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Rinteln Ortsteile Reifen platt – Vollbremsung unmöglich
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Reifen platt – Vollbremsung unmöglich
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00:17 27.08.2016
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AUETAL/BÜCKEBURG

Im Januar 2015 hatte der Handwerker mit seinem Kombi die Frau erfasst, die nach einem vorausgegangenen Unfall nachts auf der linken Spur stand. Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät. Vor Gericht entlastete ein Kfz-Sachverständiger den Angeklagten. Demnach konnte der Mann aus Bielefeld keine effektive Vollbremsung machen, weil er zuvor über Trümmerteile gefahren war und einen platten Vorderreifen hatte.

In der Urteilsbegründung sprach Richter Dirk von Behren von einer „äußerst unglücklichen Verkettung tragischer Umstände“. Dazu gehört auch, dass sich alle drei polnischen Insassen des Ford Focus, der nach einem Unfall noch auf der Autobahn stand, in unmittelbarer Nähe ihres Fahrzeugs aufhielten. Sie standen „seitlich neben dem Auto – im gefährlichsten Bereich überhaupt“, so von Behren. Auch die Schwester (23) der getöteten Frau wurde in jener Nacht erfasst. Sie erlitt schwere Verletzungen und leidet noch heute an den Folgen – körperlich wie seelisch. In diesem Punkt der Anklage sprach das Gericht den Bielefelder ebenfalls frei, allerdings vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung.

Unfall wurde rekonstruiert

Entscheidend für den Ausgang des Prozesses war das Gutachten, in dem der Unfall rekonstruiert wird. Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte erklärt, er habe wegen eines platten Reifens vorne links nicht richtig bremsen können. „Diese Einlassung“, so der Richter mit Blick auf Erkenntnisse des Gutachters, „ist nicht zu widerlegen. Sie ist sogar plausibel.“

Zur Erklärung: Die entsprechende Felge am Wagen des 50-Jährigen war völlig demoliert, nachdem der Handwerker in seiner Verzweiflung mit den beiden linken Rädern an der mittleren Betonleitplanke hochgefahren war, bis das Fahrzeug starke Schräglage hatte. So wollte er der Unfallstelle ausweichen. Die Darstellung des Angeklagten muss richtig sein, weil ein intakter Reifen als Puffer für die Felge gedient hätte. Diese wäre dann trotz des Kontaktes mit der Leitplanke zumindest nicht völlig kaputt gewesen.

Nur zehn Stundenkilometer schneller als erlaubt

Für den Angeklagten spricht auch dies: Ein anderer Autofahrer, der damals vor dem Bielefelder fuhr, hatte am stehenden Wagen der drei Polen keine Warnblinkleuchten gesehen, sondern nur Rücklichter. Deshalb geht das Gericht davon aus, dass der Bielefelder ebenfalls keine Warnblinkleuchten sehen konnte. In der ursprünglichen Anklage war ihm vorgeworfen worden, diese nicht beachtet zu haben. Dem anderen Autofahrer war eine rechtzeitige Vollbremsung gelungen. Er hatte aber auch keinen Platten.

Zur Geschwindigkeit: Das Gericht geht davon aus, dass der Bielefelder mit Tempo 140 unterwegs war – zehn Stundenkilometer schneller als erlaubt. Der tödliche Unfall wäre aber auch bei Tempo 130 nicht zu vermeiden gewesen. Nach der Beweisaufnahme plädierte auch Staatsanwältin Karin Dubben auf Freispruch.

Zum Schluss dankte die Rechtsanwältin der polnischen Familie dem Gericht, weil dieses den Fall so gründlich rekonstruiert hatte. Erkenntnisse, die durch Zeugenaussagen während der Verhandlung gewonnen wurden, flossen noch im Lauf der Verhandlung in das Gutachten ein. Erst am letzten Sitzungstag lag die endgültige Fassung der Expertise vor. ly

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