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Rinteln / Karneval

Feierliche Verschwörung, blöd zu werden


Hexen und Prinzessinnen, Tiger-Lillys und Teufelsfratzen, Clowns, Vampire und Piraten, sie alle sind Frauen, fröhliche Weiber, zwischen 17 und 70 Jahre alt, und alle lachen, klatschen, albern herum und wagen sich unbefangen zur Technomusik auf die Tanzfläche.
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Bei Sängerin Jacqueline hielt es kaum jemanden auf dem Stuhl.

© tol

Rinteln (cok).. Frauenkarneval, wie er nun schon zum 13. Mal im Rintelner Ratskellersaal stattfand, das ist nicht nur einfach Karneval, sondern ein Fest, das vielleicht gerade wegen der Abwesenheit männlicher Gäste so besonders ausgelassen ist.

 Ja – es wurde auch hergezogen über die Männer. Ilona Fromme aus dem „Elfenrat“ des RFK (Rintelner-Frauen-Karnevals-Verein) trat als „Männerfeindin“ in die Bütt, bewies in Schüttelreimen – „sie bilden sich nur ein, das stärkere Geschlecht zu sein“ – die völlige Überschätzung des Männlichen, nur um dann doch gutmütig zu deklamieren: „Aussterben sollen sie nicht, ihr Leut’, wir dulden sie auf Lebenszeit.“

 Ansonsten aber liebten die Karnevals-Frauen ihre männlichen Gegenüber, die ja auf der Bühne gern gesehen waren, durchaus rückhaltlos, nicht nur, wenn etwa die strammen Kerle vom Männerballett „Titanium Talentfrei“ aus Apelern wie jedes Jahr mit ihren muskelbepackten Körpern auftrumpften, oder „Jacqueline“ alias Thorsten Wigand aus Hameln mit Gesang und unendlich langen, schönen Beinen das Superweib spielte, sondern gerade auch bei der Truppe aus Hilwartshausen, den „Sollingelfen“, die sich auf reizende Weise der wahren Weiblichkeit verschrieben: Als schön pummelige Tänzerinnen, die ohne Scheu eher gemütliche Bäuche zeigten, Baströckchen um runde Hüften geschlungen hatten und durch ihr tänzerisches Travestie-Engagement glaubhaft rüberbrachten, dass sie die Frauen einfach so mögen, wie die meisten nun mal sind.

 Die wirklich Schönste von allen wäre Tanzmariechen Madleen Dana Hugo gewesen, hätte sie nicht wegen einer Muskelzerrung nur mal kurz von der Bühne herunterwinken können. Dafür aber warfen sich die kleinen „Wilden Funken“ aus Krankenhagen einfach großartig ins Zeug beim Gardetanz mit perfektem Show-Lächeln und unglaublichen Spagaten. Ihnen und den etwas älteren Mädchen der Prinzenehrengarde Hameln galt großer, wohlverdienter Beifall für das so gelungene Fortführen der klassischen Gardetanz-Tradition. Das bedeutete allerdings nicht, Neuheiten hätten keine Chance gehabt. Die „Eugenesen“ aus Hannover zum Beispiel kamen als Eskimos, die tanzend Götter beschworen, gegen Eisbären kämpften und mit Profikönnen eine mitreißende Show boten. Musiktheater, auch das hatten die Frauen zu bieten: Ob das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf wohl schon mal auf so lustige Weise persifliert wurde wie von den Märchenspielern aus Groß Berkel? Songs aller Art wurden in Beschlag genommen, um eine haarsträubende Geschichte zu erzählen, vom Rotkäppchen, dass der Großmutter Hasch vorbeibringt („Das ist alles nur geklaut“), mit dem ziemlich wild wirkenden Wolf flirtet („Wadde hadde dudde da“), auch den Jäger anhimmelt („Ich hab heut Nacht von dir geträumt“) und der Großmutter entgeistert zuhört, wenn die, analog zum Lied von den „Ärzten“ singt: „Wölfe sind Schweine!“

 Da war es direkt entspannend, als die schwarz gekleideten „Trauerweiber“ mühsam die Bühne erklommen und im Chor auf ihre schleppende, tonlose Grufti-Art einen Witz nach dem anderen deklamierten. Auch Hartmut Bauer ließ es sich nicht nehmen, sich als trockener Büttenredner freudig genau der „Verschwörung, blöd zu werden“, anzuschließen, die Elfenrätin Jutta Meves in ihrer Begrüßungsrede ausgerufen hatte. Viagra vor dem Schlafengehen, „das hilft zwar nicht direkt für das, doch Wachsein macht dann viel mehr Spaß – Helau!“

 Die Gebrüder Gottschalk aus Hannover sangen die klassischen Karnevalslieder, Ilona Fromme gab das Rosenmontags-Geburtstagskind zum Mitsingen, die Polonaise wurde eingeleitet und dann ging die Party noch mal so richtig los: Bis drei Uhr morgens tanzten die Weiber ab und hatten dabei genug Spaß, um dem Aschermittwoch gelassen entgegen sehen zu können.

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