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Rinteln Stadt Menschen aufnehmen oder vor Ort helfen?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Menschen aufnehmen oder vor Ort helfen?
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00:24 28.02.2015
Jamal und Enayat sollen es einmal besser haben als ihre Familie und werden von ihr deshalb in die Fremde geschickt. Quelle: pr.
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Rinteln

Der britische Regisseur Michael Winterbottom inszenierte die viermonatige illegale Reise im Stil eines Dokumentarfilms, der nun während der „Rintelner Abendgespräche“ im Kino-Center gezeigt wurde und dort zu durchaus kontroverser Diskussion führte.

 Der Film wurde bereits im Jahr 2002 mit Laiendarstellern gedreht, die zum Teil ebenso wie die Protagonisten aus dem riesigen Flüchtlingslager im pakistanischen Peschawar stammen, der Grenzstadt zu Afghanistan. Regisseur Winterbottoms erklärtes Ziel bestand darin, auf Hoffnungen und Elend von Flüchtlingen aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass sie alle – egal, aus welchen Gründen sie sich Schleuser-Gruppen anvertrauten – menschliche Unterstützung brauchen.

 Enayat und sein 16-jähriger Cousin Jamal, beide ursprünglich aus Afghanistan stammend, sind nicht unmittelbar an Leib und Leben bedroht. Enayats Vater führt in der pakistanischen Großstadt einen kleinen Laden für Elektrogeräte, sein Cousin Jamal, ein Waise, schlägt sich durch Arbeit in einer Ziegelei durch und spricht sogar ein bisschen Englisch. Die beiden werden von der Familie ausgewählt, weil sie es einmal besser haben sollen, vielleicht sogar die Daheimgebliebenen später unterstützen können. Man legt alles Geld zusammen, ohne dass sich allerdings irgendwer Gedanken darüber machte, wie so eine „Wirtschafts“-Flucht enden könnte.

 „Milliarden Dollar wurden in die Bombardierung Afghanistans investiert, was aber tat und tut man für die Millionen Flüchtlinge, die in Pakistan anlandeten?“ Diese Frage stellt der Sprecher des ansonsten fast völlig unkommentierten Filmes. Dieselbe Frage drängte sich am Ende den Zuschauern auf, nachdem sie den beiden Jungen per Dokumentations-Kamera auf Lastern, in rumpelnden Autos und zu Fuß durch Wüsten, über staubige Straßen, durchs Gebirge gefolgt waren und zusehen mussten, wie der Ältere den Transport im Schiffscontainer nicht überlebt, während sich der junge Jamal zeitweise in Paris als Straßenverkäufer und Dieb betätigt, um – endlich in London angelangt – zu erfahren, dass er keine Chance auf Annahme seines Asylantrages hat.

 Sollte man möglichst viele derjenigen, die perspektivlos genug waren, ihre Heimat zu verlassen, aufnehmen und ihnen mit aller nur denkbaren Hilfe entgegenkommen? Oder wäre es nicht viel sinnvoller, vor Ort zu helfen und dazu beizutragen, dass die Menschen doch lieber dort bleiben, wo sie nun einmal hineingeworfen wurden vom Leben? Eine Antwort gibt weder der Film, noch konnte man sich bei dem „Rintelner Abendgespräch“ einigen. Gerade deshalb war die Diskussion interessant, spiegelte sie doch insgesamt die Flüchtlingsthematik der diesjährigen Abendgesprächsreihe wider.

 Alles scheint klarer zu sein, wenn es um solche Flüchtlinge geht, die unmittelbar von Gefängnis und Tod bedroht sind oder mit Gewalt vertrieben werden. Erreichen aber Menschen Europa und Deutschland, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind, treffen sie kaum auf Unterstützung und müssen in den allermeisten Fällen zurückkehren oder in die Illegalität abtauchen.

 Sollte man sie stattdessen als Neubürger aufnehmen? Ist es überhaupt sinnvoll, ihnen zu helfen und weitere Nachfolger zu ermutigen?

 Einfühlsam leitete Superintendent Andreas Kühne-Glaser das Gespräch im Kino-Center, mit Bedacht wohl hatte er gerade diesen etwas zwiespältigen Film gewählt, wohl auch, um mit den offenen Fragen auf die nächsten Termine der „Abendgespräche“ hinweisen zu können, die von den christlichen Kirchen der Stadt organisiert werden und in denen es aus unterschiedlichen Perspektiven um „Flüchtlinge und unseren Umgang mit ihnen“ geht. cok

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