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Rinteln Stadt Blitzt nicht, sondern kontrolliert
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Blitzt nicht, sondern kontrolliert
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00:27 25.03.2018
Eine solche Kontrollsäule für Mautgebühren wird bald auch an der B238 in Rinteln errichtet. Sie sieht – bis auf die Farbe – einem modernen Blitzer sehr ähnlich. Quelle: pr
Rinteln

Um zu überprüfen, dass die Lastwagen ihrer Mautpflicht nachkommen, werden zurzeit bundesweit 600 Kontrollsäulen aufgestellt, eine von ihnen auch in Rinteln. Diese wird voraussichtlich in den nächsten Wochen entlang der B238 an der Detmolder Straße zwischen Am Stumpfen Turm und Braasstraße, Fahrtrichtung Rinteln, errichtet. Auch an der B65 zwischen Bückeburg und Minden, direkt an der Landesgrenze, soll eine Säule errichtet werden.

Dabei handelt es sich um fest installierte Säulen neben der Fahrbahn, die modernen Blitzern sehr ähnlichsehen. Allerdings sind diese rund vier Meter hoch und in einem auffälligen Blau und nicht in Schwarz gehalten. „Schlank und blau lackiert fügen sie sich in das Landschaftsbild der Bundesstraßen ein“, heißt es nahezu poetisch in einer Mitteilung des zuständigen Unternehmens Toll Collect.

Beim Vorbeifahren werden Fahrzeuge daraufhin kontrolliert, ob sie mautpflichtig sind und ob die Maut entrichtet wurde. So müssen die Lastwagen nicht mehr angehalten und überprüft werden.

300 fest installierte Kontrollbrücken

Die Säulen sollen laut Toll Collect die mobilen Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr auf den Bundesstraßen ergänzen. Des Weiteren gibt es 300 fest installierte Kontrollbrücken im Land. Wo die Säulen errichtet werden, wurde mithilfe des Bundesamtes für Güterverkehr bestimmt.

Straßensperrungen während des Aufbaus der Kontrollsäule an der B238 sollen „auf ein Minimum reduziert werden“, heißt es in einer Mitteilung von Toll Collect an den Landkreis Schaumburg. Dafür würden „neue Bauverfahren“ genutzt. Bauliche Eingriffe in die Natur würden sich außerdem „auf ein Minimum“ beschränken.

Unabhängig von dieser neuen Kontrolltechnik gelte laut Angaben von Toll Collect, dass die Erfassung des Fahrzeugkennzeichens ausschließlich im Rahmen des gesetzlichen Kontrollauftrages erfolge. „Der Datenschutz wird dabei umfänglich gewährleistet.“ Irrelevante Daten würden noch in der Säule sofort gelöscht.

2016 Rekordumsatz erzielt

Die Toll Collect GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem der Deutschen Telekom und des Autobauers Daimler. Im Auftrag des Bundes sammelt es die Lkw-Maut ein. Mit 4,63 Milliarden Euro erzielte der Mautumsatz im Jahr 2016 laut Toll Collect einen neuen Rekordwert. Davon flossen nach Unternehmensangaben rund 3,4 Milliarden Euro in Autobahnen und Bundesstraßen.

Spediteure wie Sascha Marten von Marten Spedition & Logistic aus Rinteln wundert sich allerdings, wohin das Geld geht: in die deutschen Straßen seiner Meinung nach jedenfalls nicht. „Die deutschen Straßen sind eine Katastrophe“, klagt Marten.

Für ein Speditionsunternehmen seiner Größenordnung machen die zu zahlenden Mautgebühren „5000 bis 8000 Euro“ aus. Es sind Kosten, die man als Unternehmen von vorneherein bereits einkalkuliere und die sich durch die jetzige Ausweitung auf Bundesstraßen erhöhen würden.

Diese Kosten würde er gern bezahlen, wenn er denn sehen würde, wo das Geld hingeht, sagt Marten: „Würde es in die Infrastruktur gehen, wäre das gut, denn dann würden auch die Fahrzeuge geschont.“

Drei Bauabschnitte auf der A2

Doch ein Negativbeispiel sei allein die A2: „Gefühlt“ gebe es dort jedes Jahr eine neue Baustelle. Die nächste droht den Fahrern ab dem 2. Juli, wenn der Asphalt im Abschnitt zwischen Wunstorf-Kolenfeld und Bad Eilsen erneuert wird. Drei Bauabschnitte wird es insgesamt geben. Marten hält davon nicht viel: „Warum macht man die Autobahn nicht einmal vernünftig?“

Manfred Rother, Geschäftsführer des gleichnamigen Transportunternehmens aus Lindhorst, sieht auch auf seine Firma durch die Maut-Ausweitung hohe Kosten zukommen. Derzeit machten für ihn die zu zahlenden Gebühren rund eine Million Euro pro Jahr aus. Rother rechnet durch die Ausweitung künftig mit rund einem Drittel mehr an Ausgaben. „Das ist Geld, das uns ja niemand zusätzlich zahlt“, sagt Rother.

Hinzu kämen zudem andere Mehrkosten, Beispiel: Schulungen für die Lkw-Fahrer, um mit den Geräten umzugehen, durch die die Maut eingebucht wird. Diese Buchung könne man künftig nur noch online vornehmen, so Rother, und das bedeute für das Unternehmen einen Mehraufwand von einem Arbeitstag pro Woche. mld