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Betreuung für minderjährige Flüchtlinge nötig Zwischen allen Stühlen

Organisieren, das können die Deutschen – so sagt zumindest ein weitverbreitetes Klischee im Ausland. Was aber, wenn sich niemand zuständig fühlt? Wenn jede Behörde auf die andere zeigt? Gerade im Fall unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die – manchmal traumatisiert – nach Deutschland kommen, ist das besonders gravierend.

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Quelle: Symbolfoto/dpa

Rinteln. Aber wer soll und muss sich um die Betreuung der noch nicht registrierten Flüchtlingskinder kümmern, die ohne Eltern und Familie in einem fremden Land, mit fremder Kultur und Sprache leben? Die Geschichte einer Recherche, von Pontius zu Pilatus – und wieder zurück:

Am Anfang standen Informationen unserer Zeitung, dass sich unter den 600 Flüchtlingen in der Prince Rupert School auch einige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden. Dem Vernehmen nach soll es sich um etwa 30 handeln. Beim Jugendamt seien diese zwar gemeldet, aber noch immer in der Einrichtung. Ob das denn sein könne?

Auf Anfrage beim Jugendamt des Landkreises verwies man dort auf die Landesbehörde. Das Kreisjugendamt sei zwar bereits in Kontakt mit den Zuständigen des Roten Kreuzes, wolle die Flüchtlinge aber nicht woanders unterbringen. Das müsse das Landesjugendamt machen. In einer Notunterkunft des Landes sei logischerweise das Landesjugendamt zuständig.

Davon wollte allerdings der Pressesprecher des Landesjugendamtes nichts wissen. Zuständig sei wohl eher das Innenministerium, vermutete er, wollte sich noch kundig machen und zurückmelden. Bis Redaktionsschluss ist das nicht geschehen.

Auf Nachfrage beim Innenministerium erklärte dessen Pressesprecherin nach kurzem Nachforschen, auch diese Behörde sei nicht zuständig. Das sei Sache des Sozialamtes des Landes Niedersachsen. Dort findet sich mit Heinke Traeger endlich jemand, der etwas zum Thema sagen möchte. Und zwar: „Wir sind nicht zuständig.“ Zuständig sei das Kreisjugendamt. Und: „Es kann nicht sein, dass sie (die unbegleiteten Minderjährigen, Anm. d. Red.) in einer Massenunterkunft leben.“ Dabei gehe es um das Kindeswohl. Und wenn Kinder und Jugendliche ohne Eltern angetroffen würden, sei das kommunale Jugendamt dafür zuständig, sie unterzubringen und zu betreuen.

Das heißt für die Recherche: zurück zum Start. Abermals ein Anruf beim Landkreis Schaumburg. Kreisdezernentin Katharina Augath, zuständig auch für das Jugendamt, ist nicht amüsiert, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. „Da haben wir eine unterschiedliche Auffassung als das Sozialministerium.“ Aber: „Wir kümmern uns.“ Auch wenn man sich eigentlich nicht zuständig fühle. „Wenn das Land uns für zuständig erachtet, nehmen wir die Zuständigkeit an“, erklärte Augath. Momentan seien die Jugendlichen in der Notunterkunft gut untergebracht, eine sofortige Verlegung sei nicht geplant. Nach der Übergangszeit könnte eine andere Unterbringung gefunden werden. Gestern fand auch ein Ortstermin des Jugendamtes in der Prince Rupert School statt.

Dabei könnte dem Vernehmen nach auch die Frage diskutiert worden sein, ob im ehemaligen Internatstrakt der Schule, der derzeit noch nicht mit Flüchtlingen belegt ist, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Bestätigen wollte Augath diese Gerüchte nicht.

Auf jeden Fall sei das Kreisjugendamt aber dabei, Plätze für die zu erwartenden 60 minderjährigen Flüchtlinge im Jahr, die dem Landkreis zugeteilt werden, zu organisieren. Ein Jugendheim in Schaumburg sei gerade dabei, eine neue Gruppe für zehn Jugendliche zu eröffnen. Landesweit sind Sozialpädagogen, die Minderjährige betreuen könnten, Mangelware.

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