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Rinteln Stadt Durch und durch Abwechslung
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00:16 22.06.2016
Noch schaut er ernst, doch bald wird er entspannt lächeln können, weil alles prima geklappt hat: Daniel Ellerman vor seiner Big Band. Quelle: cm
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Rinteln

Da gab es rekordverdächtig viele Kindergartenkinder auf der Bühne – auf 80 bis 90 schätzte Schirmherr Jörg Farr die Anzahl in seinem Grußwort –, die gemeinsam zwei Lieder vortrugen. Unterschiedliche Instrumentalensembles folgten. Flöte, Saxofon, Posaune, Klarinette. Mal noch etwas unsicher, weil erst vor Kurzem zusammengekommen, mal schon mit sattem Sound. Viele engagierte Lehrer konnte man erleben. Manche voller Ehrgeiz. „Ich will für die Schaumburger Region gute Klarinettisten ausbilden. Mit der Klarinette steht und fällt die Qualität bei den Bläsern“ (Shih-Ming Chang). Andere, die sich selbst ein bisschen auf den Arm nahmen: „Wir sind Niedersachsen und spielen Saxofon. Deshalb heißen wir Niedersaxen mit x. Ihr dürft jetzt lachen“ (Siegfried Albrecht). Und eine Lehrerin mit ganz viel Einfühlungsvermögen gab es auch zu sehen. Diese tanzte bei der Aufführung ihrer jüngsten Schüler neben der Bühne gleich aufmunternd mit (Oxana Lehmann). Das war sowieso ein besonderer Hingucker, die kleinen und großen Ballerinen (wobei sich auch ein kleiner Junge, Aykan Deva, dieser Kunst verschrieben hatte).

 Ballettschülerinnen erobern Publikum im Handumdrehen

 Mit Kuscheltier- und Schokoladentanz, klassischem Ballett (inklusive einer Schülerin, die schon auf Spitze tanzen durfte) und einer tänzerisch erzählten Geschichte um Clowns und eine schöne Puppe hatten die Ballettschülerinnen ihr Publikum im Handumdrehen erobert. Doch schon ging es weiter im Programm. Gäste aus Hessisch Oldendorf konnten begrüßt werden. Als Rintelner Institution gab das Jugendblasorchester ein Gastspiel. Und Musikschulleiter Lutz Göhmann sowie seine musikalisch ebenso engagierte Ehefrau Anja zeigten sich einmal von ungewohnter Seite. Beide reihten sich mit Trompete und Saxofon am Abend für ein Stück in die Big Band des Ernestinums ein. Erkenntnis: Auch Musikschulleiter sehen manchmal ein bisschen nach Lampenfieber aus.

 Zum Auftritt von Ernie‘s Hausband (Leiter Thomas Mehrens) mit ihren wunderbar nostalgischen Ausflügen in die Welt von Rock, Blues und Balladen – vor allem aus den sechziger und siebziger Jahren – tröpfelte es noch etwas, was die immer weiter wachsende Schar von Zuhörern aber nicht abschreckte. Toll, wie Musiker, Solisten und Sänger den Sound, der schon ihre Eltern, wenn nicht sogar Großeltern begeistert hatte, auf die Bühne brachten. Generationenverbindende Freude. Junge Leute, die den Geist der siebziger Jahre inklusive wilder Gitarrensoli aufleben ließen, und graue Köpfe im Publikum, die begeistert und breit lächelnd im Rhythmus mitwippten.

 90 Minuten feinster Ernestinum-Big-Band-Sound

 Zum Schluss und als Höhepunkt folgten 90 Minuten feinster Ernestinum-Big-Band-Sound, und den gab es komplett im Trockenen. In der derzeitigen Zusammensetzung der Band ist musikalisch vieles möglich. Dank Sängerin Clara Requardt konnte man gefühlvolle Lieder wie zum Beispiel „Son of a preacherman“ (Dusty Springfield) und „Skyfall“ (Adele) ins Repertoire aufnehmen. Viele Instrumentalisten spielen auf hohem Niveau, ihre Soli sorgen für Abwechslung und bereichern das Programm.

 Wie ermutigend und anregend das Klima in der großen Schulband sein muss, lässt sich daran ablesen, dass aus den Reihen der Jüngeren immer wieder Mutige nachrücken, die sich auch als Sänger ins Rampenlicht wagen. Sein Debüt in diesem Bereich gab Simeon Schäffer auf dem Marktplatz. Und es war beeindruckend, zu sehen, wie ein auf den ersten Blick eher zurückhaltend wirkender Mensch stimmlich so stark rüberkommen kann. Am Ende, beim letzten Lied vor den Zugaben, erhaschte man als Zuschauer einen kleinen Einblick in die starke Verbindung zwischen Lehrer und Schülern. Da breitete sich plötzlich ein Lächeln unter den Musikern aus. Und auf der Suche nach der Ursache sah man, dass Daniel Ellermann, bei dem die Anspannung des Tages abfiel, seine Schüler anlächelte. Deren spontane freudige Reaktion war einfach herzerwärmend.

Von Claudia Masthoff

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