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Engern / Festumzug

„Es gibt auf der Welt nichts Besseres als Engern“

Was für ein Wetter, was für ein Fest, was für ein Dorf! Eine rundum gelungene 850-Jahr-Feier haben die „Engerschen“ an diesem Wochenende auf die Beine gestellt. Höhepunkt war der liebevoll inszenierte Festumzug gestern Nachmittag. So viele kleine und große Geschichten gäbe es zu erzählen – unsere Zeitung hebt fünf Szenen heraus.
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Engern (crs). Berliner Straße, 13.58 Uhr.
Luise Tegtmeier steht auf dem Balkon und wartet. Irgendwann in den nächsten zwei Stunden wird er auch an ihrem Haus vorbeiziehen, der große Festumzug zur 850-Jahr-Feier in Engern. Mit Luftballons und Girlanden hat die Seniorin ihren Balkon geschmückt, wie so viele andere Dorfbewohner auch. „Das muss doch sein an so einem Tag“, sagt die energische 86-Jährige, die in Engern geboren ist, vor Jahrzehnten neben ihrem Elternhaus an der Berliner Straße gebaut hat, noch heute aktiv beim SV Engern turnt. Und ohnehin einen ganz besonderen Bezug zu Dorfjubiläen hat: Als die damals noch selbstständige Gemeinde Engern nämlich ihren 800. Geburtstag feierte, vor 50 Jahren, da waren es Luise und Heinrich Tegtmeier als Inhaber des damaligen Spar-Marktes, die das große Fest bewirteten. „Sogar ein Schwein haben wir dafür geschlachtet!“, kramt Luise Tegtmeier Erinnerungen hervor. Und eine alte, verblichene Speisekarte vom Fest: 35 Pfennig hat das Glas Bier damals gekostet, 40 Pfennig ein belegtes Brötchen mit Mett.

Herderstraße, 14.42 Uhr.
Gar nichts kostet die kleine Erfrischung für Georg Söffker vom Spielmannszug der TSG Rolfshagen heute. „Komm her, so viel Zeit muss sein!“, lotst Christa Osterhage ihren Cousin aus dem Festumzug an den Straßenrand. Gemeinsam mit ihrer Schwägerin Sigrid Thoke sorgt sie für ein kleines Schlückchen zwischendurch. Nicht nur in der Herderstraße, überall in den Vorgärten und auf den Gehwegen stehen die Dorfbewohner, winken und klatschen dem Festumzug zu. Und schenken auch mal einen ein, so wie Christa Osterhage („geborene Thoke, das ist wichtig!“), die schon seit 38 Jahren nicht mehr in Engern wohnt, zum großen Dorfgeburtstag aber eigens aus Lemgo angereist ist. Und genau wie ihre Schwägerin Sigrid Thoke begeistert ist vom Fest: „Das ist eine super Stimmung hier heute, toll, dass alle dabei sind!“

An der Bahn, 14.58 Uhr.
Mit dabei sind natürlich auch Inga Waldfried und ihre Freundinnen. Denn nicht nur Vereine und andere Institutionen haben sich zum Festumzug auf die Beine (und auf die Wagen) gemacht, auch ganze Freundeskreise haben sich für ihr Dorf ins Zeug gelegt. Und so haben auch die jungen Frauen keinen Aufwand gescheut, sich in „Engersche Gänse“ zu verwandeln, haben ihren Waschweiber-Wagen phantasievoll-bunt ausstaffiert und hundertfach Gänse-Plätzchen gebacken. „Für Engern machen wir einfach alles“, strahlt Inga Waldfried. „Es gibt auf der Welt nichts Besseres als Engern.“

Berliner Straße, 15.32 Uhr.
Derart große Begeisterung für sein Dorf dürfte den Herrn Ortsbürgermeister freuen, der mit seinen Ortsratskollegen in historische Gewänder gekleidet mittlerweile über die Berliner Straße schreitet – auch am Balkon von Luise Tegt-meier vorbei. Eine gute Viertelstunde lang ist Engerns Hauptverkehrsader jetzt Traktoren und Pferden, Festwagen und Fußgruppen vorbehalten – die Autos müssen warten. „Seid gegrüßt, ihr Bürger am Straßenrand“, winkt Horn huldvoll in die Runde, „und kommet alle auch zum großen Fest zur Mehrzweckhalle.“

Schulweg, 16.23 Uhr.
Zu einem fröhlich-bunten Fest kommt das Dorf nach dem Umzug an der Mehrzweckhalle zusammen. Dass der Auftritt der Bigband des Gymnasiums Ernestinum mit Verspätung beginnt, ist übrigens ein hausgemachtes Problem: Die Musiker standen hinter den Festwagen im Stau…


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