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Auetal / Unfall

Transporter mit 117 Schweinen auf der A 2 umgekippt


Wieder haben die Feuerwehrleute aus Buchholz und Bad Eilsen einen schweren Einsatz auf der Autobahn 2 zwischen Bad Eilsen und Rehren absolviert, den dritten innerhalb von nur zwei Wochen. Nach Verkehrsunfällen mit zwei Toten mussten die Einsatzkräfte diesmal als Schweinehüter ran, denn ein Viehtransporter mit insgesamt 167 Schweinen an Bord – 50 auf dem Lastwagen, 117 auf dem Anhänger – war etwa einen Kilometer hinter der Auffahrt Bad Eilsen verunglückt.

Die Feuerwehrleute und Viehhändler packen gemeinsam an, um die Schweine aus dem umgekippten Anhänger auf einen Ersatzviehtransporter umzuladen.

© la

Auetal (la). Der 39-jährige Fahrer, ein erfahrener Viehtransporteur, der allerdings erst am Tag zuvor bei dem Viehhändler aus Nordhorn angefangen hatte, war mit dem Lkw-Gespann in der Nacht auf dem rechten Fahrstreifen der Autobahn in Richtung Berlin unterwegs. Etwa einen Kilometer hinter der Anschlussstelle Bad Eilsen geriet der Lkw-Anhänger in einer leichten Rechtskurve auf regennasser Fahrbahn ins Schlingern und kam nach rechts von der Fahrbahn auf den Grünstreifen ab. Der Fahrer versuchte, den Lastzug durch Gegenlenken und Beschleunigen zu stabilisieren, dies Unterfangen misslang jedoch. Der Anhänger kippte auf die linke Seite und blieb auf der rechten Fahrspur liegen. Dadurch konnten 15 der 117 Schweine, die auf dem Anhänger transportiert wurden, durch eine Lücke im zerstören Dach ausbüxen und liefen über die Fahrbahn.

Die alarmierten Feuerwehrleute konnten die Schweine mithilfe von Steckleitern und ihren bloßen Händen einfangen und kesselten sie zwischen den Leitern ein. Die Polizei hatte die Autobahn inzwischen voll gesperrt.

Bis zum Eintreffen eines Ersatz-Viehtransporters, der aus Hamm kam, hüteten die Feuerwehrleute die Schweine in dem provisorischen Stall. Der angeforderte Amtstierarzt des Landkreises Schaumburg, Dr. Ulf Güber, kletterte über eine Leiter auf den verunglückten Anhänger und versuchte, sich von dort aus einen Überblick zu verschaffen.

„Ich kann keine stark blutenden Tiere feststellen. Ich denke, dass die meisten Schweine nahezu unversehrt sind. Da haben wir schon Schlimmeres erlebt“, sagte Güber im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gemeinsam mit Einsatzleiter Andreas Mohr von der Feuerwehr Bad Eilsen und dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Rainer Kuhlmann besprach der Veterinär das weitere Vorgehen. Von dem Plan, den Anhänger mithilfe eines Krans, der bereits vor Ort war, aufzurichten, rückten die Verantwortlichen wieder ab. „Das Risiko ist zu groß, dass der Anhänger dabei auseinanderbricht und dann alle Tiere auf die Autobahn laufen“, sagte Güber.

„Vor einer solchen Situation haben wir auch noch nie gestanden“, stellte Kuhlmann fest. „Wir müssen schauen, wie es uns gelingt, die Schweine aus dem Anhänger auf den Ersatztransporter umzuladen. Wir wissen schließlich nicht, wie die Tiere reagieren, wenn wir die Ladeklappen öffnen.“

Mehr als eine Stunde warteten die Einsatzkräfte auf das Ersatzfahrzeug. Kurz zuvor war bereits der Chef des Viehtransportfahrers eingetroffen, der schnell wusste, was zu tun war. „Wir stellen den Ersatztransporter rückwärts vor den Anhänger, öffnen die Klappe und treiben die Tiere auf den Transporter. Dazu müssen nur die Seiten durch Männer mit Fluchtbrettern und Leitern gesichert werden“, schlug der Viehhändler vor – und so wurde es schließlich auch gemacht.

Überrascht waren die Einsatzkräfte, als sie die Klappe des Viehtransporters öffneten und ihnen keines der zweieinhalb Zentner schweren Mastschweine entgegen kam. Die Tiere lagen verängstigt übereinander und mussten mit großem Kraftaufwand aus dem Hänger getrieben werden.

Der Veterinär sah sich jedes einzelne Tier an. „Auch bei Schlachtvieh gilt selbstverständlich das Tierschutzgesetz, und ich muss überwachen, welche Tiere noch transportfähig sind und welche eventuell getötet werden müssen“, erklärte Güber. Er wisse, dass die Viehhändler versuchen würden, jedes Tier mitzunehmen, da es schließlich bares Geld sei. „Deshalb passe ich genau auf“, so Güber.

Gut zwei Stunden dauerte das Verladen der Tiere, die in drei Ebenen auf dem Anhänger untergebracht waren. Die obere Ebene war durch den Aufprall stark verzogen, sodass die Feuerwehrleute das Dach aufbrechen mussten. Das gelang schließlich mithilfe der Haken des Krans, die die Holzdecke regelrecht aufschlitzen.

Von den 117 Schweinen war durch den Unfall ein Dutzend Tiere getötet worden, ebenso viele mussten notgeschlachtet werden. Dazu hatte der Veterinär ein Tötungsteam angefordert. „Das sind mir bekannte Schlachter, die gute Arbeit leisten“, so Güber. Die Tiere wurden zunächst betäubt und dann durch eine Elektrogabel getötet. Während der Viehtransporter die Fahrt zum Schlachthof fortsetzen konnte, wurden die verendeten Borstentiere in Mulden verladen und zur Abdeckerei gebracht. Mithilfe des Krans wurde der Anhänger schließlich aufgerichtet und konnte abtransportiert werden.

Die Autobahn blieb bis 6.30 Uhr voll gesperrt. Der Verkehr wurde ab Bad Eilsen über die Landesstraße 443 umgeleitet. Zu nennenswerten Verkehrsbehinderungen kam es nicht. Die Höhe des entstandenen Schadens an dem Anhänger beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf rund 5000 Euro.

„Die Feuerwehrleute haben wieder einmal sehr gute Arbeit geleistet“, lobte Kuhlmann. Er selbst sei zu dem Unfall gekommen, um die Feuerwehrleute zu unterstützen. „Die psychische und physische Belastung für die Feuerwehrleute aus diesem Bereich war in den vergangenen Wochen riesig“, stellte Kuhlmann fest.

Woran es liegt, dass gerade dieser Teilabschnitt der Autobahn 2 derzeit ein absoluter Unfallschwerpunkt ist, vermochte auch Kuhlmann nicht zu sagen. „Am Winterwetter kann es jedenfalls nicht liegen, denn Schnee und Eis haben wir schließlich nicht“, so Kuhlmann.

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