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Rinteln Stadt Kampf um Paula
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kampf um Paula
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00:18 03.11.2018
Rinteln

Hündin Paula – etwa 50 Zentimeter hoch, graues, zerzaustes Fell, ängstlich – streunt derzeit herrenlos durch die Ortsteile Steinbergen, Kohlenstädt und Ahe. Zuletzt gesehen wurde sie in Kohlenstädt – und zwar am 23. Juli. Seitdem hat es niemand geschafft, den Hund einzufangen. An mangelnden Versuchen hat es nicht gelegen. Auch das Veterinäramt des Landkreises, eine Spezialabteilung der Feuerwehr Bad Oeynhausen, das Ordnungsamt der Stadt Rinteln und die Polizei waren schon involviert. Doch: Nichts hat geklappt, nicht einmal die Betäubung über Distanz per Gewehr.

Tierhalter verantwortlich für Suchaktion

Angesprochen auf die Sachlage, seufzt Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp. Die Stadt Rinteln sei an dieser Suchaktion nur nachrangig beteiligt. Zu Paula gebe es schließlich einen Tierhalter, erklärt Kipp – und der sei dafür verantwortlich, den Vierbeiner wieder einzufangen. Solange ein streunender Hund für Bürger keine Gefahr darstelle – beispielsweise bissig werde oder ständig Straßen kreuze und damit die Verkehrssicherheit gefährde –, müsse die Stadt nicht einschreiten. Erst dann – oder wenn der Hundehalter die Suche aufgibt und das Tier herrenlos wird – kann die Stadt einen Tiersicherer beauftragen, den Hund einzufangen und ins Tierheim zu bringen.

Konkurrenz zwischen Besitzern und Tierschützern

Das wollen Yvonne und Holger Siekmann sowie Astrid Lane vermeiden: Sie sind im Tierschutz engagiert und wollen, dass Paula so sicher und stressfrei wie möglich eingefangen und einem schützenden Zuhause zugeführt wird. Das Problem: Sie sind nicht die Einzigen. Mitglieder einer Tierschutzorganisation – darunter die Eigentümerin von Paula – haben sich dasselbe Ziel auf die Fahnen geschrieben. Die Versuche, den Hund einzufangen, wurden gegenseitig gestört, erzählen die Siekmanns und Lane bei einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Astrid Lane hält mehrere Pferde in Ahe und ist ehrenamtlich in der Sicherung streunender Hunde tätig. Zur professionellen Tiersicherung gehören zahlreiche Unterstützer, Wildkameras, Lockschleppen und Info-Flyer für die Bevölkerung. Lane steht derzeit wohl im engsten Kontakt mit der Hündin, denn sie hat ihr eine Futterstelle eingerichtet, zu der Paula regelmäßig zurückkehrt und sich mit Nahrung versorgt. „Sie frisst gut, hat sogar zugenommen“, freut sie sich.

Hund kommt zu Futterstellen

Doch die Konkurrenz der unterschiedlichen Tierschützer-Gruppen in Sachen Paula hat dazu geführt, dass mehrere Futterstellen eingerichtet wurden oder die Hündin – ursprünglich ein rumänischer Straßenhund – immer wieder das vorsichtig erkämpfte Vertrauen verlor. Teilweise, berichten Lane und die Siekmanns, sei es auch schon zu nächtlichen Einsätzen mit mehreren Fahrzeugen auf den Feldern rund um Rinteln gekommen.

Das bekommen auch die Anwohner mit; allein deshalb, weil die Futterstellen Krähen und Ratten anziehen. „Sie können sich sicher sein, dass Paula bald gefangen wird“, sagt Lane. Sie fresse schließlich gut und komme regelmäßig an die gleichen Orte zurück. Und immerhin: Beide Gruppen arbeiten inzwischen gemeinsam daran, den Hund einzufangen. mld