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Rinteln Stadt Der Schreck steckt in den Gliedern
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Der Schreck steckt in den Gliedern
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00:17 23.01.2017
Am Tag nach dem versuchten Raubüberfall ist nach außen hin alles wieder friedlich beim „Nah und gut Hoppe“ in der Brennerstraße. Kunden umarmten Inhaber Theo Milonas am Donnerstagmorgen spontan, froh, dass nichts Größeres passiert war. Quelle: af
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Rinteln

„Wir sind froh, dass wir dich noch haben!“ – „Du bist ein Held. Was sind wir glücklich, dass dir nichts passiert ist.“ Gerhard Bauer, Inhaber des „Antik-Hauses“ nebenan, berichtet, er sei zum Zeitpunkt des Überfalls in seinem Laden gewesen, habe aber „überhaupt nichts mitbekommen“ und auch den flüchtenden Räuber nicht gesehen.  Milanos schildert, dass er natürlich Angst bekommen habe, aber erst nach dem Überfall sei ihm die Gefahr wirklich bewusst geworden. Während des Überfalls sei er ganz ruhig geblieben, was ihn auch selbst überrascht habe.

„Geld – oder ich schieße“

Der Täter, etwa 1,80 Meter groß und mit auffallend schlanker Statur, sei durch den ganzen Laden gegangen, dann auf ihn zu. Er habe an der Kasse gesessen. „Klar habe ich gedacht, der hat etwas eingekauft“, so Milonas. Dass der Mann eine Mütze und ein Halstuch vor dem Gesicht getragen habe, sei ihm nicht weiter beunruhigend vorgekommen: „Es war ja wirklich kalt draußen.“ Dann habe der Mann ihm plötzlich eine Pistole vor das Gesicht gehalten und gesagt: „Geld – oder ich schieße.“

„Im ersten Moment habe ich noch gedacht, das kann nur ein schlechter Scherz sein“, so Milonas. Er reagierte geistesgegenwärtig und griff nicht etwa in die Kasse nach dem Geld, sondern unter die Kasse. Der Täter hatte nicht sehen können, was dort war – es hätte beispielsweise ein Alarmknopf sein können. Das verunsicherte den Täter anscheinend derart, dass er aus dem Laden lief. Der Mann sei kaum aus der Tür gewesen, da habe er, so Milonas, die Polizei gerufen. Sein Handy liege immer griffbereit. Was Milonas hinterher aufgefallen sei: Der Täter war in schwarzer Kleidung vermummt, „aber er hatte keinen Parka oder eine dicke Jacke an“.

Schreck steckt noch in den Gliedern

Wie es ihm heute gehe? „Ich habe Kopfschmerzen, der Schreck steckt mir noch in den Gliedern“, so Milonas. Ansonsten sei er in Ordnung. Er sei froh, dass im Moment des Überfalls kein Kunde im Laden war und keine Mitarbeiterin an der Kasse gesessen hat. „Wäre etwas Schlimmes passiert, hätte ich mir Vorwürfe gemacht.“ Ladendiebstähle kennt Milonas, auch dass bei ihm eingebrochen wird und meist Zigaretten und Alkohol gestohlen werden. Aber ein Raubüberfall?

Milonas, der einen kleinen Laden für die Gäste und Camper am Doktorsee betrieben hat, erzählt, dass er in dieser Zeit oft Angst gehabt habe, wenn er mit der Ladenkasse, also dem Bargeld, zur Bank gefahren sei: „Ich habe immer geschaut: Wer steht vor dem Laden? Ich habe nie einen Anhalter mitgenommen.“ Aber in der Brennerstraße?

Treuer Kundenstamm

Sein Geschäft „Nah und gut“ habe einen treuen Kundenstamm. Auf 220 Quadratmetern findet man bei Milonas alles, was man für den täglichen Bedarf braucht: „Obst und Gemüse, Getränke, Tiefkühlware, Kühlprodukte, Hygieneartikel.“ Lediglich Fleisch habe er mit Rücksicht auf die Fleischereien im Ort nicht im Angebot, sagt Milonas, der längst eine Institution in dieser Stadt ist, auch weil sein Geschäft als Nachrichtenbörse für die Altstadt fungiert. 1965 kam er als Tourist mit 23 Jahren in die Stadt, ist 1966 mit in das Geschäft „Hoppe“ eingestiegen.

Die Polizei fahndet weiter nach dem gescheiterten Räuber. Zeugen, die verdächtige Personen im genannten Zeitraum im Stadtgebiet beobachtet haben, werden gebeten, sich mit der Polizei, Telefon (05751) 95450, in Verbindung zu setzen. wm

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