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Rinteln Stadt In historischen Wänden
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt In historischen Wänden
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20:06 31.07.2018
Die Erdgeschosswohnung des Parkhofs besitzt zwei Ausgänge hinaus zum Garten. Ein Park schließt sich von hier aus an. Quelle: mld
Rinteln

In einem historischen Gebäude an der Ritterstraße wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der Parkhof mit seinem charakteristischen Innenhof soll künftig als Wohnhaus, als Praxis oder für gewerbliche Zwecke genutzt werden.

„Ich wollte etwas ganz Besonderes haben“, erzählt Eigentümer Carsten Busch, Bauingenieur aus Hannover. Zuvor habe er lange in der Landeshauptstadt nach einem Gebäude mit Charakter und Geschichte gesucht. Fündig wurde er schließlich nach langem Suchen in der Weserstadt. Busch erwarb das Fachwerkensemble im Jahr 2010 gemeinsam mit einem Geschäftspartner, der später jedoch wegen anderer Verpflichtungen ausstieg.

Seitdem wurden die einzelnen Bestandteile des Dreiseitenhofs aufwendig renoviert. Gerade erst abgeschlossen ist die Generalüberholung des Erdgeschosses. Von einem langen Flur aus gehen insgesamt zehn Zimmer (zwei mit direktem Gartenzugang), zwei Bäder, eine Küche sowie ein Hauswirtschaftsraum ab. Gesamtfläche: 270 Quadratmeter.

„Hier haben wir kernsaniert“, erklärt Busch. Der Fußboden wurde beispielsweise komplett neu gemacht, nun liegt dort Fischgrätenparkett im warmen Holzton inklusive Fußbodenheizung. „Insgesamt haben wir hierfür 2500 Estrichsäcke gebraucht“, nennt Busch eine imposante Zahl. 250000 Euro habe allein die Sanierung des Erdgeschosses gekostet. Das sieht man der liebevoll renovierten Immobilie auch an.

„Ich wollte es schlicht haben“, sagt Carsten Busch. Schlicht, und damit passend zum historischen, denkmalgeschützten Rahmen. Mit der Stadt Rinteln als Untere Denkmalschutzbehörde sind die Maßnahmen im Vorfeld abgesprochen worden.

Der Parkhof wurde im 18. Jahrhundert durch den damaligen Festungsgouverneur Generalleutnant Albrecht Christian von Oheimb erbaut. „Es handelt sich um einen ehemaligen Sattlerhof“, sagt Busch. Dieser wurde immer wieder erweitert. Im Wohnhaus kann man heute noch am Fachwerk in der Wand erkennen, dass das Haupthaus erweitert wurde. Im Mittelalter war an demselben Platz das Extener Adelsgeschlecht von Eckersten zu Hause.

Während der Weltkriege ein Lazarett

Um 1900 wurde das Fachwerkensemble als Sanatorium benutzt, während der Weltkriege diente es als Lazarett. Eine Zeit lang gehörte es auch der Burghofklinik, die gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt. Im Jahr 1960 wurde das dreiflügelige Ensemble dann von der Familie Eggersmann gekauft, die die Räume gewerblich nutzte und vermietete. Etwa 100 Zimmer gibt es insgesamt in dem Gebäude mit der Adresse Ritterstraße 23. Busch erwarb die Immobilie von den Eggersmanns im Jahr 2010. Es handelt sich um insgesamt 1700 Quadratmeter, verteilt auf drei Bereiche.

Gibt es in Rinteln überhaupt Nachfrage nach solch aufwendig renovierten, großzügigen Immobilien? Natürlich sei das Preisgefüge ein ganz anderes als beispielsweise in Hannover, sagt Busch. „Aber auch hier gibt es mehr und mehr Nachfrage.“ Die ersten Gespräche mit Interessenten führe er bereits.

Wer auch immer dort einziehen wird, wird sich in wahrhaft geschichtsträchtiger Gesellschaft befinden: Die Ritterstraße hat ihren Namen von den dortigen Burgmannssitzen des Schaumburger Landadels erhalten. Dort steht auch eines der bekanntesten Gebäude der Stadt: das Archivhäuschen, das kleinste Gebäude der Weserrenaissance.

Marieluise Denecke