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Rinteln Ortsteile Wenn der Vermieter stumm bleibt
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Wenn der Vermieter stumm bleibt
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00:23 31.03.2018
Was tun, wenn der Vermieter sich nicht um einen Mietmangel kümmert? Ob man einen Anwalt einschalten sollte oder nicht, hängt auch vom sogenannten Streitwert ab. Quelle: mld
Rinteln

Seinen Fall nimmt sich diese Zeitung zum Anlass, nachzufragen, was ein Betroffener unternehmen kann, wenn der Vermieter auf stumm schaltet. Sein Name und die Einzelheiten zu seinem Fall sollen daher an dieser Stelle keine Rolle spielen.

„Grundsätzlich sollte man versuchen, solche Fälle außergerichtlich zu lösen“, sagt Reinold von Thadden, Leiter der Rechtsabteilung beim Mieterbund Niedersachsen.

Hat man einen Mangel festgestellt, den man nicht selbst verursacht hat, rät von Thadden, diesen sofort dem Vermieter zu melden – „auch wenn dieser dem Vermieter schon bekannt sein könnte“. Manche Mängel seien so gravierend, dass es unwahrscheinlich sei, dass der Vermieter davon nichts wisse. Dennoch: Sobald ein Mangel bekannt werde, solle dieser dem Vermieter schriftlich gemeldet werden.

An Mietervereinigung wenden

Reagiert ein Vermieter daraufhin nicht, rät von Thadden, sich an eine Mietervereinigung zu wenden. Diese versuche, den Fall ohne Gericht und ohne anwaltlichen Beistand zu lösen. „Das Problem lässt sich so meist klären“, sagt von Thadden.

„Es ist wichtig, richtig zu kommunizieren“, sagt von Thadden. So verhärteten die Fronten nicht, und unnötige Prozesse ließen sich vermeiden. Es sei daher das Interesse eines Mieterverbundes, „die Gespräche in richtige Fahrwasser zu lenken“. Aber natürlich gilt auch: Für die Mitgliedschaft muss man eine Jahresgebühr zahlen, die beim Mieterbund beispielsweise 81 Euro beträgt.

„Es stellen sich zuerst zwei Fragen: Wie hoch ist das wirtschaftliche Risiko? Und wer trägt dieses Risiko?“, sagt Richard Heller, Rechtsanwalt aus Bückeburg. Danach entscheide sich, ob es sich lohne, einen Anwalt einzuschalten.

Richter staunen nicht schlecht

Gerade bei Mieter- oder Nachbarschaftsstreitigkeiten gehe es oft nicht um wirtschaftliche Erfolgsaussichten, sondern „ums Prinzip“, so Heller. Da staune manchmal auch der Richter nicht schlecht, welche Fälle er auf den Schreibtisch bekommt.

Wenn man bei besonders sturen Vermietern einen Anwalt einschaltet und die Sache letztlich sogar vor Gericht landet, entstehen sogenannte Prozesskosten: Kosten etwa für den Anwalt, für Gebühren, für Gutachten. Auf diesen Kosten kann man sitzen bleiben, wenn man den Prozess verliert oder wenn bei der Gegenseite nichts zu holen ist.

Natürlich könnten Kläger einen Antrag auf Prozesskostenhilfe stellen, sagt Heller. Diese richtet sich nach drei Bedingungen: Ist der Kläger bedürftig? Besteht im Prozess Aussicht auf Erfolg? Ist die Rechtsverfolgung nicht mutwillig?

Zahlen trotz Prozesskostenhilfe

Auch wenn diese Hilfe gewährt wird, sollte man laut Heller im Hinterkopf behalten, dass diese nur die eigenen Kosten abdeckt – nicht aber die der Gegenseite. Es könne also sein, dass man dennoch zahlen muss. mld

Auch eine Rechtsschutzversicherung schütze nicht immer vor einer Rechnung: „Die Rechtsschutzversicherung rechnet natürlich auch“, so Heller. Ist die Schadenssumme zu groß, könne man den Versicherungsschutz verlieren.

„Und das nur wegen ein paar bemooster Betonplatten? Das zu riskieren, ist nicht immer klug“, plädiert Heller dafür, die Versicherung nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn man sie wirklich braucht.

Bei der Immobilienstreitigkeit in Deckbergen ist der Streitwert – also der geldliche Wert des Streitgegenstands – mittlerweile auf eine vierstellige Summe angewachsen. Auf persönliche sowie anwaltliche Schreiben hat der Eigentümer der Immobilie bislang nicht reagiert.

Mittlerweile liegt die Sache beim Amtsgericht Rinteln, und zu den Kosten kommen nebst Zinsen von mehreren Monaten auch die vorgerichtlichen Anwaltskosten inklusive Zinsen hinzu. mld