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Zwischen Schulstress und Couch-Potato

Vereinssport Zwischen Schulstress und Couch-Potato

Die Turnschau der Vereinigten Turnerschaft Rinteln (VTR) am morgigen Sonntag ab 15.30 Uhr in der Kreissporthalle ist auch eine Werbung für Vereinssport und zeigt die große Palette an Angeboten. Vor allem zeigen sich Klubs heute offener für neue Trendsportarten wie Rope Skipping, Parkour und Zumba.

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Sucht immer Neues für Vereine: Christel Struckmann.

Quelle: wm

Rinteln. Denn Sportvereine müssen sich neu erfinden. Ein „weiter so“ wird nicht funktionieren, sagt Christel Struckmann, Übungsleiterin im TSV Krankenhagen, und außer Karl-Heinz Frühmark (VTR) Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Rintelner Sportvereine.

Früher war es so: Wer Sport treiben wollte, ging zu einem Sportverein, das war selbstverständlich. Das hat beispielsweise die VTR zum größten Sportverein in der Weserstadt gemacht. Doch sogar dort muss man inzwischen um Nachwuchs kämpfen. An den Mitgliedsbeiträgen kann es nicht liegen. Sport in Vereinen gibt es zum Dumpingpreis, gemessen an den monatlichen Beiträgen für ein Fitnessstudio.

Computerspiele und Smartphone machen Kinder zu "Couch-Potatos"

Die Ursachen für Mitgliederschwund und Nachwuchssorgen liegen woanders, sagt Struckmann: Schulstress, Familienprobleme, digitale Verlockung wie Computerspiele und Zeitfresser wie das Smartphon sind es, die eigentlich bewegungsfreudige Kinder zu „Couch-Potatos“ machen.

Sie beobachtet, dass bereits Drei- bis Sechsjährige in ihren Übungsstunden Defizite in der Grundmotorik haben. Dabei fingen die meisten Eltern mit den besten Vorsätzen an, so Struckmann, gehen mit ihren Kindern zum Mütter-Kind-Turnen, dann in die Bambini-Gruppe. Doch spätestens, wenn beide Elternteile wieder arbeiten müssten, breche das ab. Ein Muster, das sich bei den Grundschulkindern fortsetzt.

Zeitliche Belastung durch Schule

Der größte Mitgliederschwund setzt ein, wenn die zeitliche Belastung durch die Schule zu groß wird. Die Mädchen und Jungen sind am Abend ausgepowert. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Termine zu finden, die auch ehrenamtlichen Übungsleiter passen.

Dazu kommt: Weil heute der schnelle Erfolg zählt, wechseln Kinder die Sportarten häufiger als früher, immer auf der Suche nach dem Kick, doch nicht verstehend, dass sich Spaß und Erfolg erst durch Übung einstellen. Was dazu führt, dass bei Übungsleitern heute mehr die pädagogischen als die sportlich-fachlichen Fähigkeiten gefragt sind.

Deshalb lässt sich Struckmann immer Neues einfallen, um die Kinder zu motivieren, baut Spiele in der Halle auf, geht auf Schnitzeljagd oder geht, wenn Schnee liegt, mit den Kindern rodeln. Ihre beiden Sportfördergruppen in Krankenhagen für Sechs- bis Siebenjährige werden von der Bürgerstiftung finanziert.

Vereinsmodell überdenken

Seit 15 Jahren ist Struckmann jetzt dabei und in jüngster Zeit auf vielen Lehrgängen unterwegs. Sie erlebt dort, wie bundesweit Vereine ihr herkömmliches Modell überdenken.

Vor allem ältere Vereinsvorstände können damit oft schlecht umgehen. Sie verstehen nicht, was die Konkurrenz der Fitnessstudios ausmacht: Nämlich, dass man dort (fast) jederzeit trainieren kann, für sich, wie man gerade Lust hat.

Bei einem Mannschaftssport im Verein funktioniert das nicht. Da muss man Verantwortung übernehmen und sich an feste Trainingszeiten halten. Für Struckmann ist klar: Die Vereine müssen in die Schulen gehen, auch weil inzwischen die meisten Ganztagsschulen ihre Betreuungsangebote von 15 auf 17 Uhr ausgeweitet haben. Und sie ist überzeugt: Langfristig lasse sich ein sportliches Betreuungsangebot an den Schulen, wenn es fachlich qualifiziert sein soll, nur mit festangestellten und damit verlässlichen Leuten managen. Eine vereinsübergreifende Beschäftigung von Übungsleitern werde kommen.

Struckmann erlebt immer wieder, dass Sport auch eine soziale Komponente hat. Kinder und Jugendliche können sich austoben und lernen , sich in eine Gemeinschaft einzufügen. „Wenn ich schaue, wer Unsinn im Dorf macht, sind das die Jugendlichen, die weder zu einem Sportverein noch zur Feuerwehr gehören und im Grund nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen“, sagt sie. wm

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