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Rinteln Ortsteile „Mir ging es so schlecht wie nie“
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile „Mir ging es so schlecht wie nie“
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00:27 30.03.2018
Jule Mo Kraus hilft Kindern mit psychischen und physischen Einschränkungen in Ghana. Quelle: pr
Steinbergen

Nach ersten Wochen in einem fremden Land mit neuer Aufgabe hatte sich das Leben der 20-Jährigen im neuen Alltag eingependelt. In einer Zeremonie erhielt sie sogar einen Namen in der lokalen Sprache Ewe: Nunana. Nach Ärger mit der eigenen Gastfamilie hatte sie sich eine eigene Wohnung gesucht und war dort zufrieden angekommen: „Meine erste eigene Wohnung“, wie die junge Frau in ihrem Blog schreibt.

Auch Weihnachten und Silvester verbrachte sie in Ghana – wenn auch anders als gewohnt, allein durch die Wärme: „Es wurde zwar viel Weihnachtsmusik gespielt und mit Lametta und bunten Lichterketten dekoriert, aber weihnachtlich war es für mich trotzdem nicht.“ Silvester hingegen wurde im Kreis von Freunden am Strand gefeiert, inklusive Schwimmen, Party, Lagerfeuer und Feuerwerk über dem Meer.

Malaria schlägt zu

Doch dann passierte es: Mo erkrankte an Malaria. Anfangs sah es noch aus wie eine Erkältung oder Grippe. „Mir ging es von Tag zu Tag schlechter“, schreibt die Steinbergerin. „Erst hatte ich nur eine Erkältung, aber dann ging es mir so schlecht, dass ich einen Malaria-Test gemacht habe. Der fiel zum Glück negativ aus. Ich hatte mich aber schon lange nicht mehr so elend gefühlt. Ich konnte nichts essen, hatte Kopf- und Gliederschmerzen, ebenso tat mir der Rücken weh – und ich habe geglüht. Später stellten sich noch Bauchschmerzen ein.“

Zwischendurch besserte sich ihr gesundheitlicher Zustand. Mo war sogar fit genug, um in eine andere Stadt zu fahren, zum Seminar ihrer Austauschorganisation, das die Halbzeit ihres Jahres in Ghana markierte. „Nun ist der Zenit tatsächlich überschritten: Die Halbzeit eines lang ersehnten Traumes“, schreibt sie.

Doch dann schlug die Krankheit vollends durch. „Mir ging es noch nie so schlecht in meinem Leben. Ich habe sehr, sehr stark geschwitzt und hatte wahrscheinlich ziemlich hohes Fieber.“ Danach folgte Schüttelfrost, bei dem ihr so kalt war, dass ihre Nägel blau anliefen.

Ärzte tappen im Dunkeln

Schließlich fuhr sie ins Krankenhaus. Dort zeigte das Fieberthermometer gerade mal 36,5 Grad – Normaltemperatur. Ein Schnelltest auf Malaria ergab ebenfalls ein negatives Ergebnis. Doch dieser Test prüfe nur einen bestimmten Malaria-Typ, schreibt Mo. Es gebe aber viele unterschiedliche Arten. Die Ärzte wussten nicht, was ihr fehlte. „Nach diesem Ergebnis war ich richtig fertig und musste lange weinen, weil ich Angst hatte, dass sie nicht herausfinden was mir fehlen würde und es mir einfach so elendig schlecht ging“, schreibt die Steinbergerin. Durch einen Bluttest stellte sich schließlich doch heraus, dass sie an Malaria litt.

Im Auto ging es zurück nach Hause, inklusive Zwischenstopp bei der Apotheke. Ein anderer freiwilliger Helfer war ebenfalls an Malaria erkrankt und musste zur Behandlung in eine Privatklinik gebracht werden. Seine Gasteltern waren es, die Jule Mo Kraus zur Wohnung brachten und in den nächsten Tagen versorgten. Anfangs litt sie noch unter hohem Fieber und Schüttelfrost und musste viele Medikamente nehmen. Ab und zu schaffte sie es, mit ihrer Mutter zu telefonieren, einer ausgebildeten Krankenschwester, die mit ihrer Tochter litt und sicherstellte, dass es ihr unter den Umständen so gut wie möglich ging. „Möge es eine himmlische Macht geben, die über euch ‚ghanaische Abenteurer‘ schützend ihre Hand hält und euch alle wohlbehalten zu uns zurückbringt“, schreibt Mos Mutter auf ihrem Blog.

"Die große Wende"

Erst langsam ging es ihr besser. Nach etwa fünf, sechs Tagen sei in der Nacht „die große Wende“ gekommen, schreibt sie. „Ich bin wach geworden, weil ich so starken Hunger hatte. Und dann habe mir Nudeln gekocht und drei Tomaten gegessen. Ich war so froh, denn ich wusste, dass es nun besser werden würde.“

Übertragen wurde die Malaria wahrscheinlich von extrem aggressiven Mücken in einem Badeort. „Ich hoffe, es war die erste und letzte Malaria in meinem Leben“, schreibt Mo. Und hat vor allem wegen einer Sache Bedenken: „Leider darf ich nun nie wieder Blut mehr spenden…“ Ihr Ewe-Name Nunana bedeutet übrigens „Das Geschenk Gottes“. mld

Blog: Jule Mo Kraus berichtet regelmäßig unter moinghanablog.wordpress.com.