Bernsen/Nienburg (la). Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg, ist der Sache auf Anfrage auf den Grund gegangen und hat sämtliche Notrufmeldungen dieses Abends noch einmal abgehört. „Bei uns wird alles lückenlos aufgezeichnet“, erklärte Mielke und gab schließlich auch eine Erklärung.
Um 22.08 Uhr sei der erste Anruf über die Notrufnummer 110 in Nienburg eingegangen. Ein Mann habe gemeldet, dass er auf der A{FSPACE}2 in Richtung Hannover über einen riesigen Stein oder Ähnliches gefahren sei. Personen seien nicht zu Schaden gekommen, aber sein Auto verliere Flüssigkeit. Auf Nachfrage gab der Mann den Kilometer 274 als Standort an. „Die Meldung, dass ein Fahrzeug durch Teile auf der Fahrbahn beschädigt wurde und nun auf dem Standstreifen steht, wurde um 22.10 Uhr, also direkt im Anschluss an das Gespräch, an die zuständige Leitstelle in Hannover weitergeleitet“, so Mielke.
Wie Heiko Steiner von der Polizeiinspektion Hannover gegenüber unserer Zeitung mitteilte, wurde daraufhin ein Streifenwagen losgeschickt. „Allerdings eben nicht zu einem Unfallort, sondern zu einer Gefahrenstelle. Also ohne Rettungswagen“, so Steiner.
Um 22.11 Uhr ging der nächste Notruf in Nienburg ein, allerdings hieß es wieder nur, dass irgendetwas auf der Fahrbahn liegt. Der nächste Anruf kam um 22.13 Uhr und war ebenfalls ein Hinweis auf eine Gefahrenstelle. Von einem Unfall war weiterhin nichts bekannt.
Erst wenige Sekunden später rief ein Lastwagenfahrer in Nienburg an. „Der Mann war geschockt und sehr aufgeregt“, erzählt Mielke. Er berichtete von einem Auto, das sich überschlagen hat und auf der Seite liegt. Auf die Frage, wo er sich befinde, antwortete der Lkw-Fahrer, er sei in Minden auf die Autobahn in Richtung Hannover gefahren und dies sei der erste Parkplatz nach der Auffahrt. Ob jemand verletzt sei, konnte er nicht beantworten.
„Das hieß für uns selbstverständlich, dass der Unfall auf nordrhein-westfälischem Gebiet passiert ist, und sofort wurden die Kollegen dort informiert“, berichtete Mielke.
Um 22.18 Uhr kam ein weiterer Hinweis auf einen Stein auf der A 2 in Fahrtrichtung Hannover.
„Da der erste Parkplatz nach der Auffahrt Minden und der genannte Gefahrenort 20 Kilometer auseinanderliegen, hat bis dahin niemand die jeweiligen Notrufe in Zusammenhang gebracht“, erklärte Mielke.
Wenige Sekunden nach 22.18 Uhr habe der Lastwagenfahrer erneut in Nienburg angerufen und diesmal auch eine eingeklemmte, schwer verletzte Person in dem Fahrzeug gemeldet.
Auf wiederholtes Nachfragen habe er wieder erklärt, dass er in Minden auf die Autobahn aufgefahren sei und der Unfall am ersten Parkplatz danach geschehen sei. Da die Polizei auf dem genannten Parkplatz keinen Unfall festgestellt hatte, wurde noch einmal bei dem aufgeregten Lastwagenfahrer nachgefragt, wo genau er sich befinde, welche die nächste Abfahrt sei. Erst dann nannte er Bad Eilsen als letzte Abfahrt, an der er vorbei gefahren war.
„Da war es dann bereits 22.20 und 20 Sekunden“, stellte Mielke fest. Um 22.21 Uhr wurde erneut ein schwerer Unfall gemeldet und festgestellt, dass die Polizei aus der falschen Richtung kam. „Das war der Streifenwagen aus Hannover, der nach den Teilen schauen wollte, die inzwischen auch auf der Gegenfahrbahn gemeldet wurden. Außerdem kann selbstverständlich auch die Polizei nicht entgegen der Fahrtrichtung auf die Autobahn fahren und musste zunächst bis zur nächsten Abfahrt fahren und dort ,wenden‘ “, erklärte Mielke.
Um 22.22 Uhr wurde noch einmal ein schlimmer Unfall mit eingeklemmter Person gemeldet und ein Stein, der auf der Fahrbahn liegt, diesmal mit korrekter Ortsangabe. Damit war klar, dass die Teile auf der Fahrbahn und der schwere Unfall den gleichen Ort betrafen.
Um 22.25 Uhr war die gesamte Rettungsmaschinerie in Gang gesetzt worden. Der erste Rettungswagen rückte um 22.27 Uhr aus, die Feuerwehr wurde um 22.31 Uhr alarmiert.
„Damit müsste die Zeitverzögerung geklärt sein“, stellte Mielke fest. Dem Lastwagenfahrer könne man selbstverständlich keinen Vorwurf machen. „Der Mann stand unter Schock, und meist wissen die Menschen ohnehin nicht genau, wo sie gerade unterwegs sind. Das ist dann in einer solchen Stresssituation nicht einfach“, so Mielke.
Vonseiten der Polizei und aller Einsatzkräfte sei man stets bemüht, möglichst schnell zu einem Unfallort zu gelangen, um zu helfen und das Einsatzsystem immer weiter zu verbessern und zu optimieren.
„Deshalb war es uns auch sehr wichtig aufzuklären, warum das in diesem Fall 14 Minuten länger gedauert hat als gewöhnlich, bevor Rettungswagen, Notarzt und Feuerwehr alarmiert wurden, und wo es gehakt hat. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände, und niemand kann etwas dafür, vor allem nicht der Lastwagenfahrer“, stellte Mielke abschließend fest.
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