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Obernkirchen / Wiesenfest

Auf dieses Fest hätte niemand einen Cent gewettet

Die Bilder gingen per E-Mail durch die Stadt: Im Regenrückhaltebecken, dort, wo das Rott Rösehöfe eine Woche später sein Wiesenfest austragen wollte, stand letztes Wochenende das Wasser so hoch, das von den Fußballtoren nur noch die Querlatte zu sehen war: Auf das Wiesenfest hätte niemand auch nur einen Cent gewettet. Auch Bürgermeister Oliver Schäfer griff zum Telefon und fragte bei Wolfgang Sprenger nach, ob man das Fest nicht besser abblase. Nein, antwortete der stellvertretende Rottführer, „wir ziehen das durch. Das wird schon.“
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Obernkirchen (rnk). Und siehe da, es wurde. Mitte der Woche folgte noch eine Besichtigung des Platzes, dann hellten sich die Mienen aller Beteiligten auf: Im Regenrückhaltebecken würde das Turnier stattfinden können. Vorgestern konnte dann das Rott Strull den Pokal in die Höhe stemmen, auch wenn das Fußball-Turnier nur einen begrenzten sportlichen Wert besaß: Die Gastgeber selbst wechselten munter drauf los und ließen ihrem Nachwuchs viel Einsatzzeit. In der Praxis hatten dabei jeweils zwei Erwachsene und zwei Kinder zwar viel Spaß, aber nur wenig sportlichen Erfolg. Aber mit dem Rott Strull siegte fraglos die beste Mannschaft: Fußballerisch hatte das Team einiges drauf. Auch das Rahmenprogramm passte, nur beim Programmteil für die Kinder gab es noch Steigerungspotenzial.

Es war die 15. Auflage des Wiesenfestes, und Wolfgang Sprenger und Dieter Horstmeyer konnten sich noch gut an die Premiere erinnern. Das Sommer-Meeting war damals gerade eingeschlafen, und im Rott stellte man sich die Frage: Was kann man jetzt machen? Einen Bierwagen besaß das Rott, der Rest war schnell koordiniert. Nur das Wetter spielte nicht mit, am Festtag regnete es junge Katzen und Hunde. Beide schnappten sich einen Lautsprecherwagen und fuhren durch die Stadt: „Das Fest wird stattfinden.“ Am Abend erschienen dann die Gäste – alle mit Friesennerz und Gummistiefeln.

Vorgestern präsentierte das Rott sogar ein kleines und feines Rockfestival: Neben Sacrifice Cargo und Saitensprung traten auch die diesjährigen Schaumburger Local-Heroes-Gewinner, Jope, auf. Alle drei Bands haben Verbindungen zum Rottleben: Der Keyboarder von Saitensprung gehört zum Rott, bei Sacrifice Cargo spielt der Sohn eines Rottmitgliedes, bei Jope sind bei einem Mitglied die Nachbarn im Rott – und schon standen beim Wiesenfest drei Bands auf der Bühne.

Warum sich die Jury beim Wettbewerb der lokalen Helden einstimmig für Jope entschieden hatte, das demonstrierte die Band auf der improvisierten Bühne im Kaffeezelt eindrucksvoll in kürzester Zeit. Ihre Mischung aus Alternative- und Indie-Rock mit englischen Texten war großartig; da wurden mit den Strokes, der Bloc Party und den Kings of Leon die richtig coolen Songs der richtig coolen Bands gecovert, dazu kamen Eigenkompositionen, die sich hinter den Coverversionen keineswegs verstecken mussten. Zwei flirrende Gitarren, ein heftig treibender Bass und ein peitschendes Schlagzeug, dazu ein charismatischer Sänger mit Stimme: In den besten Momenten – und davon gab es bei Jope wirklich einige – war das deutlich mehr als die Summe der einzelnen Teile – es war die pure Magie.


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