Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Lokale Banken müssen Finanzkrise ausbaden
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Lokale Banken müssen Finanzkrise ausbaden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:46 11.03.2018
Sparkassenbetriebswirt Detlef Böhm in einem Beratungsgespräch. Auch dabei ist die Zahl der Auflagen gestiegen. Quelle: tol
Anzeige
Rinteln/Landkreis

Das Problem der Sparkassen lässt sich problemlos durch zwei Seitenzahlen darstellen: 250 gegen 4600: Beinahe verzwanzigfacht hat sich der Umfang alleine der EU-Eigenkapitalverordnung. Die heimischen Kreditinstitute – ohnehin gebeutelt durch die anhaltende Niedrigzinsphase – ächzen seit einigen Jahren unter einem extremen Regulierungsdruck. „Und zwar ungerechtfertigterweise“, wie Stefan Nottmeier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schaumburg, findet.

Denn die Bankenregulierung der Europäischen Union würde in erster Linie die internationalen Großbanken im Blick haben, die verantwortlich für die letzten Finanzkrisen waren. „Der deutsche Sonderweg gerät dabei unter die Räder der EU-Maschinerie“, klagt Sparkassenvorstand Oliver Schiller.

Finanzkrise: Lokale Banken waren Fels in der Brandung

Denn anders als etwa in England, Frankreich oder Italien habe Deutschland nicht nur eine Handvoll Großbanken, sondern ein engmaschiges Netz an kleinen, unabhängigen Sparkassen und Volksbanken. „Wir bekommen von der EU aber fast die gleichen Auflagen wie etwa die Deutsche Bank“, ärgert sich Nottmeier. „Dabei hat die Deutsche Bank mehr Mitarbeiter im Controlling als wir im ganzen Unternehmen.“

Seit der Finanzkrise schieße die EU nun mit Kanonen auch auf Spatzen. „Es ist für Außenstehende oft schwer vermittelbar, was für eine absurde Menge an Auflagen wir erfüllen müssen“, so Schiller.

Er könne eine so engmaschige Überwachung des Bankensektors im Bereich der systemrelevanten Banken (Stichwort: „too big to fail“, zu Deutsch: zu groß zum Scheitern) ja nachvollziehen, betont er. Aber Grund für das vergleichsweise gute Abschneiden Deutschlands nach der Finanzkrise seien ja gerade die lokal verankerten Sparkassen und Volksbanken. „Und uns wird jetzt das Leben unnötig schwer gemacht.“

Nottmeier gibt ein Beispiel: Hinter der Regulierung mit dem unhandlichen Namen „Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente“ (kurz MIFID) steckte für die Sparkasse ein enormer bürokratischer Aufwand. Alleine der Schulungsaufwand für die eigenen Mitarbeiter betrug 175 Tage. Es musste eine neue Telefonanlage angeschafft werden, um künftig alle Wertpapier-Beratungsgespräche aufzeichnen zu können. „Vor MIFID war ein Wertpapierzukauf für unsere Bestandskunden häufig eine Sache von zwei Minuten“, erklärt Nottmeier. Jetzt müsse man so viele bürokratische Hürden überwinden, dass es Stunden dauere.

Neues System könnte Besserung bringen

Ein anderes Beispiel: Früher habe man – wie andere Unternehmen auch – am Anfang des Jahres einen Jahresabschluss gemacht. Mittlerweile müsse man in jedem Quartal einen abgeben. „Früher hatten wir einen Mitarbeiter dafür – heute sind es drei“, erläutert Schiller. Durch zusätzliche Auflagen seien allein die Kosten für die IT um 50 Prozent gestiegen.

Zusammen mit der anhaltenden – und politisch gewollten – Niedrigzinsphase gehe das an die Substanz. Zwar habe man in den vergangenen Jahren schmerzhafte Schritte durchgesetzt, um die weitere Eigenständigkeit zu sichern. „Schön war das nicht“, so Nottmeier. Immer wieder habe man gedacht, jetzt sei die Talsohle der Regulierungswut erreicht. „Aber noch sieht es nicht danach aus.“

Auf EU-Ebene diskutiere man zwar immer mal wieder ein System, das „small and simple banking box“ genannt wird. Das sowohl vom „Weltinstitut der Sparkassen“ als auch der „Europäischen Vereinigung der Genossenschaftsbanken“ geforderte Prinzip sieht vor, dass künftig die Regulierungen je nach der Größe und dem Geschäftsmodell einer Bank abgestuft werden. gok

Anzeige