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Rinteln Stadt Raubgräbern Kupferbeil abgenommen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Raubgräbern Kupferbeil abgenommen
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20:15 18.02.2014
Diese germanische Lanzenspitze hat Arbeitskreismitglied Uwe-Kurt Stade aus einer Kiesbrechanlage gefischt. Sie wird im Museum Eulenburg ausgestellt. Quelle: pr.
Rinteln

Es handelt sich um eine germanische Lanzenspitze, ebenfalls aus der Römischen Kaiserzeit (0 bis 500 nach Christi Geburt). Das seltene Objekt wurde, leicht verbogen, aber insgesamt erstaunlich gut erhalten, aus einer Kiesbrechanlage bei Rinteln gefischt. Sie ist ab sofort in der archäologischen Abteilung im Museum ausgestellt.

Mit Bedauern hat der Arbeitskreis die unerwarteten Bauverzögerungen registriert, die mit dem Grabungsprojekt auf dem Gelände der Firma S & W Rohrsysteme im Industriegebiet Süd einhergingen. „Sie waren vermeidbar und sicher nicht geeignet, das Vertrauen in die archäologische Arbeit zu stärken. In der Presse konnte zudem der Eindruck entstehen, als seien Mitglieder des Arbeitskreises dafür verantwortlich gewesen. Dabei hat der Arbeitskreis nach erfolgter Fundmeldung von amtlicher Seite lediglich die Bergung unterstützt“, teilt AK-Sprecher Stade mit. „Erfreulicherweise war das Interesse des Bauträgers an der Grabung dennoch sehr groß.

 Die Funde einer 2000 Jahre alten germanischen Siedlung sind ohne Beispiel im Wesertal zwischen Hameln und Minden und werden nach abgeschlossener Restaurierung teils im Firmengebäude, teils im Museum Eulenburg zu sehen sein.

 Im Vorfeld der Ausstellung „Historische Landkarten“ haben die Mitglieder des Arbeitskreises jahrhundertealte Kartenwerke systematisch auf bisher unbekannte Inhalte abgesucht. Dabei stießen sie unter anderem auf eine Schanzenanlage aus dem 30-jährigen Krieg im Kleinenbremer Pass, auf eine bisher nirgendwo erwähnte Hinrichtungsstätte unterhalb der Schaumburg, auf die sogenannte „Tönskapelle“ westlich der Schaumburg sowie mehrere Wolfsgruben, die im 16. und 17. Jahrhundert für die Wolfsjagd angelegt worden sind.

 Ein besonderer Erfolg war die sichere Lokalisierung des Standortes des längst verschwundenen Jagdhauses der Schaumburger Grafen im heutigen Friedrichswald, dessen Ortslage sich heute an der Stelle des damaligen gräflichen Tiergartens befindet. Die einst mit einem Graben umfriedete Anlage lässt sich noch an Ort und Stelle im Gelände erahnen. Der Abgleich mit einer Ansicht des Hauses auf einer Karte des 16. Jahrhunderts ergab erstaunliche Übereinstimmungen.

Ganz in der Nähe nennt ein altes Friedrichswalder Grundstückskataster von 1848 rätselhafte Aufgrabungen im Wald. Damals, vor mehr als 150 Jahren, vermutete man, dass man hier im Mittelalter erfolglos nach Bodenschätzen gesucht habe. Tatsächlich wurde auch diese Eintiefungen mit ihren entsprechenden Halden im Hang unterhalb der Goldbecker Straße wiederentdeckt und dokumentiert. Genauere Untersuchungen an Ort und Stelle stehen noch bevor.

 „Mit Spannung wird eine Pressekonferenz des Landesarchäologen Haßmann Ende März in Hannover erwartet. Dann wird ein mehr als 5500 Jahre altes Kupferbeil der Öffentlichkeit vorgestellt, das ein Arbeitskreismitglied illegalen Sondengängern abnehmen konnte“, teilt Stade mit. „Die auf frischer Tat ertappten Raubgräber hatten es kurz zuvor in der Nähe von Steinbergen gefunden. Bei diesem Beil handelt sich um den ältesten Metallfund, der je in Niedersachsen gemacht worden ist. Er soll mittelfristig im Rintelner Museum zu sehen sein.“

 Der Arbeitskreis hat derzeit acht Mitglieder. Sie präsentierten sich unter anderem mit einem gut besuchten Infostand am Tag des offenen Denkmals bei Schloss Baum im Schaumburger Wald. dil