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Rinteln Ortsteile Sollte 46-Jährige doch sterben?
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00:18 24.06.2018
Die Spurensicherung macht sich ein Bild vom Tatort. Quelle: leo
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Schaumburg

Am Mittwochmorgen hatte sich der Mann aus Bad Münder – wie berichtet – im Haus seiner Ex-Freundin an der Rosenthaler Straße in Schaumburg mit Benzin übergossen und angezündet. Seine ehemalige Lebensgefährtin, eine 46-jährige Frau aus Schaumburg, konnte sich offenbar gerade noch in die Nachbarwohnung retten.

Der Rintelner Rechtsanwalt Stefan Abrahams, der die 46-jährige Frau vertritt, widersprach am Donnerstag der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, der 49-jährige ehemalige Lebensgefährte habe möglicherweise nur sich selbst töten wollen. Gegen diese Feststellung, die auch in der Zeitung zitiert wurde, spreche schon die Vorgeschichte dieser Beziehungstat.
Der Münderaner habe nach Aussage seiner Mandantin und auch nach seiner Überzeugung aus Kenntnis des Falles nicht nur sich selbst töten, sondern seine ehemalige Lebensgefährtin mit in den Tod nehmen wollen.

Rippen und Nasenbein gebrochen

Es ist ein Drama, das im Laufe der Jahre eskaliert ist. So habe der alkoholisierte Mann seiner Mandantin schon einmal Rippen und das Nasenbein gebrochen, sie öfters mit dem Tod bedroht. Das alles sei auch der Polizei bekannt. Die Staatsanwaltschaft Bückeburg sagte auf Anfrage dennoch, dass der Mann polizeilich noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Wie der Jurist berichtet, habe der 49-Jährige beispielsweise in mehr als 300 Whatsapp-Nachrichten seine ehemalige Lebensgefährtin nicht nur übel beschimpft, sondern auch formuliert: „Du hast Dein Todesurteil unterschrieben.“ Selbst ihm als Anwalt gegenüber habe der Mann in einem Telefongespräch, in dem es darum gegangen sei, dass er Gegenstände aus einer Garage räumen sollte, erklärt: „… dann wird sie auch irgendwann entsorgt!“

Im September vorigen Jahres drohte der Mann seiner Ex in Gegenwart einer Zeugin, das sei „ihr letzter Tag“ gewesen. Im Oktober 2017 hatte das Amtsgericht Rinteln auf Antrag von Abrahams dann in einem Beschluss dem Mann für ein halbes Jahr untersagt, seine ehemalige Lebensgefährtin aufzusuchen, sich ihr auf mehr als 20 Meter zu nähern. Auch das Amtsgericht hielt in der Begründung dieses Beschlusses die Textnachrichten des Mannes für „bedrohlich“.

Auf den Balkon entkommen

Der Rechtsanwalt geht auch aufgrund der Aussage seiner Mandantin zu dem Brandanschlag in Schaumburg am Mittwochmorgen von einem Tötungsvorsatz aus. Wie die Brandspuren zeigen, hatte der Mann zunächst am Vordereingang Feuer gelegt. Er hatte dann die Glastür zum Anbau eingeschlagen, in dem seine ehemalige Lebensgefährtin wohnt. Seine Mandantin habe ihm berichtet, als es laut geknallt habe, sei ihr sofort klar gewesen, „das ist ihr ehemaliger Lebensgefährte“. Sofort habe sie die Polizei angerufen. Sie sei immer auf alles vorbereitet gewesen.

Seine Mandantin habe ihm geschildert, der Mann sei ihr durch die Wohnung auf den Balkon gefolgt, habe zuerst sie aus einer Flasche mit Benzin begossen und erst dann sich selbst: „Meine Haare, mein T-Shirt, meine Hose waren nass“, so das Zitat des Opfers. Sie habe noch das Feuerzeug in der Hand des Mannes gesehen.

In diesem Moment sei es ihr gelungen, auf den angrenzenden Balkon zu ihrer Mutter zu entkommen. Die habe sie in die Wohnung gezogen, die Tür geschlossen. Als sie die Tür zugeschlagen hatte, habe er schon in Flammen gestanden. Dann habe der Mann die Tür eingetreten, „aus den Angeln gehoben“, habe in der Wohnung gestanden, sich sein T-Shirt über den Kopf gezogen. Sie sei zur Haustür geflüchtet.

In Angst gelebt

Abrahams geht von einem Tötungsvorsatz aus. Seine Mandantin habe einfach Glück gehabt, dass sie mit leichten Brandverletzungen und blauen Flecken davon gekommen sei. Auch deshalb, weil sie so schnell reagiert hat, weil sie immer „in Angst vor diesem Mann“ gelebt habe.

Warum Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig trotz mehrerer Nachfragen am Mittwoch bei der Version blieb, dass der Mann nur sich töten wollte, bleibt unklar. Auch berichtete der Behördensprecher, dass die Frau unverletzt geblieben ist und aus diesem Grund nur wegen schwerer Brandstiftung und möglicherweise Körperverletzung ermittelt werde. Die Staatsanwaltschaft war gestern Nachmittag nicht mehr erreichbar. Bedenklich war das Vorgehen besonders vor dem Hintergrund, dass auch die Polizei in ihren ersten Meldungen ein völlig anderes, deutlich dramatischeres Bild skizziert hatte. wm, vin

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