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Zentrale Aufgabe: Wirtschaftsstandort sichern

Rinteln Zentrale Aufgabe: Wirtschaftsstandort sichern

Wie entwickelt sich Rinteln – und warum? Derzeit sind 27263 Personen in der Weserstadt gemeldet, das sind 27 mehr als zum Stichtag 31. Dezember 2016. Diesen Einblick gibt die Einwohnerstatistik zum Halbjahr.

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Junge Leute in der Stadt zu halten, eine realistische Alternative zur Großstadt zu sein – das ist für die Stadt Rinteln eine der großen Herausforderungen vor dem Hintergrund der Entwicklung der Einwohnerzahlen.

Quelle: mld

RINTELN. Die Statistik zeigt: In den vergangenen Jahren ist die natürliche Einwohnerbewegung immer negativ gewesen. Es sterben mehr Menschen als geboren werden. Das Minus bewegt sich zwischen 100 und 200 Personen pro Jahr. Im letzten Halbjahr standen 191 Sterbefällen 91 Geburten gegenüber.

Gleicht man dies mit den Zahlen von Zu- und Wegzug ab, ergibt sich ein leicht anderer Trend: Der Saldo sei seit 2014 positiv, heißt es in der Statistik der Verwaltung. Im Zuzug liegt auch der Grund für den leichten Anstieg der Einwohnerzahl. Allein im ersten Halbjahr 2017 hat es 735 Zuzüge, aber nur 553 Wegzüge gegeben.

Während die Bevölkerung also älter wird, gewinnt die Stadt durch Zuwanderung; vor allem aus dem Ausland, wie der Blick auf die Herkunft zeigt. Zwischen 2009 und 2012 sind rund 1000 Deutsche und 300 Personen mit ausländischem Pass nach Rinteln gezogen; bis zum Stichtag 31. Dezember 2016 waren es 1105 Deutsche und bereits 989 Ausländer. Im vergangenen halben Jahr zogen 449 Deutsche und 286 Ausländer nach Rinteln.

„Die derzeitige Einwohnerentwicklung wird sich nur durch gelebte Integration und eine stabile Wirtschaft fortsetzen“, schlussfolgert die Stadt in ihrer halbjährigen Einwohnerstatistik.

Stellen müssen besetzt werden

Dies bestätigt Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg: „Es ist wichtig, dass wir uns den neu Zugezogenen hinwenden.“ In Schaumburg würden bereits viele Weichen gestellt, um Zuwanderer zu integrieren und im Landkreis zu halten. Als Beispiele nennt er die „Sprint-Dual-Klassen“ an den Berufsschulen und Deutsch-Kurse, die durch ein breites Netzwerk angeboten werden. Gerade die „Barriere Sprache“ gelte es, schnell zu überwinden.

Auch die jungen Erwachsenen mit deutschem Pass müssten aber im Landkreis gehalten werden – wobei Städte wie Bad Nenndorf, Rodenberg oder Lauenau als Einzugsgebiet von Hannover kaum Probleme hätten. Doch es gebe andere Städte und Gemeinden, den mehr als 20 Prozent Abwanderung drohen.

Dazu kommt eine weitere Herausforderung für die Kommunen: Zahlreiche Arbeitnehmer zwischen 55 und 65 Jahren werden in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen. „Ohne eigenen Nachwuchs und ohne Fachkräfte aus der Region sowie dem Ausland bleiben die Stellen unbesetzt“, heißt es in der Einwohnerstatistik weiter.

Einsatz für den Wirtschaftsstandort

Daraus ergebe sich eine „zentrale Aufgabe der Stadt“, und zwar die Sicherung des Wirtschaftsstandortes. Unter anderem sollen Fachkräfte gewonnen und dauerhaft in der Stadt gehalten werden, durch attraktive Arbeitsplätze und familienfreundliche Infrastruktur. Auch generationenübergreifendes Leben – indem man etwa älteren Menschen ermöglicht, so lang wie möglich im eigenen Heim zu bleiben – gehöre dazu.

Vor diesem Hintergrund wertet die Stadt die Einstellung einer Integrationsbeauftragten sowie die Schaffung der Stelle einer „50-plus“-Koordinatorin als Erfolg. Um den Wirtschaftsstandort zu sichern, führt die Stadt zum Beispiel Gespräche mit Unternehmen, arbeitet mit Bildungsträgern zusammen, präsentiert sich auf Fachkräftemessen und verfügt über ein Ausbildungsportal.

Rinteln habe bereits viel richtig gemacht, um Menschen in die Stadt zu holen, habe früh „gute Stadtpolitik“ betrieben, lobt Pape. Als Beispiele nennt er die Ausweisung von Gewerbe- und Bauflächen, einen „gesunden Mix“ aus großen und kleinen Unternehmen sowie die attraktive Innenstadt.

Noch kein „Hype um die Großstadt“

Doch er sagt auch klar: „Wir müssen die jungen Leute mehr für Ausbildung und das duale Studium interessieren.“ Wenn jeder nur studieren wolle – „das funktioniert nicht“. Ebenso wenig, wenn alle jungen Erwachsenen in die Großstädte ziehen wollten. „Man sieht ja, welche Folgen das in Berlin oder Hamburg hat“, sagt Pape und verweist auf den knappen und heillos überteuerten Wohnungsmarkt.

Immerhin: Unter den jungen Rintelnern habe er noch keinen „Hype um die Großstadt“ feststellen können. Natürlich gebe es immer diejenigen, die wegwollten. Doch genauso gebe es den Teil, der sich in der Stadt durch Vereine, Freunde und Familie „eine feste Struktur aufgebaut hat“, so Pape: „Das aufzugeben, ist eine große Entscheidung.“ Und schließlich biete eine Stadt wie Rinteln genügend Möglichkeiten – und sei immer noch nah genug an Hannover. mld

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