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21:15 30.04.2018
Frauke Dreier ist Ortsbrandmeisterin in Friedrichswald – und damit Rintelns erste Ortsbrandmeisterin überhaupt. Quelle: nk
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Friedrichswald

Die 22-Jährige ist damit die bislang einzige weibliche Führungskraft einer Wehr im Rintelner Stadtgebiet.

Ende Februar wurde sie in ihrem Amt von der Stadt offiziell bestätigt. Den Schritt ins Rampenlicht ging Dreier bereits im jungen Alter von 19 Jahren. Damals wurde die Feuerwehrfrau zur stellvertretenden Ortsbrandmeisterin ernannt. Als dann im vergangenen Jahr der amtierende Ortsbrandmeister Jakob Höller überraschend seinen Posten abgab, rückte Dreier an die Spitze. Übernommen hat sie das Amt aber nicht aus eigenen Interessen: „Mir war in erster Linie das Bestehen der Feuerwehr wichtig. Und bevor wir hier alles aufgeben mussten, habe ich eben übernommen.“

Dafür hat sie eine Menge Arbeit auf sich nehmen müssen. Zwei Lehrgänge mit einer Gesamtdauer von drei Wochen waren notwendig, um die vorgeschriebenen Qualifikationen zur Führungsperson zu erlangen. Für Dreier eine Selbstverständlichkeit, schließlich sei die Feuerwehr als „einziger Verein der Kern im Dorf, den ich nicht hängen lassen konnte“, erklärt sie rückblickend.

Als Letzte bei der Jugend dabei

Dreier, selbst ein Eigengewächs der Feuerwehr Friedrichswald, trat mit 13 Jahren „als so ziemlich letztes Kind im Dorf“ der Jugendfeuerwehr bei. Ursprünglich habe sie nicht mit dem Strom schwimmen wollen, doch die Berichte ihrer drei Jahre älteren Schwester über die Aktivitäten in der Jugendfeuerwehr ließen sie nicht kalt.

„Sie erzählte immer, wie viel Spaß sie bei der Feuerwehr hätten, weshalb ich als Schlusslicht doch hinterhergezogen bin“, so Dreier weiter. Insbesondere die tolle Kameradschaft habe ihr imponiert und sie zum Eintritt bewogen. Von dem Moment an ging es steil bergauf. Der Übernahme in die aktive Wehr gingen eine Erste-Hilfe- und eine Truppmann-Ausbildung vorweg, anschließend absolvierte sie sogar den Lehrgang zur Atemschutzgeräte-Trägerin. „Es war wie im Flow. Ich wollte alles auf einmal machen und das Wissen regelrecht aufsaugen“, beschreibt sie ihre Leidenschaft.

Diese Hingabe – kombiniert mit viel Wissensdurst und Organisationstalent – macht sie zu einer idealen Ortsbrandmeisterin. Diese Eigenschaften seien essenzielle Pluspunkte, denn immerhin sei sie übergangslos zu einer Art Ansprechpartnerin für jeden im Dorf geworden.

„Alle kommen plötzlich zu mir und haben Anfragen zu ganz unterschiedlichen Angelegenheiten“, schildert sie die zunächst ungewohnte Situation. Konkret seien das beispielsweise Einladungen zu Fahrzeugpräsentationen anderer Feuerwehren sowie bürokratische Aufgaben wie die Beschaffung der Ausrüstung. Das sei zum Teil „mit sehr viel Aufwand verbunden“ und sorge manchmal für „stressige Momente“. „Aber unterm Strich bekomme ich alles gut unter einen Hut.“

Auch in der Werksfeuerwehr

Zusätzlich zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit nimmt auch die berufliche Ausbildung einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch. Am Kernkraftwerk in Grohnde lernt sie den Beruf der Chemielaborantin. In der Werksfeuerwehr des Kraftwerks ist Dreier ebenfalls aktiv. Dort habe es zwar schon einige Fehlalarme gegeben, „glücklicherweise kam es aber noch nie zum Ernstfall“, weiß Dreier um die Gefahren eines Reaktors.

Risikofreier geht es dagegen am Taubenberg zu. Dreier stört dies keinesfalls: „Wenn es keinen Alarm gibt, bin ich froh, dass niemand in Gefahr ist.“

Trotzdem ist sie darauf bedacht, dass im Ernstfall genügend Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund ist die intensive Förderung der Jugendarbeit eines ihrer Ziele. „Wir wollen die Kameradschaft bei den Kindern verstärkt fördern und sie bewusst auf den aktiven Dienst vorbereiten“, erläutert sie. Ausreichend Interessierte stünden zwar in den Startlöchern, doch seien viele zu jung, weshalb die Idee einer Kinderfeuerwehr im Raum stehe. „Das ist aber noch keine beschlossene Sache.“

"Herbe Sprüche" der Männerwelt

Insgesamt hofft sie auf eine gesunde Mischung aus weiblichen und männlichen Nachwuchskräften. Denn obwohl in Friedrichswald eine Frau an der Spitze steht und der Anteil der Feuerwehrfrauen überdurchschnittlich hoch ist, dominieren nach wie vor Männer die Feuerwehrwelt. Als einzige Ortsbrandmeisterin bekommt Dreier das ein ums andere Mal zu spüren: „Da kommt schon mal ein herber Spruch, aber niemals etwas Beleidigendes“, erzählt sie. Sie habe sich ein dickes Fell zugelegt.

Wichtig sei ihr indes der Respekt, der ihr zweifelsfrei immer entgegengebracht werde. „Selten muss ich mal lauter werden, aber das ist dann meistens eher meiner Aufregung geschuldet“, gibt sie lachend zu. Der Spaß solle bei der Feuerwehr schließlich stets im Mittelpunkt stehen, denn ohne den wäre sie „schon längst weg gewesen“. nk

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