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Rinteln Stadt Ende einer phantastischen „urbanen“ Ausstellung
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Ende einer phantastischen „urbanen“ Ausstellung
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21:27 18.09.2011
Beatboxer Daniel Ferreira Sezinando Fund Roller-Dancer Michel Schüler bei der Finissage im Museum. Derweil genießen Besucher mit 3 D-Brillen noch einmal die besonderen Effekte der Bilder. Quelle: tol
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Rinteln (cok)

Zwei Künstlerfreunde des Fotografen, ebenso wie er in Rinteln aufgewachsen, dann aber nach Berlin umgezogen, fanden sich für eine musikalische Tanz-Performance zusammen. Die „Musik“ entstand allein durch die Stimme des Profi-Beatboxers Daniel Ferreira Sezinando, schnelle, heftige Rhythmen, als habe da jemand ein ganzes Schlagzeug zur Verfügung. Dazu „tanzte“ Michel Schüler, auf klassischen Rollschuhen, mit fast unwirklich wirkenden geschmeidigen Bewegungen, wie ein traumverlorener Straßenjunge. Die beiden haben sich in Berlin längst ihren eigenen Raum in der Hip-Hop-Szene erobert, der eine als Berliner Vizemeister im Beatboxen, der andere mit der Organisation von Rollerdance-Discos.

So sah man auf dieser „urbanen“ Finissage neben dem gewohnten bürgerlichen Publikum ungewohnt viele Jugendliche, die heftig Beifall zur Performance klatschten und dann in ihrer weiten Skaterkleidung durch die Ausstellungsräume wanderten, um mit aufgesetzter 3D-Brille über die Fotos und das Skateboarding zu sprechen. „Ja – diese Ausstellung hat in den letzten drei Monaten insgesamt ein deutlich jüngeres Publikum angelockt“, freute sich Museumsleiter Stefan Meyer. Sie führte dazu, dass der einst von Sebastian Denz und seinen Freunden an der Burgfeldswiese initiierte Skate-Park nun von Grund auf renoviert und modernisiert wurde. Im Oktober soll es dort eine große Einweihungsparty geben.

Besucher der Finissage, die die Ausstellung zum ersten Mal sahen, konnten nur bedauern, dass die bereits weltweit in 30 Galerien gezeigten und preisgekrönten Arbeiten nun nach Tokio weiterwandern. Die Fotos haben das Potenzial, wieder und immer wieder betrachtet zu werden und zu langen Gesprächen zu verführen. Kaum zu fassen einerseits, wie sehr die ausgefeilte 3D-Kamera die Illusion tiefer Räumlichkeit erzeugt, so eigenartig real, dass die Zeit stehen geblieben zu sein scheint mit dem Blick auf die erstarrten Luftsprünge der fotografierten Skater. Und darüber hinaus: Die stillen Porträts einiger Jünglinge, gelassene Könner aus dem „Carhartt Skateboard Team“, sie erinnern in ihrer Stilisierung glatt an die Porträts italienischer junger Männer aus dem 15. Jahrhundert.
Wer seine Eindrücke vertiefen will oder die Ausstellung gar verpasste, kann in der Eulenburg durch eine 3D-Brille Einblick nehmen in den ansonsten leider bereits vergriffenen prächtigen Fotoband „Skateboarding 3D“. Aber Vorsicht: Auch hier wird man in die Tiefen des Raumes hineingesogen – so intensiv, als könne man sich in ihm verlieren.

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