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Rinteln Stadt Der Abschied fällt schwer
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00:25 03.10.2015
Die vierjährige Mara braucht keinen Schnuller mehr und hängt die „Nuckis“ aus ihrem Fundus am „Schnullerbaum“ auf. Quelle: cok
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Rinteln

Doch irgendwann muss Schluss sein mit dem „Nucki“, „Schlutzer“, „Nülli“ oder eben „Schnuller“. Schließlich will niemand, dass Kinder sich einen schnullerbedingten Überbiss oder andere Kieferschäden einhandeln. Eine Möglichkeit, diesen ersten großen Abschied von einem geliebten Ding gut zu überstehen, bietet nun Schaumburgs erster „Schnullerbaum“.

 Der steht im Rintelner Generationenpark und ist kein Apfelbaum, wie all die anderen Bäume dort, sondern eine Zierkirsche, ausgewählt von Bauhofleiter Klaus-Ulrich Hartmann. Die Zierkirsche bildet weit unten am Stamm immer wieder neue Äste aus, sodass auch kleine Kinder den Schnuller, den sie wohl oder übel abgeben müssen, ganz allein aufhängen können. „Eigentlich sollte die Schnuller-Entwöhnung spätestens mit Ende des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein. Und damit beginnen müsste man noch viel früher“, sagt Gisela Enders, die in Rinteln in der Schwangerschaftsberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) arbeitet und zusammen mit ihren Kolleginnen das „Schnullerbaum“-Projekt in die Wege geleitet hat.

 Tatsächlich bestehe der kleinkindliche Saugreflex nur bis etwa zum achten Lebensmonat. Danach kommen die ersten Milchzähne durch und damit auch der Kaureflex, der den Saugreflex nach und nach ablöst. Je länger Kinder an ihrem Schnuller hängen, desto schwerer werde es, ihn schließlich ganz loszulassen. Der „Schnullerbaum“ kann dabei helfen, sich vom geliebten Lutscher mit einem Ritual zu verabschieden, eines, das anders als der Besuch der „Schnullerfee“ immerhin noch die Möglichkeit offenlässt, ab und zu bei einem „Schnullerbaum“-Besuch den Sieg zu feiern.

 Empfohlen wird, nach dem achten Monat den Schnuller gegen einen Beißring oder ein Schmusetuch zu ersetzen, weiß Ursula Neumann, Vorsitzende des Awo-Ortsverbandes Rinteln. Es sei sowieso ein Fehler, den Schnuller als Rund-um-die-Uhr-Beruhigungsmittel einzusetzen.

 Die zweijährige Luna und ihre vierjährige Schwester Mara sind die beiden ersten Kinder, die sich zusammen mit ihrer Mutter Esther Navarrete-Fabisch zum „Schnullerbaum“ im Generationenpark aufmachten. Sie haben gleich mehrere „Nuckis“ dabei, die alle aus Maras Fundus stammen. Die kleine Luna gehörte zu den Kindern, die niemals einen Schnuller benutzen wollten. „Ich habe das bedauert“, meint die Mutter. „Es war tatsächlich schwerer sie zu beruhigen, wenn sie nicht einschlafen konnte oder weinte.“ Die ältere Schwester Mara erzählt, dass sie ihre Schnuller schon länger nicht mehr benutzt hat. Trotzdem macht es beiden großen Spaß, den Baum damit zu schmücken.

 Jeder darf den „Schnullerbaum“ behängen. Awo-Kreisverbandsgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske schlägt den Eltern vor, sich mit anderen Familien zusammenzutun und ein echtes Ereignis aus der Sache zu machen. „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“, sagt sie. „Der Abschied vom Schnuller ist ein erster großer Einschnitt im Kinderleben. An diesen Sieg soll man sich ruhig immer mal wieder erinnern.“ Das sahen als Erste die Dänen so. Bei ihnen haben „Schnullerbäume“ schon eine lange Tradition. cok

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