogen worden“ und dem zugrunde liegenden Motto somit „voll gerecht geworden“, zeigte sich etwa der Hannoveraner René Knigge begeistert. Mit unter anderem Elvis-Tolle sowie T-Shirt im Retrolook und dazu passender Jeanshose trug er seine Rock-’n-’Roll-Leidenschaft offen zur Schau. Und als ob das nicht ausreichen würde, fand sich auf seiner ledernen Weste kurioserweise noch ein moderner Aufnäher mit dem Slogan „E-Bass ist kacke“: „Der Kontrabass ist das Instrument des Rock ’n’ Roll“, erklärte der 42-Jährige hierzu. An den unvergleichlichen Klang dieses Instruments reiche ein moderner E-Bass nicht annähernd heran.

„Das Ambiente ist gigantisch, besser geht es nicht“, schwärmte auch Jürgen Schewior, Inhaber des mit einem Verkaufsstand auf dem Festivalgelände vertretenen „Nostalgie-Shops“ aus Hamburg. Dessen Angebot: alte Schall- und Schellackplatten, Radios und Wohnaccessoires, Petticoats und andere Bekleidung im Retrolook und vieles mehr. Dass der Verkauf seiner Waren nur mittelmäßig lief, führte er in erster Linie darauf zurück, dass der Monat bereits weit vorangeschritten sei und die Leute deshalb nicht mehr so viel Geld in der Tasche hätten wie am Anfang des Monats. Von der Anzahl her seien nämlich mehr als genug Kunden da.

In Form eines schicken, mit einem Petticoat zu tragenden Tanzkleides fündig geworden war bei ihm indes Alexandra „Lexi“ White (31) aus Porta Westfalica: „Wir sind eine richtige Rock-’n’-Roll-Familie und stehen auf die Musik, die Autos und den Lifestyle der damaligen Zeit“, verriet die dreifache Mutter, die mit Unterlippen-Piercing und zahlreichen, auffälligen Tattoos daherkam. Solch Körperschmuck gehöre in der Szene mittlerweile auch bei Frauen dazu, erläuterte sie auf Nachfrage, und setzte lachend nach: „Wir sind halt halbstark.“ Für das Kleid hatte sie 65 Euro über den Tresen geschoben.

Als Teil der großen Oldtimerfraktion war Albrecht Ubmeier aus Lage im zeitgenössischen Outfit samt Strohhut mit seinem rot-schwarzen Citroën 11CV Baujahr 1950 nach Gut Dankersen gekommen. Der Besuch habe sich allein schon wegen der vielen schönen Fahrzeuge auf jeden Fall gelohnt, berichtete er. Er selbst hat nach eigenen Angaben rund zwei Jahre Arbeit in die Restauration des seinerzeit vom Volksmund als „Gangsterlimousine“ bezeichneten Oldtimers gesteckt.

Aus Liebe zum Detail hatte er neben seinem Gefährt noch eine Original-Parkuhr aus dem Jahr 1957 aufgestellt, die er regelmäßig mit Zehn-Pfennig-Münzen der damals noch geltenden Währung fütterte.

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