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Rinteln Stadt Das Geschäft wird härter
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Das Geschäft wird härter
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09:32 06.11.2017
Einmal zahlen, bitte! Messe-Besuche können teuer werden. Quelle: mld
Rinteln

Hohe Preise für die Besucher und hohe Standgebühren für die Schausteller waren auch jüngst Thema unserer Berichterstattung über den Bückeburger Herbstmarkt. Das hatte in den sozialen Netzwerken viele Reaktionen hervorgerufen.

„Unverschämt teuer geworden teilweise…“, urteilte ein Besucher. „Bei manchen Preisen überlegt man halt dreimal, ob das sein muss“, schrieb ein anderer Nutzer. Doch wenn die Stadt „so hohe Summen an Standmiete“ nehme, dann sei es „kein Wunder, dass die Preise so hoch sind. Von irgendwas müssen die Schausteller ja leben“.

Doch die Menschen haben auch ihr Verhalten geändert: „Heute hab ich einfach nicht mehr das große Verlangen nach Jahrmarkt“, schreibt ein Nutzer. „Es wird ja auch immer teurer“, so ein anderer. „Dann lieber in einen Freizeitpark oder in den Zoo.“

Discounter unterbieten Spielgeschäfte

Für die Schausteller ist das Geschäft deutlich härter geworden. „Gerade Spielgeschäfte wie meines müssen kämpfen“, erzählt Thorsten Freudenberg vom „Spielcasino“-Stand (zehn Lose für 3,50 Euro). Billig-Ketten wie „Kik“ hätten beinahe dasselbe Angebot wie das, was es bei ihm zu gewinnen gebe – allerdings zu niedrigeren Preisen.

Schausteller müssen die Artikel jedoch natürlich in kleinen Mengen abnehmen. Ketten können einen Großeinkauf machen. Schausteller müssen dazu Standmiete, Strom, die Ware und für sich selbst zahlen: „Wir haben einen ganz anderen Kostenapparat.“

Das ist auch Mandy Feger vom Schießstand Osthold (fünf Schuss für vier Euro) gleich neben dem „Wellenflug“ bewusst. „Natürlich ist es hier teurer als in einem normalen Geschäft in der Stadt“, sagt sie. Aber: „Man kommt doch her, um Spaß zu haben.“ Genau dafür sei die Rintelner Messe da. Dort freuten sich die Leute außerdem mehr. Aus ihrer Heimatstadt Essen sei sie anderes gewöhnt: Da könne man leicht von einer Großstadt in die andere pendeln, von einem Event zum anderen. Die Rintelner Messe habe noch einen ganz anderen Stellenwert.

Gerade diesen will sich die Stadt erhalten – auch wenn sie dabei draufzahlt. „Die Messe ist ein klares Zuschussgeschäft“, erzählt Marktmeister Daniel Jakschik. Rinteln könne damit kein Geld verdienen, wolle es aber auch nicht. In den vergangenen 15 Jahren hätten sich die Standgebühren nicht verändert. Nur zur Umstellung auf den Euro habe man die Preise „angepasst“.

Großer Werbe-Effekt für die Stadt

Diese Entscheidung werde – übrigens im Rat, nicht von der Verwaltung – ganz bewusst getroffen: Die Messe hat für die Stadt einen großen Werbe-Effekt. „Und Werbung kostet nun einmal Geld“, so Jakschik. Des Weiteren soll die Kirmes lebendig bleiben; deshalb dürften die Schausteller nicht vergrault werden. „Das sind außerdem Familiengeschäfte“, so der Marktmeister. Das Leben solle ihnen nicht unnötig schwer gemacht werden.

Dass es härter wird für die Schausteller, das merkt man auch am Süßwarenstand der Familie Nikisch (100 Gramm Mandeln für drei Euro). Die ist immerhin seit mehr als 200 Jahren im Geschäft, das über die Generationen weitergegeben wird. Das Kaufverhalten der Leute sei sehr viel zurückhaltender als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. „Große Sprünge“ könne man als Schausteller daher nicht mehr machen. Zusätzlich werde die Ware für die Lebkuchenherzen und die gebrannten Mandeln im Einkauf teurer.

Man merke außerdem, dass Jahrmärkte ihr Alleinstellungsmerkmal verloren hätten: Es ist nur noch ein Event von vielen im Jahr, auch in einer Kleinstadt wie Rinteln. Auch dort sei jedes Wochenende etwas los. Doch: Die Messe werde noch gut besucht.

Ein dankbares Publikum

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt noch sehr gut“, sagt auch Thorsten Freudenberg vom „Spielcasino“. Die Rintelner seien außerdem ein „dankbares Publikum“.

„Wir sind zufrieden“, sagt auch Maikel Blume vom „Wellenflug“, dem marktprägenden, nostalgischen Kettenkarussell auf dem Marktplatz (ein Fahrchip für drei Euro). In sechs Jahren habe man die Preise nicht erhöht. „Wenn wir für eine Fahrt plötzlich 3,50 oder vier Euro verlangen würden, würden viele Familien doch abwinken“, sagt Blume.

Unter den Schaustellern habe man jüngst sogar besprochen, ob man die Preise nicht noch einmal senken solle. Denn insgesamt würden die Besucherzahlen doch abnehmen. Am Familientag „merkt man den Unterschied dann doch.“ Denn: Wer spare nicht gern?

Doch Rinteln habe einen „guten Namen“: „Die Rintelner mögen ihre Messe.“ Es gebe größere Veranstaltungen, die deutlich schlechter liefen. „Wir kommen gern hierher“, so Blume. Am heutigen Montag ist „Familientag“: Ab 14 Uhr kann man vergünstigt Karussell fahren, und die Schausteller halten Angebote parat. Geöffnet hat die Messe bis 22 Uhr. mld