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Rinteln Ortsteile Seit zwei Jahren Ärger
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Seit zwei Jahren Ärger
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00:23 30.03.2018
Der Zustand des Sportplatzes in Deckbergen ist dem SC Deckbergen-Schaumburg ein Ärgernis. Quelle: mld
Deckbergen

 Das Problem ist Staunässe in einigen Bereichen des Sportplatzes. Seit fast zwei Jahren ist der Platz komplett fertig, doch bespielt werden kann er nicht. Auch Experten können sich die Staunässe nicht ganz erklären. Die Dränage unter dem Rasen wurde bereits geprüft und gereinigt, doch gebracht hat das nichts.

Mittlerweile hat der Verein einen Anwalt eingeschaltet. In der Verantwortung steht immer noch die ausführende Firma, das Unternehmen Rathert aus Höxter, das unter anderem schon die Sportanlage des FC Schalke 04 und das Eintracht-Stadion in Braunschweig gebaut hat. Die Liste von Referenzen auf der Homepage des Unternehmens ist lang. Auf mangelndes Fachwissen können die Probleme in Deckbergen also nicht zurückgeführt werden.

„Der Ball ist weiterhin im Spielfeld der Firma Rathert“, macht der SC-Vorsitzende Dirk Bredemeier im Gespräch mit dieser Zeitung klar.

Nachbesserungen bis Ende Mai

Mit anwaltlicher Unterstützung hat der Verein nun neu mit dem Unternehmen verhandelt. Vertraglich sei Rathert schließlich noch immer in der Pflicht, einen bespielbaren Sportplatz abzuliefern, so Bredemeier. Ende 2016 wurde ein Gutachten erstellt mit einer Liste von Maßnahmen, die durchgeführt werden sollen. Bis Ende Mai dieses Jahres soll Rathert diese Nachbesserungsarbeiten durchführen. Anschließend muss höchstwahrscheinlich der Rasen neu gemacht werden: „Der ist inzwischen komplett kaputt“, sagt Bredemeier.

Ein neuer Abnahme-Termin ist bereits avisiert: 1. August 2018. „Aber ich gebe keine Prognose mehr ab“, zeigt sich Bredemeier vorsichtig. Zunächst solle das Unternehmen einen konkreten Zeitplan nennen. Der Plan ist natürlich abhängig von Wetter- und Bodenverhältnissen, da der Platz erneut mit schweren Maschinen bearbeitet werden muss.

Das Besondere an diesem Fall ist nicht nur, dass er sich bereits so lange hinzieht. Auch sind die Leidtragenden Ehrenamtliche: Bauherr des 300.000-Euro-Projekts ist nicht etwa die Stadt Rinteln, sondern der SC Deckbergen-Schaumburg.

Strategisch aufgegeben

Die Hintergründe dazu reichen zurück in die neunziger Jahre. Verkürzt gesagt legte die Stadt Rinteln damals bereits einen Plan für den neuen Platz in Deckbergen vor, inklusive Bauplan und vorgesehener Fläche, die 2008 gekauft wurde. „Unter gleichzeitiger perspektivischer Aufgabe des Sportgeländes in Schaumburg an der B83“, so Bredemeier. Zuvor war mit der Stadt und den Vereinsmitgliedern herausgearbeitet worden, dass der alte Schaumburger Platz samt Sportheim strategisch aufgegeben wird. Daher wurde auch seit Ende der neunziger Jahre nicht mehr in das Sportheim investiert.

Der Sportentwicklungsplan, der 2012 veröffentlicht wurde, stützte die Pläne: Die Vereinsaktivitäten sollten am Schulstandort in Deckbergen zentralisiert werden. Dort sollte ein moderner Sportplatz inklusive Kabinen, Gymnastik- und Gesellschaftsräumen entstehen. „Die neue Anlage in Deckbergen hätte der Weiterentwicklung des Vereins dienen sollen“, sagt Bredemeier.

„Der Sport im nordöstlichen Randgebiet der Stadt Rinteln wird sich in wesentlichen Angebotsbereichen infrastrukturell weitgehend unabhängig von den zentralen Angeboten im Kernortsteil Rinteln entwickeln müssen, vor allem eng verbunden mit Einrichtungen der ‚Allgemeinen Daseinsvorsorge‘ wie Grundschule, Kultur, Kirche...“, heißt es dazu im Sportentwicklungsplan.

Sportstätte mit höchster Priorität

Dieser kam zum Ergebnis, dass eine zentrale Sportstätte für den SC eine der Maßnahmen mit höchster Priorität sei. Dem schloss sich die damals neu gegründete Arbeitsgemeinschaft der Rintelner Sportvereine an. Mit diesen Erkenntnissen im Hinterkopf übernahm der SC gewissermaßen das geschnürte Paket der Stadt. Und steht deshalb nun in der Verantwortung.

„Ich denke, wir müssen unter anderem in der Rintelner Sport-AG und dann mit der Stadtverwaltung an unserem Beispiel diskutieren, ob das das richtige Modell für ehrenamtlich tätige Vereinsvorstände ist“, so Bredemeier. „So lange alles geradeaus läuft, ist alles gut. Gibt es aber Probleme, wie wir es derzeit erleben, dann stößt man als Ehrenamtlicher ohne fundierte Kenntnisse der Materie schnell an seine Grenzen.“

Er ist derweil froh, dass die Staunässe noch vor Abnahme des Platzes aufgetreten ist. Dadurch steht die Firma Rathert noch in der Pflicht. Wäre das Problem erst nachher aufgefallen – der SC müsste auch noch die Beweislast erbringen. mld