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Rinteln Stadt „Das ist eine Farce!“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Das ist eine Farce!“
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09:53 29.10.2018
Könnte man für Titel nehmen. Quelle: tol
Rinteln

Wie viele davon im nächsten Sommer nachrücken können, weiß sie nicht, wohl zwischen einem und drei Kindern. Das hängt davon ab, ob die Kinder aus ärztlicher Sicht reif genug für die Grundschule sind und ob die Eltern wollen, dass die Kinder in die Schule kommen.

Fünf Lokalpolitiker wollen die Wartezeiten der Eltern nun nicht länger hinnehmen: Unter Federführung von Grünen-Fraktionschef Christoph Ochs haben sie den Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, sich „intensiv dafür einzusetzen“, dass eine weitere Gruppe in Rinteln eingerichtet wird. Die sei „dringend erforderlich“. Der Vorschlag von Ochs, dessen Parteikollegen Uta Fahrenkamp und Dietmar Vogt, Ralf Kirstan (FDP) sowie Uwe Vogt (CDU): Die Verwaltung möge die Einrichtung einer zweiten Waldkindergartengruppe in der Nordstadt prüfen.

Synergien nutzen

Werde ausreichender Bedarf festgestellt, solle diese Gruppe an die „Waldzwerge“ angegliedert werden, fodern die Politiker. Durch die „gewachsenen Strukturen“ und die Größe des Standorts könnten zwischen den beiden Gruppen am besten „Synergien“ genutzt werden. Eine der Gruppen solle zudem längere Betreuungszeiten „bis mindestens 14 Uhr“ erhalten. Derzeit werden Kinder bei den Waldzwergen maximal fünf Stunden täglich betreut.

Doch über den Antrag detailliert zu beraten, wird schwierig, wie auch jüngst im Sozialausschuss klar wurde. Denn: „Die Stadt Rinteln kann hier wenig ausrichten“, sagt Umbach. Wie ein Waldkindergarten in Niedersachsen auszusehen hat, dazu gebe es vom Land „klare Vorgaben“. Es sei nun einmal vorgeschrieben, dass ein Waldkindergarten zum Beispiel nur 15 Plätze vorhalten dürfe bei zwei pädagogischen Fachkräften. Auch eine weitere Gruppe könnte Umbach nicht einfach an ihre Einrichtung angliedern: „Jede Waldgruppe muss mindestens zwei Kilometer auseinanderliegen“, so Umbach. Die „Waldzwerge“ folgten besonders strengen Vorgaben, da sie – auch 15 Jahre nach Gründung – noch Modellprojekt-Status tragen.

Dies alles ist Ochs bewusst, wie er auf Nachfrage erläutert: In anderen Bundesländern wie etwa Hamburg seien beispielsweise längere Betreuungszeiten kein Problem. „Darum hoffe ich sehr, dass die Stadt entsprechend Druck beim Land aufbauen wird, sodass diese alten Regeln endlich modernisiert werden“, so Ochs.

Erweiterung abgelehnt

Die Anfrage der Verwaltung beim Kultusministerium auf Einrichtung einer zweiten Gruppe am Standort der „Waldzwerge“ sowie auf Erweiterung von 15 auf 20 Plätze wurde abgelehnt, teilt die Verwaltung mit. Auch eine längere Betreuungszeit könne nicht umgesetzt werden: Alles entspricht nicht den Rahmenbedingungen des Landes.

„Es ist eine Farce, was da passiert“, echauffierte sich Bürgermeister Thomas Priemer im Ausschuss über die Antwort des Kultusministeriums. Das Modellprojekt „Waldzwerge“ habe sich schließlich schon lange bewährt. Er werde Kultusminister Grant Hendrik Tonne „persönlich“ einen Brief schreiben, um auf die Situation aufmerksam zu machen: „So wie uns geht es bestimmt vielen Kommunen!“ Hannover könne sich vor diesem Bedarf „nicht länger verschließen“, so Priemer.

Umbach währenddessen kann Rintelner Eltern, die ihre Kinder in einem Waldkindergarten anmelden möchten, für die nahe Zukunft nur wenig Hoffnung machen: „Den Jahrgang 2019 werden wir nur schwer bedienen können.“

Von Marieluise Denecke