Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Wo wächst künftig Hexenholz?

Projekte für den Naturpark Weserbergland Wo wächst künftig Hexenholz?

Karl-Heinz Buchholz als Geschäftsführer des Naturparks Weserbergland-Schaumburg-Hameln – das ist ein Glückfall für beide Seiten gewesen.

Voriger Artikel
Mehr Übergriffe mit Tränengas?
Nächster Artikel
Polizei fahndet in Rinteln nach RAF-Terrorist

Das Weserbergland bietet tolle Wanderwege, doch auch die müssen regelmäßig gepflegt werden.

Quelle: wm

RINTELN. Für den Naturpark, weil Buchholz als ehemaliger Rintelner Bürgermeister die notwendigen Kontakte zu Behörden und Institutionen hat, weiß, wie Bürokratie tickt, welche Hürden man bei Förderanträgen überwinden muss. Für Buchholz, weil Natur und Tourismus schon immer Arbeitsfelder waren, das er gerne beackert hat. So hat er sich beispielsweise persönlich dafür eingesetzt, dass das Kiesabbaugebiet in Hohenrode ein Naturschutzgebiet, die „Auenlandschaft“, geworden ist. Und Buchholz kennt über die von der Stadt Rinteln organisierten Symposien anlässlich der Tüxen-Preis-Verleihung viele Wissenschaftler als Ansprechpartner in Sachen Landschaftsschutz. So hat er bei einer Preis-Verleihung unter anderem auch Alfred Toepfer, den „Vater“ und Wegbereiter der Naturparke persönlich kennengelernt.

14 Naturparke gibt es in Niedersachsen, der Naturpark Weserbergland ist mit 1160 Quadratkilometern einer der Großen. Mit dem Weserberglandweg von Hannoversch Münden bis Porta Westfalica und dem Ith-Hils-Weg gibt es dort bereits zwei Qualitätswanderwege, womit sich die Frage stellt:

Was sind die künftigen Aufgaben?

Buchholz sagt, ganz klar: „Umweltbildung, die Entwicklung einer Regionalmarke für landwirtschaftliche Produkte und – da wo es machbar ist – barrierefreie Rundwanderwege.

Keine utopischen Ziele: „Wer weiß schon noch, wie eine Vogelbeere, ein Wildapfel, eine Eisbeere aussieht?“ Dort setzt „Umweltbildung“ an, die Neugierde wecken soll. Es ist ein Versuch, die Tier- und Pflanzenwelt des Naturparks zu erklären: Ohne Ameisen beispielsweise sähe der Wald ganz anders aus. Außerdem könnten die Zusammenhänge mit der Geschichte und der Kultur der Region aufgezeigt werden: Wie hat der Gesteinsabbau die Landschaft umgestaltet?

Studien zeigen, dass Naturerlebnisse, Naturerfahrungen und Naturkenntnisse Voraussetzungen dafür sind, das Menschen sich rücksichtsvoll gegenüber Natur und Umwelt zu verhalten. Es gilt: Nur was man kennt, weiß man zu schätzen.

Wie man eine Regionalmarke für landwirtschaftliche Produkte aufbaut, haben schon andere Regionen, beispielsweise der Schwarzwald vorgemacht. Die Idee dabei: Die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus der Region ist meist mit einer intakten Landschaft verbunden. Die Förderung einer nachhaltigen Nutzung und Vermarktung regionaler Produkte stärkt wiederum die regionale Identität.

Barrierefreie Wanderwege

Ansätze dafür gibt es auch in Schaumburg längst – wie „Gerstoni Gourmet Gerste“ von der Domäne Coverden. Ein Projekt, das sich am 28. Juli der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer bei seiner Sommertour anschaut. Oder wie die Hofläden auf den Dörfern und Highland Cattles als Landschaftspfleger.

„Barrierefreie Wanderwege machen Sinn mit Blick auf eine alternde Gesellschaft“, sagt Buchholz. Der Bedarf dafür ist da. Dabei handelt es sich um Angebote nicht nur für den Tourismus, sondern auch für einheimische Erholungssuchende.

Alle drei Ideen passen zur Philosophie der Naturparke. Diese lautet: „Natur- und Landschaftsschutz stehen gleichrangig mit der sozialen Erholungsfunktion.“

Ein weiteres großes Projekt, das bereits angeschoben worden ist, ist der Erhalt und die Wiederaufforstung der Süntelbuche. Früher nannte man sie Hexenholz, Krausbaum, Schlangenbaum oder Krüppelbuche und verfluchte sie, wenn die Axt am harten Stamm einfach abfederte. Es war Holz, das man nicht einmal als Feuerholz stapeln konnte. Dann, vor 170 Jahren, machten die Bauern dem undurchdringlichen Wald aus „Deuwelholts“ am Nordrand des Süntel den Garaus.

Süntelbuchen sollen zurück in die Region

Heute hat man den ungewöhnlichen Baum, dessen Äste anscheinend gegen die Gesetze der Schwerkraft in alle Himmelsrichtungen wachsen und trotzdem im Gleichgewicht bleiben als „Wahrzeichen“ für die Region wieder entdeckt. Nicht umsonst hat das Auetal die Süntelbuche im Wappen.

Ein Projekt, das man wissenschaftlich angeht: Zurzeit beschäftigt sich das Institut für Umweltplanung an der Leibniz Universität Hannover unter Regie von Professor Michael Rode mit der Frage: Wo kann man diese Bäume wieder neu pflanzen, und zwar an Standorten, die auch für Wanderer zugänglich sind und ausgewiesen werden? Die Studie über die Süntelbuchen soll im Oktober vorgestellt werden.

Parallel zu den Naturparken gibt es die sogenannten Leader-Regionen Schaumburger Land, westliches und östliches Weserbergland, in denen vergleichbare Ziele verfolgt werden. Grundsätzlicher Gedanke dabei ist die Förderung der ländlichen Region, womit beispielsweise die Kernstadt von Rinteln aus dem Raster fällt, aber nicht das Umland.

Klasse statt Masse

Auch über Leader können für einzelne Projekte Gelder aus dem EU-Fond beantragt werden. Doch anders als beim Naturpark haben in diesem Fall Kommunen, also die Räte, das Vorschlagsrecht. Die Kommunen müssen schließlich die Maßnahmen auch aus ihren eigenen Etats „gegenfinanzieren“.

Hier sei das nächste große Projekt die Entwicklung einer „Qualitätswanderregion“, schildert Buchholz. Oder anders ausgedrückt: Klasse statt Masse. Wanderwege, die man ausschildert, müssen regelmäßig kontrolliert und gepflegt werden. Schilder verschwinden, Müll bleibt liegen, Regen schwemmt Pfade weg, ein Sturm fällt Bäume, die Wege wuchern zu.

Für die Kontrollen braucht man ehrenamtlichen Wanderpaten wie beispielsweise in Rinteln Wilfried Schnüll und Ewald Steding, die die Wege abgehen und Schäden melden.

Weil man solche Projekte nicht nach Feierabend koordinieren und die Gelder dafür beschaffen kann, ist jetzt im Rathaus Hessisch Oldendorf eine Leader-Geschäftsstelle mit Ellen Pukall eingerichtet worden. rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr