Rinteln (jaj). „Die Eisschicht ist noch nicht dick genug“, sagt Doktorsee-Geschäftsführer Uwe Deppe. Schon vor dem Wochenende hatten seine Mitarbeiter deshalb zahlreiche Warnschilder aufgestellt, die vor dem Betreten der Eisfläche warnen sollten. Ohne Wirkung. Gestern wurde noch einmal nachgerüstet: Jetzt soll rot-weißes Absperrband auch die letzten Leichtsinnigen von dem gefährlichen Vergnügen abhalten.
Dabei steht Deppe einem Eisvergnügen auf dem Doktorsee generell nicht abgeneigt gegenüber. Gerne erinnert er sich an den Winter vor drei Jahren, als sich an Spitzentagen 5000 Besucher auf der Eisfläche und an den eigens aufgebauten Glühwein- und Bratwurstbuden aufgehalten haben. „Ich kann die Eisfläche aber erst freigeben, wenn es wirklich sicher ist“, sagt er. Und das sei es ab einer Eisdicke von rund 20 Zentimetern der Fall. „Der Maschsee in Hannover wird zwar schon ab 15 Zentimetern freigegeben.“ Das sei aber auch öffentliches Gelände. Bei dem Doktorsee handele es sich aber um Privatbesitz. Wenn der Geschäftsführer den See freigibt, sei er auch haftbar – und deshalb gehe er lieber auf Nummer sicher.
Um den Freigabe-Zeitpunkt nicht zu verpassen, wird die Eisdecke täglich überprüft. Dazu sägen Mitarbeiter mithilfe einer Motorsäge einen quadratischen Block aus dem Eis, drehen ihn und messen seine Dicke. Elf Zentimeter ergab die gestrige Messung. Ob es in den nächsten Tagen mit einer Freigabe klappen kann, darauf will und kann sich Deppe nicht festlegen. „Die Schneeschicht ist ein bisschen hinderlich.“ Sie wirke wie eine Isolierung und verlangsame das Anwachsen der Eisdecke. Spätestens am Donnerstag wolle er aber eine Entscheidung treffen, ob die Eisschicht zum Wochenende freigegeben werden kann.
Bis dahin appelliert der Geschäftsführer an die Vernunft. „Wenn jetzt jemand einbricht, bekommt das vielleicht niemand mit.“ Und selbst wenn, seien keine Rettungskräfte vor Ort, da das Gelände im Winter nicht überwacht ist. Bei einer offiziellen Freigabe sei das ganz anders. Dann sei die DRK-Rettungswache besetzt, und es gebe Sicherheitsvorkehrungen wie zum Beispiel bereitliegende Leitern.
Doch nicht nur der Doktorsee, auch die Graft ist ein beliebtes Ziel bei „Eis-Wanderern“. Und das, obwohl auch das städtische Gewässer derzeit noch nicht freigegeben ist. Die Graft wies bei der gestrigen Messung eine Eisschicht von etwa zwölf Zentimetern auf – knapp zu wenig, denn die Stadt verlangt für eine Freigabe mindestens 13 Eisdicke. Doch auch an der Graft soll heute nachgemessen werden – und vielleicht gibt es die offizielle Genehmigung, die Eisflächen des Stadtgebiets zu betreten. Ein bisschen Hoffnung besteht, denn die Minusgrade werden noch ein bisschen erhalten bleiben.
Fast schon Kunst in einem Vorgarten an der Alten Todcenmanner straße: Gießkanne in einer Regentonne eingefroren und mit dieser umgestürzt. Foto: tol
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