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Rinteln Ortsteile Rechtsextreme eröffnen „Botschaft“
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00:21 21.10.2015
In diesem Resthof hat sich die selbsternannte „Botschaft“ von Germanitien eingerichtet.  Quelle: jak
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Goldbeck

Von Jakob Gokl und Ulf Hanke

Der von seinen Anhängern absolut ernst gemeinte Fantasiestaat hat in dem Rintelner Ortsteil eine „Botschaft“ eröffnet, wie sowohl im Internet als auch in einem Aushang auf dem Grundstück in der Alten Dorfstraße erklärt wird. Hinter dem großspurigen Auftritt verbergen sich rechtsextreme „Reichsbürger“ von der „Justizopferhilfe NRW“ aus Löhne, wie gemeinsame Recherchen der Neuen Westfälischen und der Schaumburger Zeitung ergeben haben.

Die „Reichsbürger“ aus Löhne haben sich viele Namen gegeben. Sie nennen sich „Selbstverwalter“, „Justizopferhilfe NRW“ oder jüngst „Freikirche Volksgruppe Germaniten“. Dahinter stecken Rechtsextremisten, die an den Fortbestand des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 glauben und die Bundesrepublik für eine Firma halten.

Ihre Anhänger lehnen es deshalb in der Regel ab, Steuern, Kfz-Gebühren oder Knöllchen zu bezahlen. Sie basteln sich eigene Ausweise und Führerscheine und veröffentlichen ihre rechte Gesinnung in meterlangen Faxen oder E-Mails an Polizeibehörden, Gerichte und Stadtverwaltungen.

Auf dem Briefkasten vor der Tür des Goldbecker Hauses prangen die Namen bekannter Rechtsextremisten, die zuletzt in Löhne zu Hause waren: Axel Thiesmeier und Jürgen Niemeyer sind jetzt zumindest postalisch in Rinteln erreichbar. In den vergangenen Wochen soll zudem der Gerichtsvollzieher mit Polizeiunterstützung vor der Tür gestanden haben, heißt es aus dem Dorf. Angeblich sollten Autos gepfändet werden.

In dem Haus wohnt offenbar der Geschäftsmann Jörg P., der bereits bei einer Zwangsversteigerung der ursprünglichen „Botschaft“ in Löhne Ende September in Fernsehinterviews als Sprecher der rechtsextremen „Justizopferhilfe NRW“ aufgetreten war. Auf der Internetseite, auf der die Gruppe regelmäßig Neuigkeiten aus Germanitien verkünden, wird P. großspurig als „Vorsteher“ des „Kooperationsbüros Rinteln“ und „JOH-Ermittlungsbeamter“ genannt.

Ende Oktober steht die Immobilie in Goldbeck zur Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Rinteln an. Es ist bereits der zweite Termin für das im Jahr 1900 gebaute Haus mit 1958 Quadratmetern Grundstück. Der Verkehrswert wird mit 28500 Euro angegeben. Zum angeblichen Pfändungstermin mit Gerichtsvollzieher in der vergangenen Woche sollen Autos mit Kennzeichen aus dem Kreis Herford vor dem Haus aufgetaucht sein. Womöglich ein Hinweis auf Unterstützung durch die Löhner Rechtsextremisten?

Die Gerüchte um die Pfändung kann die zuständige Polizeisprecherin Gabriela Mielke am Freitag nicht bestätigen. Allerdings hat die niedersächsische Polizei offenbar längst mitbekommen, dass an dieser Adresse eine „Botschaft Germanitien“ aufgemacht hat. „Unser Staatsschutz hat da bereits ein Auge drauf“, sagte die Polizeisprecherin.

Das krude Weltbild der „Reichsbürger“ führt zu vielen Konflikten, die meist vor Gericht enden. Die Löhner „Justizopferhilfe NRW“ hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Sie hat vermeintlichen Justizopfern Hilfe gegen Geld angeboten. Ihre Unterstützung hat die Lage der Klienten jedoch verschlimmert.

Der Eigentümer des Löhner Gebäudes, in dem die „Justizopferhilfe NRW“ bislang ein Büro unterhielt, Ralf W., verbrachte als säumiger Steuerschuldner seinen 50. Geburtstag in Erzwingungshaft und verlor Hab und Gut. Bei der Zwangsversteigerung seiner Immobilie vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen erklärte Ralf W. öffentlich seine Trennung von den alten Weggefährten: Die „Justizopferhilfe NRW“ habe ihn ausnehmen wollen und manipuliert, behauptete er.

Karl Hampel schnappt sich die Liste und zählt zusammen: „Es war richtig viel“, sagt der Leiter des Museums Hattendorf auf die Frage nach der Zahl der Interessierten. „698 Besucher“, sagt Hampel.

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