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Rinteln Stadt Mit der Kutsche über den Weihnachtsmarkt
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Mit der Kutsche über den Weihnachtsmarkt
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00:17 01.01.2018
Adventszauber-Veteran der ersten Stunde: Claus Schatzl mit seinem großen Angebot an thüringischer Glaskunst. Quelle: who
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Rinteln

Das sind die Eckdaten, die den Rintelnern wohl präsent sein dürften, gäbe es da nicht Claus Schatzl, der die Entwicklung von Anfang an miterlebt und mitgestaltet hat. Mit seinem Angebot an thüringischer Glaskunst und anderen weihnachtlichen Deko-Artikeln in seiner Hütte ist Schatzl eine wahre Institution des Adventszaubers, dessen Saison am heutigen Freitag endet. Und er weiß so manche Geschichte zu erzählen.

Gemütlich und anekdotenreich seien die neunziger Jahre gewesen. „Ich erinnere mich gerne an diese Zeit“, bekennt Schatzl. Allerdings lässt er auch ein wenig Wehmut erkennen, wenn er bedauert: „Ich bin der Einzige, der mit den Bodes durchgehalten hat. Die anderen sind ja schon alle weg.“ Dazu muss erklärt werden: Die Bodes, das ist die Rintelner Schausteller-Familie, die selbstverständlich mit an Bord war, als damals der Weihnachtsmarkt unter der Regie des Stadtmarketingvereins Pro Rinteln vom Kirchplatz nach vorne auf den Marktplatz umsiedelte. Die Bodes sind es, die mit ihren Imbiss- und Süßwaren-Ständen bis heute zu der Frühjahrs- und der Herbstmesse sowie zu zahlreichen anderen Events der Weserstadt gehören.

Ein Rintelner Weihnachtsmarkt ohne die Glühweinpyramide von Marlon Klasen, dessen Großeltern Fritz und Else Bode legendäre Schausteller-Persönlichkeiten gewesen sind, wäre schon gar nicht mehr vorstellbar.

„Else Bode war mit ihrem Süßwaren- und Glühweinstand beim Adventszauber ganz vorne mit dabei“, kommt Schatzl zur „Weihnachtsmarkt-Neuzeit“. Denn ihre Bude vorne an der Ecke Markt/Weser- und Klosterstraße sei eine der ersten des Adventszaubers gewesen.

Am Anfang waren zehn Buden

„Es ging los mit circa zehn Buden – bunt durcheinander, teils eigene, teils der Stadt gehörende“, erzählt Schatzl. Rintelner Persönlichkeiten wie Bernd und Ilse Rosendahl – unter anderem mit Kaffee- und Kakao- sowie Glühwein-Variationen – seien ebenso unter den „Pionieren“ gewesen.

Dazu der frühere Wirt der Gaststätte Zur Schildkröte, Hans Eichler aus der Brennerstraße. Mit der Person Eichlers verbinden sich für Schatzl und andere Insider spezielle Erinnerungen. Denn an der Ausschank-Hütte des früheren Wirtes der Altstadt-Gaststätte gab es den „Heißen Hund“. „Das Spezialgetränk aus Orangensaft, Gewürzen und anderen geheimen Ingredienzien hatte es in sich“, erinnert sich Schatzl, „weil jeden Morgen ausgiebige Geschmacksproben eingenommen und beurteilt werden mussten, bevor der ‚Heiße Hund’ ausgeschenkt werden durfte.“ Diese Proben hätten ihre Zeit gebraucht, „sodass Hans Eichler seine Bude auf dem Weihnachtsmarkt manchmal erst mit Verspätung aufmachen konnte“.

Viel hat sich seitdem – auch rein äußerlich betrachtet – verändert. So habe anfangs ein Kinderkarussell dort gestanden „wo heute der Weihnachtsbaum steht“, erzählt Schatzl. Der Weihnachtsbaum habe zunächst vor dem alten Rathaus, dem heutigen Bürgerhaus, gestanden.

Er selbst ist bis heute mit seinem Angebot von Glaskunst aus dem Thüringer Wald seiner Linie treu geblieben. Das Sortiment ist ständig gewachsen, und Schatzl bringt von seinen Einkaufsausflügen ins Kernland der deutschen Glaskunst immer wieder neue Weihnachts-Deko-Ideen mit.

Kreative Beiträge

Dazu hat Schatzl mit seinen kreativen Beiträgen zur Belebung des Adventszaubers beigetragen. Eine davon war in den ersten Jahren die Glasbläserin Ulla Schwan aus dem thüringschen Neuhaus. Mit ihr hatte er zugleich eine echte Fachfrau engagiert, der die Rintelner live bei der Arbeit zuschauen konnten.

Darüber hinaus war die Musik-Beschallung via Kassettenrekorder eine seiner Spezialitäten. „Der stand auch in meiner Hütte, und er hat Weihnachtslieder am laufenden Band gespielt. Wenn das Band abgelaufen war, habe ich es umgedreht – und es ging wieder von vorne los, sodass die Leute schon mal fragten: ‚Wie oft willst du ‚We wish You a Merry Christmas‘ denn noch laufen lassen?‘“

Auch Kutschfahrten – vom Markt durch die Enge Straße über die Mühlenstraße und Brennerstraße wieder zurück – gehörten in den ersten Jahren dazu, erzählt Schatzl. Bei einem Preis von 1,50 Mark pro Person sei die Kutsche meist voll gewesen. Der Kartenverkauf lief ebenfalls über Schatzls „Multifunktions-Bude“.

Was er am Rintelner Weihnachtsmarkt schätzt? „Ich habe zum Beispiel viele alte Kunden, die immer wieder mal bei mir reinschauen. Und oft sehe ich hier Leute, die man sonst das ganze Jahr nicht trifft.“

Der Adventszauber wird heute von 18 bis 22 Uhr mit Livemusik von der Rio-Band feierlich geschlossen. who

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