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Rinteln Stadt Luftsportverein kontra Behörde
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Luftsportverein kontra Behörde
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00:27 08.05.2015
 Die Landesluftfahrtbehörde will, dass auch außerhalb der Betriebszeiten am Rintelner Flugplatz eine „sachkundige Person“ für eine eventuelle Rettung anwesend ist. Der Luftsportverein Rinteln hält das für praxisfern Quelle: wm
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Rinteln (wm)

Karsten Fahrenkamp und Ulrich Kaiser vom Vorstand des Luftsportvereins (LSV) wollen sich vor dem Verwaltungsgericht gegen eine neue Verfügung wehren, die sie für kleine Verkehrslandeplätze wie Rinteln für unsinnig halten. Und weil es im Land Niedersachsen viele ähnliche Landeplätze wie in der Weserstadt gibt, ist es gewissermaßen eine Musterklage.

 Darum geht es: Nach einer „Nebenbestimmung für die luftverkehrsrechtliche Genehmigung“ dürfte auf dem Verkehrslandeplatz am Doktorsee künftig kein Flugzeug mehr außerhalb der Öffnungszeiten des Flugplatzes starten oder landen, wenn nicht eine Person anwesend ist, die „ein Feuerlösch- und Rettungsgerät bedienen kann“. Es ist eine Entscheidung, von der auch die Betriebsgenehmigung des Flugplatzes abhängt.

 Würde diese neue Regelung in die Praxis umgesetzt, würde das bedeuten, jedes Mal, wenn ein einzelnes Flugzeug am Doktorsee startet oder landet, müsste sich eine „sachkundige Person“ ins Auto setzen und zum Verkehrslandeplatz fahren. Egal wann. Meinung des Vorstandes: Das sei personell für einen Verein wie Rinteln nicht zu leisten. Fahrenkamp: „Wir sehen auch gegenüber der bisherigen Praxis keinerlei Vorteile.“ Selbst die Piloten, die spontan ihre Maschine benutzen wollen oder müssen, haben sich nie beklagt, dass sie allein auf dem Flugfeld sind.

 Flugleiter Friedhelm Steinkamp schilderte, worum es überhaupt geht: um die 20 Sekunden, bis das Flugzeug abgehoben hat. Denn solange dauere auf der Landebahn in Rinteln ein Start, danach habe die Maschine den Zuständigkeitsbereich des Vereins verlassen. „In der Luft ist der Pilot allein verantwortlich. Da hat ein Flugleiter keinen Einfluss mehr.“

 Vor dem Start checke ein Pilot seine Maschine sowieso allein, und der Luftsack zeigt ihm die Startrichtung, über Funk gibt er eine Meldung ab.

 Für Fahrenkamp und Steinkamp ist die Sicherheit auf dem Flugplatz allein durch die bisherige Regelung gewährleistet. Denn ohne Flugleiter dürfen ohnehin nur „gelistete“ Piloten außerhalb der Betriebszeiten des Flugplatzes starten oder landen. Piloten, die Flugerfahrung haben, den Flugplatz und das Gelände kennen: „Die haben alle einen Schlüssel zum Tower, müssen sich mit Zeit, Ziel, Flugzeugtyp, Kennzeichen der Maschine ab wie wieder zurück melden.“ Steinkamp: „Wir reden hier von monatlich zwischen vier und sieben Starts und Landungen dieser Art.“

 Und speziell für Rinteln gebe es noch einen anderen wichtigen Faktor, sagt Steinkamp: Die Feuerwehr ist vom Seetor in fünf Minuten am Flugplatz und wesentlich professioneller ausgerüstet, als der flugplatzeigene Notfallwagen.

 Wenn fremde Piloten landen, ist sowieso grundsätzlich ein Flugleiter im Tower. Dafür bedürfte es also keiner Änderung, sagt Fahrenkamp. Wenn beispielsweise ein Geschäftsmann aus dem Ruhrgebiet in Rinteln einfliegen will, weil er einen Termin bei einer heimischen Firma hat, „meldet der sich bei uns an, die Telefonnummern der Flugleiter findet er im Luftfahrthandbuch. Dann kommen wir, der fremde Pilot wird eingewiesen.“ Wobei der Rintelner Flugplatz für seine Größe schon komfortabel ist: Es hat eine asphaltierte Landebahn, keine Graspiste.

 Auch wenn mehr als eine Maschine am Flugplatz unterwegs oder in die Luft ist, bei einem sogenannten „Mischbetrieb“ sei grundsätzlich immer ein Flugleiter anwesend.

 Verwaltungsrichter Burkhard Lange, Pressesprecher des Verwaltungsgerichts Hannover, erklärte gestern, nach seinem Wissen hätte bisher außer Rinteln kein anderer Verkehrslandeplatz gegen die neue Verfügung geklagt. Wie die Entscheidung auch immer ausfällt, sie dürfte eine „Signalwirkung“ für andere vergleichbare Verkehrslandeplätze haben.

 Es ist übrigens diesmal nicht die EU, die hier auf neue Regelungen dringt. Im europäischen Ausland wird die Sache nämlich lockerer gesehen. So kann man in Pilotenblogs seitenweise über Anflüge auf kleine Flugplätze lesen. Das hört sich dann an, wie bei einem Anflug auf einen Flugplatz in Dänemark: „Auf dem Flugplatz war ich ganz alleine, gelandet, Fahrrad geschnappt und die Insel erkundet.“

 Was also die Luftfahrtbehörde bewogen hat, alle Betriebsgenehmigungen für kleinere Verkehrslandeplätze in diesem speziellen Punkt zu überprüfen, weiß auch Lange nicht. Bisher war in den „Nebenbestimmungen für eine Betriebsgenehmigung“ nämlich nur allgemein ausgeführt, dass „die Richtlinien für das Feuerlösch- und Rettungswesen auf Landeplätzen zu beachten seien“. Was exakt damit gemeint war, hatte man offen gelassen. wm

 Das will die Luftfahrtbehörde jetzt offensichtlich ändern.

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