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Rinteln Stadt Kein Bock auf Politik?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kein Bock auf Politik?
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00:16 23.10.2016
Die neue Skateranlage ist ein Beispiel für erfolgreiche Mitbestimmung: Das liegt auch an der Eigeninitiative von Rintelns jungen Menschen. Quelle: MLD
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Rinteln

Von Anna Bredemeier, Marieluise Denecke und Evelin Hermann

„Es gab einfach kein Interesse vonseiten der Jugendlichen“, sagt Jörg Schmieding vom Amt für zentrale Dienste und Finanzen in Rinteln. Kein Freiwilliger habe sich damals gefunden. Und das, „obwohl Tausende Jugendliche angeschrieben wurden“, erinnert sich Schmieding. Der Kontakt sei über die Schulen hergestellt worden, aber es wurden auch Schüler privat angeschrieben.

Die Folge dieses ausbleibenden Interesses: Die Satzung über das Jugendparlament wurde eineinhalb Jahre später wieder aufgehoben. Damit bestünde derzeit nicht die Möglichkeit, ein Jugendparlament einzurichten – bis eine entsprechende Satzung wieder verabschiedet wird.

Mehrheit hatte noch nie von Jugendparlament gehört

Ist die Rintelner Jugend politikverdrossen? Um diese Frage zu beantworten, haben sich zwei Jugendliche im Namen unserer Zeitung auf den Weg gemacht: Evelin Hermann und Anna Bredemeier aus der zehnten Klasse des Gymnasiums Ernestinum. Das Ziel: Unter den Schülern herausfinden, wie es um das Interesse für lokale Politik bestellt ist. Dabei fiel auf, dass die Mehrheit noch nie etwas von so einem Jugendparlament in Rinteln gehört hatte. Vermutet wurde eher, dass Jugendparlamente nur in größeren Städten wie Hannover oder Berlin existieren. Viele Schüler kritisierten, dass dafür zu wenig geworben würde und sie daher überhaupt keine Möglichkeit hätten, ihre Meinung zu äußern.

Von allgemeinem Desinteresse kann aber keine Rede sein: Die angesprochenen Jugendlichen äußerten sehr wohl eigene Wünsche und Ideen. Vorgeschlagen wurde etwa ein Jugendzentrum für die Stadt sowie der Ausbau der Zugverbindung zwischen Rinteln und Hannover.

Dass sich Jugendliche durchaus im Stadtgeschehen – und auch im politischen Prozess – engagieren können, zeigte sich jüngst am Beispiel Skaterpark: Weil Skater für die Anlage am Ernestinum kämpften – angeleitet von Parkgründer Sebastian Denz und dem Rintelner Lars Wöllecke –, konnten ein neues Hindernis gebaut und andere Hindernisse erweitert werden (wir berichteten). Angestoßen durch private Initiative.

Skatepark war erfolgreiches Beispiel

„Man braucht die Aktiven, die Themen voranbringen“, sagt Schmieding in Erinnerung an das Engagement für den Skatepark. In anderen Gremien wie dem Behinderten- oder Seniorenbeirat klappe das. Doch vor dauerhaftem Engagement scheinen Jugendliche zurückzuschrecken.

In einem Jugendparlament – oder, wie schon mal angedacht, in einem „Juniorenbeirat“ als jugendliches Pendant zum Seniorenbeirat – würden Teenager Ämter übernehmen.

Gewählt wären sie für einen Zeitraum von zwei Jahren. 13 Mitglieder im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren waren für das Parlament vorgesehen. Ihre Arbeit wäre ehrenamtlich erfolgt.

Die Parlamentsmitglieder würden die Interessen der Jugendlichen gegenüber der Stadt und Verwaltung vertreten, eine Stimme in Ausschüssen und Ratssitzungen sein. Das Jugendparlament kann auch Anträge stellen.

Eine große Chance also, in der Politik mitzumischen, aber auch eine große Verpflichtung. Zu viel Verpflichtung für junge Leute?

Derzeitiges System zu uninteressant

Der Politiklehrer des Ernestinums, Carsten Ruhnau, äußerte sich zwiegespalten zu Jugendparlamenten: „Zwar ist es wichtig, dass Jugendliche eine Stimme bekommen, aber das derzeitige System wirkt für sie uninteressant. Schüler wollen sich nicht an Formalitäten binden, sondern wollen direkt reagieren, wenn es ein Problem gibt.“Direktheit befürwortet auch Lehrerin Bettina Hartung von der Hildburgschule: Sie hält es für eine mögliche Lösung, dass politische Vertreter in die Schulen kommen, um Themen näher zu bringen. So hätte man den direkten Kontakt zu Schülern.

Die 16-jährige Alexa Buddensiek, Schülerin am Ernestinum, ist skeptisch einem Jugendparlament gegenüber: „Es entsteht kein Interesse, da die Schüler sich nicht angesprochen fühlen und sich gegenüber den Erwachsenden eher machtlos fühlen.“

Bei anderen Befragten gibt es schon Ideen, wie man erfolgreicher für ein solches Gremium werben könne: „Man könnte uns Jugendliche zum Beispiel im Internet darauf aufmerksam machen und so die Idee eines Jugendparlaments verbreiten“, schlug Pia Riesner (16) vor.

„Ich würde es gut finden, wenn man durch öffentliche Veranstaltungen mehr davon erfährt“, sagte Lara Meier, ebenfalls 16.

Pädagoge Ruhnau hält es für eine bessere Variante, die Meinungen der Jugendlichen durch eine öffentlichere Form, etwa ein Jugendforum, einzuholen.

Nächstes Jahr soll laut Ruhnau außerdem das Projekt „Pimp Your Town“ nach Rinteln kommen: Dabei bilden Schulklassen fiktive Parteien und machen Vorschläge zu realen Problemen in der eigenen Kommune. Die Hoffnung: Dass das Interesse von Jugendlichen wächst und sie sich mehr für politische Themen vor Ort engagieren.

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