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Rinteln Stadt „Hier erfüllte sich ein Lebenstraum“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Hier erfüllte sich ein Lebenstraum“
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22:20 16.03.2018
Vor zehn Jahren stellte sie der Welt die Funde vor: Dr. Annette Richter mit einem kleinen Exemplar der Dinos, die einst durch den Steinbruch zogen. Quelle: tol
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Obernkirchen

Als Cheforganisatorin Dr. Annette Richter in die Kollegenrunde fragte, wer Lust habe, an einem Fachbuch zur Dino-Forschung mitzuarbeiten, das in einem Jahr erscheinen solle, da flogen die Finger in die Höhe.

Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Erst fünf Jahre später hat Annette Richter das erste Exemplar in die Hand nehmen können, und wenn sie an ihre Kollegen von damals denkt, dann formuliert sie einen Satz, in dem das Bild von dem berühmten Sack Flöhe und die Wörter hüten und schlimmer vorkommen. Und dann lacht die Oberkustodin des Landesmuseums Hannover und wird doch schnell wieder ernst: Eine internationale Tagung für Fachleute aufzubauen, das sei mit Abstand am anstrengendesten; das war ein gutes Jahr Arbeit für die Vorbereitung, aber mindestens.

Ein eigenes Forschungsgebiet

Die Arbeit im Steinbruch Obernkirchen, sagt sie, „das war die Erfüllung eines Lebenstraumes“, nicht mehr, nicht weniger, und das will einiges heißen, denn schließlich lag vor dieser Arbeit die Grabung in Münchehagen, „und dann setzte Obernkirchen noch einen drauf“, ordnet Richter die Funde ein. So hätten die Geowissenschaftler der alten Schule auch gearbeitet: „Man zieht ein eigenes Forschungsgebiet hoch.“

Beendet ist die Spurensichtung im Steinbruch noch nicht. Im Sommer war Richter mit einem spanischen Kollegen vor Ort, denn es gibt auf dem oberen Plateau noch Spuren, die nicht so recht zugeordnet werden können, die nicht zu den restlichen Fährten passen; Richter spricht von zwei verschiedenen Pflanzenfressern, wahrscheinlich Verwandte. Soll heißen: Abgeschlossen ist das Kapitel der Dino-Spuren im Steinbruch Obernkirchen für den Geowissenschaftler mit dem Schwerpunkt Unterkreide noch lange nicht.

Über 130 Millionen Jahre alt

Und dann gab es im vergangenen Jahr noch diese Nachricht: Mit Lagenanectes richterae ist ein bisher unbekannter Meeressaurier bei Sarstedt in Niedersachsen entdeckt worden, es ist der weltweit einzige Plesiosaurier dieser Art. Das Skelett von Lagenanectes aus der unteren Kreidezeit Europas ist über 130 Millionen Jahre alt und sogar das einzige bekannte seiner Art.

Dass die neue Saurierart nun auf den Namen Lagenanectes richterae getauft wurde, hat seinen Grund: Der Name Lagenanectes setzt sich zusammen aus dem mittelalterlichen Namen „Lagena“ für die Leine, die das Gemeindegebiet von Sarstedt passiert, sowie dem griechischen „nektes“, was „Schwimmer“ bedeutet und auf die schwimmende Lebensweise Bezug nimmt.

Und der Artname richterae würdigt Annette Richter für ihre vielfältigen Verdienste um die niedersächsische Paläontologie. Diese Ehre habe sie „total gerührt“, sagt Richter rückblickend. Dabei sei es gar nicht so ungewöhnlich, dass paläontologische Entdeckungen nach verdienten Forschern benannt werden, erklärt sie, „aber normalerweise ist das erst der Fall, wenn der Experte schon gestorben ist.“ rnk

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