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Rinteln Ortsteile Pläne für Kita in Schaumburg: „Kinder stehen nicht im Mittelpunkt“
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Pläne für Kita in Schaumburg: „Kinder stehen nicht im Mittelpunkt“
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23:14 12.02.2019
Sind mit den Plänen der Politik für den Kita-Ausbau in Schaumburg unzufrieden: Sarah Winewski (links) und Gesa Köster. Quelle: jak
Deckbergen

Als Sarah Winewski und ihr Mann vor drei Jahren ein Eigenheim gesucht haben, entschieden sie sich bewusst für Deckbergen. Sie wollten in einem Ort wohnen, der sowohl einen Kindergarten als auch eine Schule vorhält. Die jetzigen Pläne, den Kindergarten nach Schaumburg zu verlegen, stimmen sie daher sehr traurig. „Ich habe das Gefühl, dass die Kinder bei der Planung nicht im Mittelpunkt stehen“, beschreibt sie.

Ihre Kritik bezieht sich zum einen auf die Pläne, die die Stadt Rinteln kürzlich auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Darin wird zum Beispiel deutlich, dass die Räume der geplanten Kita gar keinen Zugang zum Außengelände haben, Kinder und Erzieher müssten immer über den Parkplatz gehen. Wenn ein Kind zur Toilette müsse, müsse dann ja immer ein Erzieher mitgehen, gibt Winewski zu bedenken. „Wie lange werden die Erzieher das denn mitmachen?“, fragt sie. Ihre Befürchtung: Über kurz oder lang wird eine Pipi-Ecke entstehen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Lagerraum für die Spielgeräte – auch dieser ist nicht am Außenspielgelände gelegen, auch die Geräte müssten somit über den gesamten Parkplatz getragen werden. „Kann man das den Erziehern jeden Tag zumuten?“, fragt sie.

Alle an einen Ort

Zum anderen versteht sie nicht, wieso sich die Stadt dazu entschieden hat, die Kindertagesstätte in Schaumburg einzurichten und die Kinderkrippe in Deckbergen. „Stellen Sie sich mal eine berufstätige Mutter vor, die jeweils ein Kind in der Krippe, eines im Kindergarten und eines in der Schule hat“, beschreibt sie. Diese müsse ja eine halbe Stunde Betreuung mehr buchen, weil sie die Kinder vor der Arbeit noch an drei unterschiedliche Standorte bringen muss.

Winewski macht noch einmal deutlich, dass sie den Schaumburgern auf jeden Fall ihr Dorfgemeinschaftshaus gönnt. Sie würde sich jedoch für die Kinder wünschen, dass der Plan, der vor einigen Jahren schon einmal im Raum stand, wieder aufgegriffen würde: Ein Neubau an der Grundschule, in dem Krippe und Kindergarten Platz finden. „Das wäre optimal“, sagt sie und verweist auf Exten, wo Kindertagesstätte und Schule in unmittelbarer Nachbarschaft liegen und die Lehrer regelmäßig die Vorschulkinder im Kindergarten besuchen würden. „So etwas ist doch gar nicht möglich, wenn die Standorte so weit auseinanderliegen“, befürchtet sie. „Es hat doch kein Lehrer Zeit, sich erst ins Auto zu setzen.“

Kosten zu hoch?

Der Neubau in Deckbergen sei seinerzeit an den Kosten gescheitert. Winewski bezweifelt jedoch, dass die aktuelle Lösung wirklich günstiger ist. „Es ist ja nicht nur das Haus in Schaumburg. Die Krippe in Deckbergen muss ja auch noch umgebaut werden.“

Auch Gesa Köster ist über die Pläne nicht glücklich. Ihre beiden großen Kinder waren beide in Deckbergen im Kindergarten, die jüngste Tochter kommt nächstes Jahr ins Kindergartenalter. „Meine Großen waren mit ihrer Kindergartengruppe einmal wöchentlich zum Sport in der Sporthalle der Grundschule“, erzählt sie. Im letzten Kindergartenjahr habe es zudem regelmäßige Besuche an der Schule gegeben, damit die Schulanfänger den Schulalltag kennenlernen können. „Wird das alles auch möglich sein, wenn der Kindergarten in Schaumburg ist?“, fragt sie.

Hoffen auf Umdenken

Auch die Vorstellung, dass der Kindergarten und das Dorfgemeinschaftshaus künftig auf einem Grundstück sein sollen, gefällt ihr überhaupt nicht. „Das ist mir wirklich ein Dorn im Auge“, sagt sie. Es komme auf Feiern doch immer vor, dass mal ein Glas oder eine Flasche zu Bruch geht. „Man kann doch nicht erwarten, dass die Erzieher da immer ein Auge drauf haben. Das ist doch nicht ihr Job.“

Beide Frauen hoffen, dass sich an den Plänen doch noch einmal etwas ändern wird.

TERMIN: Der Bauausschuss tagt heute ab 18 Uhr im Rathaus an der Klosterstraße 20 in Rinteln. Auf der Tagesordnung stehen außer dem Dorfgemeinschaftshaus Schaumburg auch der Bebauungsplan „Nördliche Behrenstraße“ in Exten (wir berichteten) sowie der Lärmaktionsplan und ein Sachstandsbericht zum IGS-Neubau.

von Jessica Rodenbeck