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Zögerlicher Zuwachs

Schülerzahlen in Rinteln Zögerlicher Zuwachs

Sinkende Schülerzahlen, schrumpfende Klassen – das ist in den vergangenen Jahren bei der Berichterstattung über die Entwicklung der Schülerzahlen oft der Tenor gewesen. Mittlerweile scheint es eine Kehrtwende zu geben.

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Mehr Zuwanderung, höhere Geburtenrate: Deutschland stellt sich auf einen „Schüler-Boom“ ein.

Quelle: Pixabay

RINTELN. Die Bertelsmann Stiftung hat im Sommer eine Studie veröffentlicht, laut der die Schülerzahlen in den nächsten Jahren deutlich nach oben korrigiert werden müssten. Von „Schüler-Boom“ ist dort sogar die Rede, „nach 15 Jahren kontinuierlichem Rückgang“.

Wie sieht das in Rinteln aus? Zum Stichtag 30. September sind die aktuellen Schülerzahlen vonseiten der Stadt ermittelt und veröffentlich worden. Ganz euphorisch will man auf die Positiv-Prognosen jedenfalls nicht reagieren. Derzeit sei zumindest eine stabile oder eine leicht positive Entwicklung der Schülerzahlen festzustellen, sagt Hans-Georg Dlugosch, Leiter des Amtes für Bildung und Kultur, auf Anfrage.

Die Gründe dafür: Der Zuzug von Familien von außerhalb sowie die Flüchtlingswelle von 2015. Zuwandererkinder stabilisieren oder erhöhen die Anzahl der Schulkinder mancherorts. Wie hoch ihr Anteil an Rintelner Schulen ist, wird vonseiten der Stadt übrigens nicht festgehalten. Unvorhersehbare Entwicklungen wie diese könnten natürlich nicht statistisch berechnet werden, so Dlugosch.

Nicht von Prognosen lenken lassen

„Mit dem Blick rein auf die Prognosen darf man sich nicht lenken lassen“, gibt Heike Grote, ebenfalls vom Amt für Bildung und Kultur, zu bedenken. Diese könnten ebenfalls stark schwanken, weil nicht alle Kinder in ihrem Einzugsgebiet eingeschult werden oder weil manche Kinder zurückversetzt werden.

Wie sehen die aktuellen Schülerzahlen aus? Derzeit lernen 902 Grundschüler in 48 Klassen. Ein Jahr zuvor waren es noch 926 Schüler.

In der Grundschule Süd lernen derzeit 240 Schüler in zwölf Klassen; in der Außenstelle Möllenbeck sind es 61 Schüler in vier Klassen. Elf Möllenbecker nehmen das Ganztagsangebot der Grundschule in Anspruch.

Hier ist ein leichter Rückgang zu beobachten: Ein Jahr zuvor besuchten 256 Schüler den Schulstandort Süd, 64 Schüler die Außenstelle im Klosterdorf. Die Prognose der Verwaltung sieht allerdings vor, dass sich diese Zahlen in den nächsten Jahren stabil halten, ja, sogar leicht nach oben gehen (über 300 Schüler im Jahr 2020/21), bevor sie im Schuljahr 2022/23 abfällt: 220 Schüler wären es dann noch in der Grundschule Süd, nur noch 46 in der Außenstelle Möllenbeck. Sie bleibt damit der kleinste Schulstandort in Rinteln. Aber immerhin: 2009 waren es dort nur 19 Kinder. Einige Eltern aus den nordrhein-westfälischen Nachbargemeinden schicken ihre Kinder nach Möllenbeck.

202 Schüler besuchen Grundschule Nord

Die Grundschule Nord besuchen aktuell 202 Schüler in zehn Klassen. Im Jahr 2016 waren dies mit 198 Abc-Schützen vier weniger. Dort ist ein steter Rückgang der Schülerzahlen prognostiziert: Im Schuljahr 2021/22 könnten es nur noch 176 sein.

In Deckbergen werden aktuell 156 in neun Klassen beschult; 171 waren es noch ein Jahr zuvor. Einen Tiefstand laut Prognose werden die Schülerzahlen dort in zwei Jahren mit 136 Schülern erreichen. Fürs Schuljahr 2022/23 sind hingegen 152 vorhergesagt. Grundschule Exten

Die besuchen aktuell 171 Schüler in neun Klassen; die Außenstelle Krankenhagen 72 Schüler in vier Klassen. Mit 162 Schülern im Jahr zuvor ist diese Zahl also leicht angestiegen; 75 Kinder besuchten die Außenstelle. Auch in Exten könnten die Schülerzahlen tendenziell sinken: 197 sind fürs Jahr 2022/23 vorhergesagt.

Vor allem in den Grundschulen in Deckbergen und Exten-Krankenhagen scheinen sich die Schülerzahlen auf geringerem Niveau als zuvor einzupendeln. Dabei handelt es sich aber nur um Prognosen, die Schwankungen unterliegen können. Mit rund 43 Prozent Ganztagsschülern ist dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr ungefähr gleich geblieben (45,46 Prozent). Knapp 13 Prozent der Kinder (123) befinden sich aktuell in der Frühbetreuung.

Mehr Geburten, mehr Einwanderung

Warum geht die Bertelsmann Stiftung von einem „Schüler-Boom“ aus? Zum einen würden mehr Kinder geboren, und zum anderen würden mehr junge Menschen ins Land einwandern. Seit der letzten Prognose sei die Geburtenrate fünfmal in Folge gestiegen, und der Flüchtlingszustrom in den Jahren 2015/16 habe bis zu 300000 Schüler zusätzlich ins Land gebracht.

Die Schülerzahl werde bundesweit auf knapp acht Millionen im Jahr 2015 um acht Prozent auf fast 8,6 Millionen in 13 Jahren ansteigen, so die Stiftung. Bisher wurde ein Absinken auf gut 7,2 Millionen Schüler bis 2025 vorhergesagt. Bemerkbar sei diese Mischung aus höherer Geburtenrate und Zuwanderung allerdings erst ab dem Jahr 2022.

Haben diese Prognosen vor dem Hintergrund der Diskussion um den Schulstandort Steinbergen und die Ausstattung der Grundschule Deckbergen Auswirkung auf die Betrachtung der anderen beiden Außenstellen, Krankenhagen und Möllenbeck?

„Hier sind die Schülerzahlen stabil“, so Heike Grote vom Amt für Bildung und Kultur. Jede Klasse sei mindestens einzügig, es gebe genügend Schüler, sodass keine Klassen zusammengelegt werden müssten. Daher gebe es keinen Anlass, die Außenstellen auf den Prüfstand zu stellen. mld

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