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Rinteln Ortsteile Fast 100 Jahre im Dreschgeschäft
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Fast 100 Jahre im Dreschgeschäft
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20:22 27.08.2018
Der „Claas Europa“ wurde 1960 angeschafft. Mit 2,10 Metern Schnittbreite und einem 45-PS-Motor wirkt die Maschine im Vergleich zu heutiger Technik fast wie ein Spielzeug. Quelle: pr
Uchtdorf

Dafür, dass das Korn anschließend schnellstens geborgen werden konnte, sorgten überwiegend spezialisierte Lohn-Unternehmen mit ihren Mähdreschern. Die Anschaffung dieser Hightech-Vollernter beläuft sich inzwischen auf sechsstellige Euro-Beträge. Darum beauftragt das Gros landwirtschaftlicher Betriebe Lohnunternehmen mit dem Einbringen der Getreideernte. Die Familie Wolter aus Uchtdorf gehört dazu – schon beinahe seit 100 Jahren und in aktuell vierter Generation.

Bis vor drei Wochen waren die Mähdrescher der Wolters nahezu pausenlos unterwegs, denn in jeder Saison spielt der Zeitfaktor eine sehr große Rolle. Doch nun ist Gelegenheit für einen Blick auf die Firmengeschichte. Diese ist eng mit der Entwicklung und dem Wandel in der Landwirtschaft verbunden. Hauptstandbein des familiengeführten Betriebs ist die Tischlerei.

Mit der Dreschmaschine von Hof zu Hof

Firmensenior Gerhard Wolter kümmert sich mit seiner Ehefrau Gudrun zurzeit noch als Inhaber um die Wolter’sche Spezialdisziplin Mähdreschen. Als Repräsentant der dritten Familiengeneration hatte er den Betrieb von seinem Vater Hermann übernommen. Geboren im Jahr 1939, hat er den längsten Teil der Unternehmensentwicklung persönlich miterlebt und mitgestaltet. „Mein Großvater Fritz Wolter hat 1919 sein Lohndresch-Unternehmen gegründet“, erzählt Gerhard Wolter. Dieser sei mit seiner Dreschmaschine während der Dreschsaison – damals noch ausschließlich während der Spätherbst- und Wintermonate – bis 1948 von Hof zu Hof gezogen.

Die Maschine Marke Buschhoff war im Wesentlichen aus Holz konstruiert, wurde mit einer Dampfmaschine über Transmissionsriemen angetrieben und zunächst von Pferden zum Einsatzort gezogen. Als Uchtdorf 1928 elektrifiziert wurde, löste ein Elektromotor die Dampfmaschine ab. Hermann Wolter, der 1928 seine eigene Tischlerei gegründet hatte, übernahm von seinem Vater Fritz 1948 auch den Lohndruschbetrieb.

Vier Mähdrescher im alten Schuppen

Gerhard Wolter war schon als Junge mit seinem Vater unterwegs und half bei den Drescheinsätzen. Dabei wurde die Dreschmaschine seit 1932 von einem Lanz Bulldog gezogen, der mit seinem mächtigen Treibrad den Elektromotor in Gang hielt. Für den Dreschvorgang, auf den Bauernhöfen in der Regel in der Scheune, wo die Getreidegarben im sogenannten Bansen gelagert wurden, brauchte es zahlreiche Helfer. Unter anderem musste die Maschine mit Getreidegarben versorgt und das Stroh eingelagert werden. Ähnlich lief die Sache bei Wolters Dreschschuppen in der Limbke, wo Besitzer kleinerer Felder ihre Garben anliefern und stationär verarbeiten lassen konnten. Den Dreschschuppen gibt es heute noch, nur sind dort die inzwischen vier Mähdrescher des Familien-Unternehmens stationiert.

Gudrun Wolter steht ihrem Mann bei der Organisation des Lohn-Mähdrusch-Betriebes zur Seite. Aber nicht mehr lange, so haben sich die beiden regen Senioren vorgenommen. In absehbarer Zeit wollen sie sich zur Ruhe setzen, in einem Alter in dem ihre Jahrgänge schon längst ins Rentnerleben eingetreten sind. Dann sollen ihr Sohn Bernd und Schwiegertochter Anja nach der Tischlerei auch den Mähdrusch-Zweig übernehmen. Und es sieht sogar ganz so aus, als ob auch die fünfte Familiengeneration die Tradition fortsetzen könnte. Denn wie schon ihr Vater und Großvater sitzt Jessica Wolter in der Saison auf dem Mähdrescher. Wie einst ihr Vater hat auch Wolters Tochter schon als 15-Jährige mit Sonderlizenz Ernteeinsätze gefahren. „Aber erst mal macht sie ihr Abitur“, sagt ihre Mutter dazu – und dann werde man weitersehen. who