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Rinteln Stadt Muss die Elternschule schließen?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Muss die Elternschule schließen?
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22:21 24.09.2018
Viele junge Familien sind hier begleitet worden. Quelle: tol
Rinteln

Eine offizielle Bestätigung gibt es von der Pressestelle des Klinikums nicht. Doch bereits 2017 ließ sich Agaplesion nur zu einer Bestandsgarantie für zwei Jahre hinreißen.

„Das Emma-Zentrum ist die Elternschule des neuen Klinikums, und da es immer in Rinteln zu Hause war, soll es dort auf jeden Fall für die nächsten zwei Jahre bleiben“, hieß es damals. Es solle abgewartet werden, ob das Angebot weiterhin so gut angenommen wird oder ob die Eltern erwarten, dass auch vor Ort im Klinikum Kurse angeboten werden.

Nun läuft das zweijährige Moratorium demnächst aus. Das Agaplesion-Krankenhaus in Vehlen erwartet nach Hochrechnungen eine Vervierfachung seines errechneten Jahres-Defizits. Ein Sparplan ist also dringend geboten (wir berichteten). Das dürfte ein weiterer Grund für die Schließung des Emma-Zentrums gewesen sein, das sich nach Informationen dieser Zeitung weiterhin großer Beliebtheit erfreute.

Das Emma-Zentrum

Zum Emma-Team gehören außer Kinderkrankenschwestern und Hebammen auch Gynäkologen, Kinderärzte und Krankengymnasten. Zudem ist das Emma-Zentrum Kooperationspartner des „Lokalen Bündnisses für Familie“.

Das Team der Elternschule möchte Schwangere in einer sensiblen Lebenslage begleiten und Müttern und Vätern Kraft und Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern geben, um damit die Basis für eine zufriedene, belastbare Familie zu schaffen.

Während der Hebammensprechstunden werden die Schwangeren zu Fragen der Ernährung, Lebensplanung, Sport, Reisen, Partnerschaft und Geburtsplanungen betreut.

Zu dem Kursangebot im Emma-Zentrum gehören die Geburtsvorbereitung für Frauen und Paare, die Rückbildungsgymnastik, Babymassage, PEKiP, Erste Hilfe am Kind und Beckenbodengymnastik für Frauen 45+ sowie Fitness nach der Rückbildung.

Das dürfte nicht zuletzt an den engagierten Mitarbeitern liegen, die teilweise bereits in der Geburtsklinik von Rinteln gearbeitet haben. Kinderkrankenschwester Birgitt Radke blickt durchaus etwas wehmütig zurück. „Es war schon eine spannende Herausforderung, die ganze Sache zu entwickeln und aufzubauen.“

Denn nachdem die Geburtenstation im Rintelner Krankenhaus geschlossen worden war, bekam die Weserstadt quasi als Trostpflaster die Elternschule vom Landkreis eingerichtet. Eine der zahlreichen damals üblichen „Gegengeschäfte“, die sich Rinteln als einwohner- und wirtschaftsstärkste Gemeinde des Landkreises sichern konnte. Eine Elternschule ohne eigene Geburtsklinik: Das gab es sonst nirgendwo in Deutschland.

Diese Rintelner Institution ging mit dem Überleitungsvertrag der kommunalen Krankenhäuser ebenfalls in den Besitz von Agaplesion über. Und der Konzern will – so heißt es aus informierten Kreisen – jetzt ihre Kompetenzen am Standort in Vehlen bündeln.

„Das war alles eine politische Geschichte“, erinnert sich auch Radke. „Wir haben ja nie selber entschieden, wie lange es uns gibt.“ Für Radke – die zuletzt noch einen Zwei-Jahres-Vertrag hatte – endet ihre Berufstätigkeit Ende Dezember. „Wir Mitarbeiter sind ja alle schon über 65 – irgendwann ist genug“, findet sie. Außerdem mache es durchaus Sinn, die Elternschule an das Klinikum zu verlegen.

Bürgermeister Thomas Priemer weiß von einer möglichen Schließung des Emma-Zentrums noch nichts. Aber: „Den Zentralismus kann ich persönlich nicht ganz nachvollziehen.“ Es wäre schade, meint er, wenn die Angebote für junge Eltern in Rinteln damit weiter ausgedünnt würden. Er werde mit Agaplesion das Gespräch suchen, und sich für einen Verbleib des Emma-Zentrums in Rinteln einsetzen. jak