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Rinteln Stadt Lebte der Turku-Attentäter in Rinteln?
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00:17 30.08.2017
Ein schwer bewaffneter Polizist und Rettungskräfte nach dem Anschlag im finnischen Turku. Quelle: dpa
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RINTELN/TURKU

Die Behörden gehen davon aus, dass er aus terroristischen Motiven handelte und gezielt Frauen angriff. Nach der Verhaftung in Finnland wird nun der Weg des Attentäters durch Europa rekonstruiert. Wie konnte er so lange unerkannt in Europa reisen? Hätten die extremen Ansichten erkannt, hätte der Anschlag verhindert werden können?

 Der 18-Jährige soll von der Notunterkunft in Bramsche in die Landes-Notunterkunft in der Prince Rupert School in Rinteln überwiesen worden sein. Was hier mit ihm geschah, wird momentan noch ermittelt.

 Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung soll der 18-Jährige Anfang November 2015 gemeinsam mit einem weiteren Marokkaner nach Deutschland eingereist sein. Kurz darauf sollen die beiden Männer die Erstaufnahmeeinrichtung Bramsche-Hesepe bei Osnabrück erreicht haben. Das Lager war zu diesem Zeitpunkt mit bis zu 5000 Bewohnern komplett überfüllt.

 Zwei Wochen später sei der Mann daher in die Notunterkunft in Rinteln verlegt worden. Was hier mit ihm geschah, ist derzeit noch unbekannt. Doch die Ermittlungen laufen.

 Auf Nachfrage beim damals zuständigen Sicherheitsdienst „SDS“ ist zu erfahren, dass es zumindest einen konkreten Verdacht wegen islamistischer Tendenzen in der Notunterkunft gab. Ein Mann war anderen Flüchtlingen aufgefallen, da er den Islamischen Staat verherrlichte und mit radikalen religiösen Ansichten auftrat. So wollte er sich etwa auf keinen Fall von Frauen anfassen lassen. Das teilten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Polizei mit, welche den Mann offenbar vernommen hat. Eine Stellungnahme von der heimischen Polizei war am Wochenende dazu nicht zu bekommen.

Mann soll Attentäter von Turku sein

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich allerdings höchstwahrscheinlich nicht um den gesuchten Attentäter von Turku, da der Mann noch bis vor Kurzem in Rinteln wohnhaft gewesen sei.

Außerdem soll es in der Notunterkunft eine Akte für verdächtige Flüchtlinge gegeben haben. Etwa wenn ein Flüchtling regelmäßig in andere Städte reiste.

 „Wenn jemand die eine Woche in Berlin, die andere in Hamburg und zwei Wochen darauf in Köln ist, dann fällt uns das natürlich auf“, sagte ein mit der Sache vertrauter Mitarbeiter der Notunterkunft unserer Redaktion. Weitere Anhaltspunkte kamen meist von anderen Flüchtlingen, die vor radikalen Tendenzen warnten. „Wir haben solche Hinweise immer ernst genommen“, so der Mitarbeiter.

 Die Namen auf der Liste wurden samt Anfangsverdacht regelmäßig der Polizei übergeben. Auch dazu konnte am Wochenende noch keine Stellungnahme der Behörden eingeholt werden.

 An den 18-jährigen Marokkaner – von dem die Redaktion ein Foto besitzt – konnte sich in Rinteln kein Gesprächspartner konkret erinnern. Ob er tatsächlich hier gelebt hat, muss erst geprüft werden. Allgemein seien aber nur wenige Marokkaner und andere Nordafrikaner in der Notunterkunft gewesen, betont eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Alle Ansprechpartner erklärten, dass die Stimmung meist positiv gewesen sei. Es sei zwar zu der einen oder anderen Straftat gekommen, hauptsächlich Diebstähle oder Körperverletzungen unter Asylsuchenden, aber nichts in Richtung Terrorismus. Auch Drogenhandel war immer wieder Thema in der Unterkunft. Doch von islamistischen Tendenzen unter den Flüchtlingen habe man nichts mitbekommen.

 Die Notunterkunft in der Prince Rupert School bestand von Oktober 2015 bis Oktober 2016. In ihr fanden bis zu 600 Flüchtlinge einen Platz. jak

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