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Rinteln Stadt Polier macht Spaß
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00:17 12.06.2016
Die Baustelle in Todenmann. Quelle: jan
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TODENMANN

Larkin hat heute auf seiner Großbaustelle Besuch von der Zeitung. Aber die gute Laune, die hat er auch sonst, das merkt man.

Nerven Autofahrer, die trotz Vollsperrung durch die Baustelle wollen („Mein Navi sagt, hier geht’s lang!“), nehmen er und seine Leute es meistens mit Humor und erklären den Navi-Narren, wo’s denn wirklich langgeht. Das ist schließlich Larkins Job: Wissen, wo’s langgeht zwischen Rinnstein, Bordstein und Asphalt.

Seit August vergangenen Jahres wird im Kirschendorf gebaut. Larkin, in London geboren, Mutter Deutsche, Vater Engländer („Ich war der erste Kevin in Deutschland“), hat hier als Völkmann-Polier seit März das Sagen. Mit Peter Blana von der örtlichen Bauüberwachung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der auch fast täglich vor Ort ist und mit ihm gemeinsam den unvermeidlichen Papierkrieg erledigt, versteht er sich gut. Ärgern tut er sich über sein mageres Schulenglisch, denn bereits mit zwei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland, deswegen „habe ich nicht mal einen Akzent“. Unterhaltungen mit seiner englischen Verwandtschaft seien furchtbar schwierig. „Ich habe mir jetzt ein Englischprogramm gekauft.“

Ruhige Lage - bis auf den Baulärm

Auf der Baustelle wird „Deutsch geredet“. Kommt es zu Missverständnissen und deshalb zu Fehlern, gibt es ein Donnerwetter, denn jeder noch so kleine Bauabschnitt wird von Larkin und Blana aufgemessen und penibel dokumentiert – alles für die Nachwelt und für die Ingenieure im Völkmann-Büro in Bramsche. Abgerechnet wird mit der Auftraggeberin, der Landesbehörde für Straßenbau, nämlich stückweise, per Abschlagzahlung.

„Es gibt aber auch mal Kaffee und Kuchen“, sagt Blana. Den spendieren zufriedene Anlieger. „Einige freuen sich regelrecht über die Baustelle und sagen, das ist jetzt so eine Ruhe hier“, berichtet Larkin schmunzelnd – Baulärm natürlich ausgenommen.

"Der harte Kern"

Der Polier verbringt den Feierabend in einer Todenmanner Ferienwohnung mit dem schönen Namen „Panoramablick“. Im selben Haus hat Blana sein örtliches Bauaufsichtsbüro. „Die Bauarbeiter vom ,harten Kern‘ wohnen auch hier im Dorf, einige in Rinteln am Dingelstedtwall“, erzählt Larkin und schwärmt unaufgefordert, wie gut es ihm in der Weserstadt gefällt: „Rinteln hat schon was. Ein nettes Städtchen.“ Auch seine Leute fühlen sich hier wohl. Der „harte Kern“, das sind vier bis fünf Bauarbeiter der Firma Völkmann. Kommen die drei Pflasterer von einem Subunternehmen hinzu und, wie jetzt, noch ein paar Kanalbauer, die gerade in Höhe des Friedhofs bei der Arbeit sind, dann sind alles in allem zwischen sieben und 14 Leute auf der Baustelle. Im Schnitt sind es zehn. „Der Dümperfahrer macht sogar hier Urlaub“, sagt Larkin lachend. „Und meine Frau war Pfingsten zu Besuch. Es hat ihr sehr gefallen.“

„Das mit dem Kaffee hat in der kalten Jahreszeit angefangen – eine nette Geste, die dann zur schönen Gewohnheit geworden ist.“ Dafür schleppen die Bauarbeiter Mineralwasserkisten für Anlieger oder helfen älteren Anwohnern mit den Mülltonnen. „Wenn wir über Verkehrsdinge oder anderes informieren wollen, verteile ich Handzettel.“ Dabei kommt dem Polier sein Baustellenfahrrad zupass. „Das brauche ich auch.“ Die Baustelle ist 1,6 Kilometer lang, und per Handy kommuniziert der Polier nur „im Notfall“ mit seinen Mitarbeitern. „Ich rede lieber Auge in Auge mit ihnen.“ In der Startphase im Frühjahr, als er noch fremd war auf der Baustelle, habe er alle Wege zu Fuß zurückgelegt. „In den ersten Wochen war ich abends kaputt vom Laufen.“ Also hat seine Firma ihm ein Fahrrad beschafft – das Baustellenfahrrad.

Sicherheit an erster Stelle

Zweimal täglich, morgens um halb sieben und kurz vor Feierabend, muss Kevin Larkin die Verkehrsschilder rund um die Baustelle kontrollieren. Sind noch alle da? Stehen sie noch am richtigen Platz? Sicherheit geht vor, auch auf der Großbaustelle in Todenmann.

Dass die Bauarbeiter großherzig sind, sieht man, als ein Luxuswohnmobil mit auswärtigem Kennzeichen zwischen den riesigen Splitthaufen für den Gehweg und Natursteinbergen für die Gabionen hindurchmanövriert wird. „Den haben die wohl durchgelassen“, sagt Larkin lachend und nickt dem Fahrer zu. Polier macht eben Spaß. jan

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