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Rinteln Stadt Investor: Keine nachhaltige Perspektive
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Investor: Keine nachhaltige Perspektive
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23:24 25.04.2018
Kein schöner Anblick: der Brückentor-Komplex vom Pferdemarkt aus gesehen. Quelle: tol
Rinteln

Das folgenschwere Schreiben hat Priemer am Dienstagmorgen erreicht: ImmoInvest-Geschäftsführer Norbert Dittel erklärte darin seinen Rückzug aus dem Brückentorprojekt, seine Leidensfähigkeit war erschöpft.

Man sei in einem Stadium angekommen, „wo sich bestimmte Ortspolitiker öffentlich derart echauffieren, dass ich in der Entwicklung des Objekts nicht mehr nur in zeitlicher Hinsicht für mich keine nachhaltige Perspektive erkennen kann“, schreibt Dittel in seinem Brief, den er dieser Zeitung als persönliche Stellungnahme zur Verfügung stellte. Dann der entscheidende Satz: „Ich bitte daher um Ihr Verständnis, dass ich dieses Projekt nicht mehr weiterverfolge und den notwendigen Vertragsrücktritt wegen nicht erreichbarer dort ausbedungener Ziele bei den Herren Schneidewind (den Eigentümern, Anmerkung der Redaktion) erklären werde.“

"So verschreckt man einen Investor"

Dittel führt mehrere Gründe für seinen Schritt an. Der Investor spricht zwar der Stadt und ihren Gremien nicht das Recht zum Nachverhandeln und zum Abwandeln von Planungen ab. Es sei jedoch „unlauter“, einen potenziellen Investor trotz Kenntnis aller Rahmenbedingungen zu Investitionen in Planung, Modellbau und Verkehrsuntersuchungen zu bewegen, um dann „kurz vor Toresschluss aufzuwachen und das Oberste zuunterst zu drehen“. Dieses Verhalten sei kritikbedürftig. In diesem Zusammenhang zitiert Dittel eine Schlagzeile unserer Berichterstattung: „So verschreckt man einen Investor“. Um als persönliche Anmerkung hinzuzufügen: „Korrekt!“ Dittel bedauert, dass es ihm nicht gelungen sei, die „Alternativlosigkeit des Projekts“ herauszustellen. Neben den „Saalfragen“ führt er Rechtsunsicherheiten mit der Bauleitplanung an, die derzeit wohl nicht „zu heilen“ seien.

„Das ist schon extrem traurig!“ sagt Bürgermeister Thomas Priemer über den Rückzug Dittels. Priemer kritisiert unter anderem, dass Dittel und Planer Wolfgang Hein in öffentlichen Sitzungen von einigen Ratsmitgliedern persönlich angegangen worden seien. „Taktisch und menschlich geht man so nicht mit Unternehmern um, die in der Stadt investieren wollen“, sagt der Bürgermeister. Immerhin habe Dittel 13 bis 15 Millionen Euro ins Brückentor stecken wollen. Darunter hätten auch die Außendarstellung und das Image der Stadt gegenüber anderen Investoren erheblich gelitten. Und: Öffentliche Statements sollten mit Bedacht erfolgen, Vertrauen stehe auf dem Spiel. Damit spielte Priemer auf vertrauliche Informationen an, die aus nicht öffentlichen Beratungen nach außen gedrungen waren. Ärgerlich sei, dass nun die Weiterentwicklung der Innenstadt auf der Strecke bleibe. Der Brückentorkomplex bleibe zunächst wie er sei, die Stadt müsse jetzt aber ihren Teil der Immobilie sanieren.

Keine Alternative

Ihr Bedauern über den Rückzug des Investors äußerten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und WGS, Veit Rauch und Gert Armin Neuhäuser. Beide sehen aber vor dem Hintergrund „zeitlichem Drucks seitens des Investors in Verbindung mit den vollkommen ungeklärten Baukosten eines von der Verwaltung bevorzugten neuen Brückentorsaales“ keine Alternative zum Stopp des Vorhabens. „Wir können die Stadt nicht auf Jahrzehnte hoch verschulden, nur um letztendlich einen privaten Investor bei der Realisierung seines Vorhabens zu unterstützen“, so Rauch. Auch Neuhäuser ist der Meinung, dass für eine das Angesicht der Stadt so stark prägende Entscheidung Zeitdruck vollkommen falsch sei: „Wir wollen nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und anstelle des in der Tat sanierungsbedürftigen Brückentorkomplexes eine aus Investorensicht verständliche riegelartige Bebauung am Eingangstor unserer Stadt durchdrücken.“ Beide sind sich aber sicher, dass auch durch andere Investoren oder die Stadt selbst die Lage des Brückentorkomplexes deutlich verbessert werden könne.

„Ich bin stinksauer auf diese Truppe“, ärgert sich dagegen die Fraktionsvorsitzende der SPD, Astrid Teigeler-Tegtmeier, über die Mehrheitsgruppe aus CDU, WGS, FDP und der fraktionslosen Antje Rinne, die das Brückentor-Projekt „durch ihr Störfeuer auf den letzten Metern“ zu Fall gebracht habe. Das Argument, dass man sich dem zeitlichen Druck des Investors nicht beugen dürfe, kann Teigeler-Tegtmeier nicht teilen: „Schließlich hatten wir ein Jahr Zeit, um zu beraten.“ Die Kritiker des Projektes hätten den Ernst der Lage nicht erkannt. Schließlich hätte Dittel nicht nur den maroden Brückentorkomplex saniert und erweitert, sondern auch neue attraktive Geschäfte nach Rinteln geholt. Die SPD-Fraktionschefin fürchtet nun eine Bauruine am Eingang zur Innenstadt, die ja jetzt schon erheblichen Sanierungsbedarf ausweise. kk

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